24. Juli 2025
Meinung am Donnerstag
„Anpacken für Vorchdorf“. Unlängst wollte ich diesen zur Zeit fast schon inflationär hinausposaunten Slogan für unseren wöchentlichen Newsletter stibitzen, da wir, statt der geplanten Sommerpause zu frönen, den Bleistift besonders hart angepackt hatten und unsere stetig größer werdende Leserschaft mit einer bemerkenswerten Anzahl an Artikeln informiert haben. Um den Spruch aber ja richtig zu kopieren, habe ich Dr. Google bemüht – mit einem mehr als bemerkenswerten Ergebnis!
Die KI (inzwischen standardmäßig erste Antwort auf gegoogelte Fragen) hat mir allen Ernstes folgende Antwort geliefert: „’Wir packen an für Vorchdorf‘ ist ein Slogan der ÖVP Vorchdorf, der bedeutet, dass sie sich aktiv für die Gemeinde einsetzen und anpacken, um sie weiterzuentwickeln. Es ist eine Einladung, gemeinsam mit der Bevölkerung Vorchdorfs an einer positiven Zukunft zu arbeiten. Die ÖVP Vorchdorf betont, dass sie die Anliegen der Bürger ernst nimmt und sich bemüht, diese umzusetzen, auch wenn nicht jede Anregung sofort realisierbar ist. Der Slogan ‚Wir packen an‘ drückt den Willen aus, Probleme anzugehen und Lösungen zu finden, sowohl wirtschaftlich, sozial als auch ökologisch. Es ist ein Aufruf zur Beteiligung und Mitgestaltung, um ein gutes Vorchdorf zu schaffen. Die ÖVP Vorchdorf möchte die Bürger aktiv in den Gestaltungsprozess einbeziehen und lädt sie ein, ihre Meinungen und Anliegen zu äußern.“ (Zitat Ende.)
Na bumm, das ist also künstliche Intelligenz! Wenn ein der hiesigen Ortspolitik Unkundiger all das lesen sollte, könnte der doch tatsächlich glauben, in Vorchdorf geht was weiter, da wird gemacht und getan, man will, dass sich etwas tut, da redet man miteinander – kurzum: Hier werden die Ärmel hochgekrempelt und es wird „angepackt“!
Anpacken ohne sichtbare Ergebnisse
Die Realität scheint der Bevölkerung, nicht aber der KI bekannt zu sein. Beispiele gefällig? Ein Bürgermeister, dem Fragen zum aktuell größten und wichtigsten Projekt der Gemeinde, dem Schulneubau, gestellt werden, lässt ausrichten, dass er erst dann antworten kann, wenn er Zeit dazu findet – was nach 3 Monaten mangels Antworten noch immer nicht der Fall gewesen sein dürfte. Kein Wunder, da man stolz wie Oskar publikumswirksam Fischaufstiegshilfen bejubeln muss, Mütter mit Kinderwagen über offiziell noch nicht freigegebene Brückerln geleitet (für deren Sanierung man gut zwei Jahre „anpacken“ musste) oder man Ausflüge zur Landesgartenschau genießt – da bleibt fürs „Anpacken“ von so banalen Dingen wie einem Schulneubau dann genau gar keine Zeit.
Oder bedeutet „anpacken“ in Vorchdorf gar, dass man sich dabei filmen lässt, wie man als Parteiobmann fremde Unterlagen vom Rednerpult einer Gemeinderatssitzung „einpackt“? Hätte das in einem Supermarkt stattgefunden, wäre diese „Kleinigkeit“ wohl unter Ladendiebstahl gelaufen und hätte im schlechteren Fall zu einer Anzeige geführt.
Wenn das berühmt-berüchtigte Langzeitprojekt in der Bahnhofstraße, das „Ein-Euro-Boarding oder Was-auch-immer-Haus“, am 1. April von uns als Joe-Tower auf die Schippe genommen wird, dann wird umgehend der Telefonhörer „gepackt“ und lauthals Skandal geschrien – anstatt „anzupacken“, um für den optischen Schandfleck inmitten von Vorchdorf endlich eine brauchbare Lösung zu finden. Aber so hat der Gemeinderat alles „angepackt“, was sich der Besitzer gewünscht hat – und trotzdem herrscht seit bald einem Jahr unpackbarer Stillstand: Baustart weiterhin unbekannt, Antworten Fehlanzeige!
„Angepackt“ für eine gute Lösung wird auch seit knapp einem Jahrzehnt bei der Verlängerung der Europastraße. Dafür wird das Thema zwischen Gemeinderat und Ausschuss hin- und hergeschoben – in gewisser Weise auch ein „Anpacken“, aber halt eines ohne zählbares Ergebnis! Und dabei geht es genau um die von der KI beschriebenen Dinge: Eine positive Zukunft, ein Weiterentwickeln, die Umsetzung von Anliegen der Bevölkerung.
Wenn ein US-Präsident wie ein Vorchdorfer Bürgermeister anpackt
„Anpacken“ gegen die Errichtung der Pfandzählstelle in Point 11 tut dafür die ÖVP-Vizebürgermeisterin – allerdings nur schriftlich in der Parteizeitung, wenn sie von einer besseren Lösung fabuliert. Fragt man, was sie denn darunter verstehe, so tut sie das, was der Bürgermeister zwischenzeitlich reflexartig am besten kann: Abtauchen und vornehm schweigen, aber ganz sicher nicht Probleme „anpacken“ oder gar aktiv nach Lösungen suchen, so wie es die Künstliche Intelligenz behauptet.
Wenn ein Trump im Wilden Westen neuerdings das Wall Street Journal aufgrund kritischer Berichterstattung von Informationen aussperrt, dann folgt er damit einem Bürgermeister, der den INVO.report tatsächlich bereits von Pressekonferenzen ausgesperrt hat – mutmaßlich aus denselben, feigen Beweggründen wie der Ami. Oder fällt das gar unter „anpacken“?
Tatsächlich „angepackt“ wird bei der Entwicklung einer Klimastrategie für Vorchdorf. Mit höchster Priorität wurde da gefordert, neue Umwidmungen von Grünland strikt zu vermeiden. Wozu packt man das Thema aber an, wenn dann fernab des Ortskerns ein ehemaliges Wirtshaus geschliffen wird, um rund 4000 qm Grünland in Dorfgebiet umwidmen zu können? Es bleibt also mehr als spannend, wie die einzelnen Fraktionen und Gemeinderäte (es wird dabei gerne auf das „freie Mandat“ verwiesen) dieses Thema bei der anstehenden Abstimmung „anpacken“ werden. Ob die Klimastrategie hernach zu einem reinen Alibi-Projekt verkommt – wir werden es bald wissen.
Bei der öffentlichen Gewerbeverhandlung für den Schotterabbau, der für den weiteren Ausbau des INKOBA-Gewerbegebiet in Feldham unabdingbar ist, haben knapp 50 Bürgerinnen und Bürger sowie der Kirchhamer Bürgermeister für eine Lösung gemeinsam „angepackt“. Nicht mit angepackt hat aber die Vorchdorfer Spitzenpolitik, wie u. a. der schwarze Ortsparteiobmann und der blaue Vize-Bürgermeister, beide immerhin als Vorchdorfer INKOBA-Verbandsmitglieder inthronisiert. Ob Rot, Grün oder Pink, auch diese Fraktionen überlassen dieses wichtige Umwelt- und Wirtschaftsthema, wie so vieles andere, lieber der Bürgerliste, die sich vor Ort eingebracht hat. Bedeutsame Wortspenden vom Bürgermeister sind übrigens auch nicht überliefert – einpacken anstatt anpacken also?
Die Liste lässt sich u. a. damit fortsetzen: Da sich der Bürgermeister einmal mehr nicht für´s Anpacken zuständig fühlte, waren für die Räumung eines illegalen Altreifenlagers in Feldham ausschließlich eine Bürgerin und der INVO.report aktiv – und haben die Räumung erreicht! Mit konstruktiven Verbesserungsvorschlägen für die benutzerunfreundliche Website der Marktgemeinde haben wir unsere Anpacken-Mentalität ebenfalls untermauert – einzig, passiert ist leider (wieder einmal) nichts.
No artifical intelligence in Vorchdorf
Übrigens, nachdem mir die KI bei dieser Suche dermaßen viel Unsinn unterjubeln wollte, ergänze ich ab sofort meine Suchen mit Google immer um den Zusatz „-noai“, also no artifical intelligence. Damit bleiben mir diese Falschmeldungen zukünftig erspart. Ein bisserl mehr Hausverstand beim nächsten Einkauf einpacken würde wohl schon reichen, um die vielen, ewig verschleppten Projekte der Marktgemeinde endlich im Sinne der Bevölkerung weiterzuentwickeln – aber da muss die KI (und andere) wohl noch einiges anpacken und erlernen.
… eigentlich alles nicht mehr zu derpacken, denkt sich
Alfred E. Neumann

