26. Juli 2025
Der Kulturverein Guten Morgen Vorchdorf (GUMV) ist Thema der INVO.report-Sommerserie zu Geschichte und Geschichten aus dem Ort. Folge 2 beleuchtet, was das Spezielle am Programm war, warum das fast nie das wurde, was man sich vornahm, und wie Vorchdorf darauf reagierte.
Zu Beginn, in den 90er Jahren, existierte tatsächlich in Landgemeinden wie Vorchdorf kaum ein Angebot an „importierter“ Musik, Theater, Kleinkunst usw. Örtliche Vereine waren es, deren Mitglieder selbst auftraten, vermittelten, ausstellten oder Fahrten organisierten, und zwar durchaus in imposantem Umfang. Was GUMV mit einem Schlag und in kontinuierlicher Folge nach Vorchdorf holte, gab es aber zuvor nur ausnahmsweise. Inhaltlich neu war sogenannte zeitgenössische Kunst: Experimentelles Theater, Jazz, Weltmusik, gesellschaftskritisches Kabarett, exzentrische Solisten.

Musik. wahrlich „aus allen Richtungen“ (© Radio Ö1), war ein prominenter Schwerpunkt der Programme. Besonders hier schlugen regelmäßig die Vorlieben der jeweiligen Veranstalter:innen durch.
„Kultureller Nahversorger“ wollte GUMV von Anfang an sein.
Neu war, dass von Anfang an bei den meisten Veranstaltungen ein Großteil des Publikums von außerhalb kam. Es ist nie gelungen, den Grund dafür zu erforschen. Mehrere Umfragen zu unterschiedlichen Zeiten ergaben zwar eine gleichbleibend hohe Wertschätzung im Ort für die Arbeit des Vereins. Man war sich auch darüber im Klaren, dass diese Arbeit dem Ansehen der Gemeinde zuträglich war. Aber viele Vorchdorfer:innen begnügten sich offenbar mit dem „Optionsnutzen“, sprich der Einstellung: „Super, dass es dieses Angebot gibt…“
Auch die offizielle Gemeindepolitik ließ sich weder hinsichtlich der Subventionsbereitschaft noch, was öffentliche Anerkennung betrifft, lumpen. Vereinzelte Dissonanzen gab es, die aber unter dem Teppich blieben und nicht nachhaltig wirkten. Der Begriff vom „Aushängeschild für Vorchdorf“ wurde von den Bürgermeistern mehr als einmal bei Generalversammlungen und anderswo strapaziert und war wohl auch ernst gemeint. GUMV selbst gab diesem Image nach Kräften Nahrung: Solange es nennenswerten lokalen Pressejournalismus gab, wurde fast jede Veranstaltung in der Zeitung ausgiebig besprochen. Jährlich aktualisierte PR-Mappen unterstrichen die Vielfalt und Reichweite des Programms und den Beitrag für das öffentliche Leben gegenüber Politik sowie großen und kleinen Sponsoren, ohne die das Programm ebenfalls nicht möglich gewesen wäre. Die Formel von der Umwegrentabilität („Jeder Schilling für die Kultur bringt zwei Schillinge Umsatz im Ort“), die die Kulturplattform Oberösterreich (KUPF) irgendwann einer Studie entlockt hatte, half GUMV, sich gar als Wirtschaftsfaktor zu positionieren.
Was war aber nun der Charme des eigentlichen Kerngeschäfts, eben dieses Programms? – Auf der direkt erkennbaren Ebene war es das: Die Veranstaltungen waren abwechslungsreich, überraschend, auf hohem Niveau und zugleich unterhaltend, oft anspruchsvoll, neu. Der Kombination von Inhalt und Veranstaltungsraum widmete man die größtmögliche Aufmerksamkeit, ebenso dem Umgang mit dem Publikum und den Künstler:innen, deren dadurch optimierte Laune sich im geglückten Fall positiv auf ihre Darbietung auswirkte. Selbstverständlich, wie überall, ging irgend etwas davon aber auch immer wieder schief – bisweilen sogar gründlich. Kein Problem.

Bunt wie die Eintrittskarten war auch die Spartenvielfalt. Im Rückblick erstaunlich: Was für unterschiedliche Künstler:innen Angebote in eine so kleine Gemeinde geschickt haben.
Und das Rezept dafür?
Konzepte hat der Verein wiederholt entwickelt. „Mehr Theater!“ „Durchgehende Themen!“ „Mehr Publikumsvorlieben bedienen!“ „Ein Festival!“ – Was GUMV grundsätzlich in Zukunft anders, neu und besser machen sollte, wurde meist im Rückblick auf das letzte Jahresprogramm mit einigem Enthusiasmus formuliert. Doch „das Amen im Gebetbuch“, die tatsächliche Planung, kam nicht dort heraus, sondern bei den meist halbjährlichen Programmsitzungen: An die 100 vorliegende Künstlerangebote wurden da durchforstet, und wem etwas zusagte, der nahm sich seins (oder hatte es eh schon lange im Sinn). Zu checken blieben nur mehr Termine, finanzielles Budget und Verfügbarkeit des Raums sowie Abstand zu anderen Veranstaltungen. Fertig.
In Wirklichkeit hat GUMV nur absolut ausnahmsweise eine Veranstaltung deswegen gemacht, weil das im Sinn des Großen und Ganzen wünschenswert gewesen ist. Die Kriterien waren ganz überwiegend persönlicher Geschmack, Zeit, Geld – und der Zufall, dass dies alles zugleich mit einem vorliegenden Angebot harmonierte. Das hat sich hunderte Male glücklich gefügt; es dürfte also nicht das schlechteste Rezept sein, Kulturarbeit zu betreiben.
In Folge 3 geht es nun ans Eingemachte: Highlights, Angstpartien und Bizarres erlebten die Verantwortlichen und manchmal auch das Publikum bei den insgesdamt 373 Veranstaltungen immer wieder. Hier kommen handverlesene Beispiele.
