Sommerspecial #5: Doch, Vorchdorf bot 22 Veranstaltungs-Locations!

11. August 2025

Der Kulturverein Guten Morgen Vorchdorf (GUMV) ist Thema der INVO.report-Sommerserie zu Geschichte und Geschichten aus dem Ort. Folge 5 erzählt Liebesgeschichten, Trauerspiele und alles dazwischen – über die höchst unterschiedlichsten Räume, in denen die Magie zwischen Bühne und Publikum funktionieren sollte. 

GUMV stand, frei nach Erwin Ringel, theoretisch immer auf dem Standpunkt, dass Kultur die Art ist, wie wir miteinander umgehen. Der tatsächliche Umgang des Vereins mit seinem Publikum fand allerdings ganz überwiegend über Veranstaltungen statt – und diese wiederum gab es ganz überwiegend „im Saal“. Mit den Sälen in Vorchdorf war, man muss es so sagen, das Glück in einigen Fällen nicht ungetrübt. Und wenn doch, dann war es meist nicht von langer Dauer. Ausprobiert wurde praktisch alles, was geeignet schien, Menschen einer Vorführung beiwohnen zu lassen; vereinzelt auch Räume, die dazu nicht auf Anhieb geeignet erschienen …

Manches Veranstaltungsdesign würde man heute … aber das hat damals nur am Rande interessiert


Alle GUMV-KulturRäume von A bis Z:
Autohaus Vorchdorf | Bücherwurm | Gh. Denk | Filialkirche Einsiedling | Galerie Tanglberg | Heilandskirche Vorchdorf | Kindergarten | Gh. Kirchenwirt | Kitzmantelfabrik | Kunstschmiede Haan | Heson Kunststoffhalle | Hutterermühle | Musikheim Siebenbürger | Novum | Pfarrkirche Vorchdorf | Pfarrsaal | Gh. Schauflinger | Schloss Hochhaus | Schulen Vorchdorf (alle) | Volksheim | Gh. Ziegelböck | Café Zwirn


Das Gesamtkunstwerk: Tanglberg

Die prominenteste „Liebesbeziehung“ mit einer Veranstaltungsstätte pflegte GUMV über fast zwölf Jahre mit der Galerie Tanglberg. Hier fand 1990 mit „Franz Franz & The Melody Boys“ die Bühnenpremiere von GUMV statt. Und drei Jahre lang „wohnte“ der Kulturverein in diesem Haus sogar: in einer Kammer neben dem Galeriesaal. Das heißt, hier gab es ein richtiges Büro mit Materiallager und mit einer IKEA-Garnitur, die (notdürftig!) den Anschein einer Künstlergarderobe erwecken konnte.

Künstler, Publikum und Veranstalter schätzten das außergewöhnliche Ambiente aus altem Gemäuer, neuer Kunst, geschmackvoller Einrichtung ohne gelackte Eleganz und mit einem hervorragenden Restaurant, das zusätzlich den gemeinsamen Aufenthalt aller Beteiligten auch nach den Veranstaltungen zum bleibenden Eindruck verdichtete. Hier entstanden immer wieder solche „Gesamtkunstwerke“, wie GUMV sie ja genau wollte. Und sie entstanden wohl auch deshalb, weil sie sich organisch ergaben – nicht, weil man etwa versucht hätte, sie konzeptionell zu erzwingen. Mit der Veranstaltungsserie der thematischen „Nächte“ in der Galerie lief diese Idee zur Hochform auf. Orientalische, Afrikanische und Tango-Nacht kombinierten jeweils ein spezielles Essensmenü des Restaurants – mit „Tafelmusik“ serviert – Tanz- und andere Vorführungen miteinander. An diesen Abenden gehörte praktisch die ganze Galerie Tanglberg den Gästen von GUMV; die „Nächte“ schweißten zusammen und trugen dazu bei, dass die Kultur hier quasi familiär wurde, dabei auf höchstem künstlerischem Niveau.

Vor diesem Hintergrund waren sogar eigentlich peinliche Unzulänglichkeiten verzeihlich – etwa die hölzernen Klappsessel, die nicht nur schmal und unbequem, sondern auch noch von wenig vertrauenerweckender Statik gekennzeichnet waren. Mehr als einmal gab eins dieser filigranen Möbel während einer Veranstaltung krachend den Geist auf, und der diesbezügliche Warnhinweis an das geschätzte Publikum bei der Begrüßung war fast ein Running Gag.

Dass das Glück an diesem Ort endend war, hing mit einem Stilwechsel der Gastronomie im Jahr 1998 zusammen. Es wurde gespitzter am Tanglberg, und dazu wollte das leichte Chaos, das sich in den unteren Restauranträumen vor und nach Veranstaltungen unvermeidlich ergab, nicht mehr recht passen. Im Binnenverhältnis der Tanglberg- Eigentümer kamen neue Großwetterlagen hinzu, deren Tiefdruckkeile dem Kulturbetrieb ebenfalls abträglich waren. Und so endete die Ära Tanglberg so fulminant wie sie begonnen hatte: Mit einem ganz exquisiten und hochrangig besetzten musikalisch-literarischen Erich-Fried-Abend, der komplett ausverkauft und inhaltlich unvergesslich war.

Ein rauerer und anstrengenderer Charme

Fast gleichrangig am positiven Ende der Wertungsskala für die Veranstaltungsräume von GUMV lag die Kitz-mantelfabrik. Auch hier war man allerseits begeistert vom Hauch der – diemal industriellen – Geschichte, der zumindest bis zum Umbau das Gebäude prägte. Diese Begeisterung war in den Anfangsjahren auch bitter notwendig, um einem ganz anderen Hauch, nämlich kalter Luft zu trotzen; diese drang durch unzählige Ritzen ein und vertrieb die wenige Wärme der asthmatischen Heizkanonen im Saal der Witterung entsprechend nach mehr oder weniger kurzer Zeit. Hinsichtlich des Arbeitseinsatzes, den GUMV jedes Mal leisten musste, bevor hier überhaupt eine Veranstaltung beginnen konnte, war die Kitzmantelfabrik ein Fass ohne Boden – wirklich ein Monster von Veranstaltungsstätte. Aber der Verein hat es ja so gewollt … Die Rolle von GUMV für die Kitzmantelfabrik und umgekehrt: was dieser Bau mit GUMV gemacht hat, sprengt dieses Kapitel und wird daher gesondert beleuchtet.

Jahrelang immer wieder „Kultur-Café“ dank „Zeck“ Neuhuber

Angetrieben vom selben Zeitgeist wie GUMV – nämlich auch genau zur selben Zeit – entstand das Café Zwirn. Das Besondere an diesem Lokal war, dass sich hier die unterschiedlichsten „Szenen“ und Generationen die Klinke in die Hand gaben. Die durchaus leicht spontihaft, jedenfalls aber mit extremer Hingabe umgesetzte Grundidee von Zwirn-Gründer Franz „Zeck“ Neuhuber gewann nicht nur Jungunternehmer- und ähnliche Preise; sie passte auch zum Veranstaltungskonzept von GUMV. Hier wurden selbst Generalversammlungen des Vereins mehrfach bei bester Laune, wenn auch unter akustisch fragwürdigen Bedingungen abgehalten.

Die Club-Atmosphäre funktionierte fast immer verlässlich, selbst bei Musikgruppen, die in völliger Verkennung der „Bühnen“-Größe mit einem Equipment für eine mittlere Sporthalle aufkreuzten: Man improvisierte dann beiderseits, bis wieder einmal ein begeisternder „Musikcafé“-Event sein (meist eher spätes) Ende fand. Hier konnten Dinge geschehen wie nach dem Konzert des legendären Al Cook, der zu vorgerückter Stunde zu dem von einem Gast spontan angebotenen Nachtlager auf einer Couch oder Matratze abrauschte, statt, wie das Sitte ist, in einen standesgemäßen Beherbungsbetrieb.

Zu den teils „durchwachseneren“ (aber doch nie wirklich schlimmen) Erfahrungen mit größeren und kleineren Sälen aller Art und zu Veranstaltungsräumen, von denen man kaum je gedacht hätte, dass sie welche werden, kommen wir in der nächsten Folge.

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