Neuer SPÖ-Obmann Peter Grundner: „Wir wollen sichtbarer werden!“

5. September 2025

Im August hat Helga Gottenhumer, die seit 2021 der SPÖ Vorchdorf vorstand, das Staffelholz an Peter Grundner übergeben. Wir wollten vom neuen Obmann mehr über seine Gedanken zur Lage der SPÖ, zur Ortspolitik, seine Vorhaben und natürlich seinen Zielen erfahren.

Peter Grundner (42) lebt mit seiner Partnerin und den beiden Kindern seit zehn Jahren in Mühltal im „Schneiderhaus“, das er gerade renoviert. Er ist für ein mittelständisches Sozialunternehmen mit Schwerpunkt Behindertenarbeit tätig, zuständig für die agogische Leitung und das Qualitätsmanagement. Zu Vorchdorf hat er durch die Verwandtschaft zum ehemaligen evangelischen Pfarrer Horst Oberleitner familiäre, aber auch viele freundschaftliche Verbindungen.

Peter Grundner, Obmann der SPÖ Vorchdorf

Er sieht sich als „politischen Menschen aus einer unpolitischen Familie, ausgestattet mit einem starken Gerechtigkeitsempfinden und Wertesystem“. SPÖ-Parteimitglied ist Grundner seit 2018, um dann vor zwei Jahren aktiv auf die Ortsgruppe zuzugehen. Was aber bewegt jemanden, in die Politik zu gehen? – Ihm und seiner Familie gehe es gut. Durch eine faire, gerechte Politik für Vorchdorf möchte er das auch seinen Mitmenschen ermöglichen. Stammtischpolitik ist ihm zu wenig, man müsse sich schon einbringen, um etwas zu verändern.

Da er 2021 noch nicht auf der Wahlliste stand, ist er aktuell weder Gemeinderats- noch Ausschussmitglied. Politische Arbeit findet seiner Ansicht nach aber ohnehin nicht nur im Gemeinderat statt. Als Ortsparteiobmann gehe es für ihn zunächst um den Aufbau von Strukturen, um das Zuhören und Sichtbarmachen von Menschen. Die SPÖ könne dabei auf einen starken Kern mit vielen Persönlichkeiten zurückgreifen, ist er überzeugt. Grundner will aber auch neue Mitglieder gewinnen, um eine breitere, aktive Basis zu entwickeln. Er spricht übrigens lieber von Bewegung statt Partei. 

Politik für alle

So soll noch heuer im Herbst eine Umfrage gestartet werden, die sich sowohl an Parteimitglieder als auch an die Bevölkerung richtet. Fragen und Zuhören, mit dem Ziel, die wirklich wichtigen Themen zu verstehen, so sein Credo: Was beschäftigt die Vorchdorferinnen und Vorchdorfer, was läuft gut, wo ist Handlungsbedarf gegeben? Damit ließen sich auch neue Mitstreiter abholen. Die Aussendung soll mit der nächsten Parteizeitung erfolgen, die zugleich eine optische und inhaltliche Auffrischung erhalten wird.

Vorchdorf brauche eine Politik ohne Ausgrenzung. „Vom Kindergarten bis ins Seniorenheim soll jeder etwas von der Politik mitnehmen können“, wünscht sich Grundner. Der Ort müsse zudem leistbar sein, von den jungen Familien bis zur Pflege der Senioren. Die Politik dagegen müsse akzeptieren, dass es „zwar unterschiedliche Fraktionen gibt, aber eine Konsenspolitik mit Fokus auf Ort und Bevölkerung gemacht wird.“ Peter Grundner erwartet sich trotz unterschiedlicher Meinungen stets faire Gespräche. Momentan sieht er zu viel Streit und Blockade: „Man muss andere Meinungen akzeptieren, denn jede hat ihre Berechtigung – alles andere ist ein No-go für mich!“. Mit guten Ideen anderer Fraktionen möchte er sich daher unvoreingenommen beschäftigen – egal, woher und von wem sie kommen.

Apropos No-go´s in der Ortspolitik: Wenn es keine Konsensbereitschaft gibt, wenn man den Bürger nicht ins Zentrum stellt oder es ins Persönliche oder gar Familiäre geht: „Es muss um die Sache gehen, nicht um persönliche Ablehnung. Die Gemeindepolitik muss es aushalten, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Eine Gemeinde funktioniert nur, wenn man am Ende des Tages zu einer gemeinsamen Lösung kommt.“ Fraktionsübergreifende Abstimmungen erscheinen ihm daher sinnvoll. Schließlich muss jedem Gemeinderat bewusst sein, was ein bestimmtes Abstimmungsverhalten für die Zukunft bedeutet.

Priorisieren, um verwirklichen zu können

Die Gremien der Vorchdorfer SPÖ haben sich intensiv damit beschäftigt, wie man präsenter und aktiver werden kann. Der Vorschlag für einen Wechsel an der Parteispitze kam übrigens von der scheidenden Obfrau Helga Gottenhumer, die sich aber weiterhin als Stellvertreterin engagieren wird.

Sichtbarer machen will Grundner die SPÖ mit pro-aktiven Veranstaltungen und Foren, auch, um direkt mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen, durchaus auch mit Wirtshausgesprächen. Der Social-Media-Auftritt soll ebenfalls verstärkt werden. Den INVO.report schätzt er übrigens als wichtiges Medium, um den Vorchdorfern unterschiedliche Themen gezielt zu transportieren. Seiner Aussage nach gehört er übrigens zu den Lesern der ersten Stunde und hat vieles erst durch den INVO.report erfahren.

Auch wenn er zurzeit kein Mitglied des Gemeinderats ist, wird er an den Fraktionssitzungen teilnehmen und dabei auch Einfluss nehmen. Pro-aktiv soll die SPÖ im Gemeinderat zukünftig auftreten, wobei es nach Fakten und validen Zahlen gehen muss. Grundner wird dazu auch mehr Aktivität von seiner Fraktion einfordern. Als Vorteil sieht er es, dass viele Themen aus der Vergangenheit an ihm vorbeigegangen sind und er von daher unbelastet ist. Der neue Obmann plant aber bereits, auf alle Fraktionsobleute zuzugehen und sich auch auf der Gemeinde vorzustellen.

Auf seiner Prioritätenliste ganz oben stehen Themen wie leistbares Wohnen oder ein familienfreundlicher Alltag wie z. B. Essens- und Transportbeiträge sowie Spielplätze. Es solle mehr gemeinnützigen Wohnbau in Vorchdorf geben. Eine weitere Forderung ist die Barrierefreiheit als Grundrecht, was aber nichts mit einer Behinderung zu tun hat, eher vom Kinderwagen bis zur Altenbetreuung. Hier sieht er durchaus Aufholbedarf in der Gemeinde. Als Beispiele nennt er den Weg ins Bürgermeisterbüro oder den Umbau vor dem Gwölb.

Bei den heißen Themen Vorchdorfs wie 1-Euro-Grundstück, INKOBA oder Schulneubau erwartet er sich eine Priorisierung, die auch mit dem aktuellen Sparzwang umsetzbar sein sollte. Die Kosten des Live-Streams für 200, 300 Leute, aber ohne Nachschaumöglichkeit, im Vergleich zur Erhöhung der Bustransportgebühren sieht er kritisch.

Für die nächste Wahl erwartet er sich Zuwächse, ohne dabei Zahlen nennen zu wollen. Die Gremien werden über Spitzen- sowie Bürgermeisterkandidat noch entscheiden. Eine SPÖ ohne Bürgermeisterkandidaten wie 2021 wird es aber nicht mehr geben, da er darin einen der Gründe für das schwache Wahlergebnis von 15,7 % in 2021 sieht.

Peter Grundner im Word-Rap

Das fällt ihm zu folgenden Schlagwörtern spontan ein:

Vorchdorf? – Heimat
Politik? – Bewegungsmöglichkeit
Familie? – Das Wichtigste
Spitzname? – Gibt es keinen
Bier oder Wein? – Kommt auf den Moment an

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert