1-Euro-Grundstück: Einsprüche bei der Bauverhandlung

11. September 2025

Wie angekündigt fand am 10. September die Bauverhandlung am ehemaligen Gelände der Vorchdorfer Feuerwehr sowie der Rettung statt. Unter den gut 25 Besucher:innen waren auch die beiden Gemeindevorstände Reinhard Ammer (Grüne) und Wolfgang Ettinger sowie GR Johann Limberger (beide LV), außerdem Bezirksbauamtsleiter Manfred Zachhuber, um sich vor Ort ein Bild vom eingereichten Projekt der cmc Boardinghouse Vorchdorf GmbH (cmc) zu machen. Die Unklarheiten und Diskussionen sollten sich einmal mehr fortsetzen.

Nachdem die cmc das Areal vor bald acht Jahren um einen Euro von der Gemeinde übernommen hatte, wurden zwar die alten Gebäude geschliffen, die ursprünglich in Abstimmung mit der Gemeinde geplante Errichtung von günstigen Kurzzeitunterkünften, neudeutsch auch als Boarding House bezeichnet, wurde allerdings nicht umgesetzt. Was folgte, waren über Jahre andauernde und intensive politische Diskussionen. War es anfänglich der durchaus erschwingliche Kaufpreis von einem Euro sowie die Minderheitsbeteiligung des damaligen Gemeindevorstands Johannes Huemer (ÖVP), so war es später die Errichtung eines Bauzauns, der einen intensiven Schlagabtausch im Gemeinderat und den Medien verursachte.

Als dann für die Gemeinde im Oktober 2022 ein vertraglich vereinbartes Rückkaufsrecht entstand, wurden die Wortmeldungen immer hitziger. Vor allem die Liste Vorchdorf drängte vehement auf einen Rückkauf, da man von einem nicht unbeträchtlichen Wertzuwachs für die Liegenschaft ausging. Damit würde sich das Gemeindevermögen in Zeiten knapper Budgets vermehren lassen, und es ergäbe sich außerdem die Möglichkeit, dass die Gemeinde selbst Ideen für das Grundstück entwickelt, wurde argumentiert. Der Gemeinderat entschied sich mehrheitlich gegen diese Option und gestand dem Eigentümer im Februar 2025 umfangreiche Änderungsmöglichkeiten zu. Obwohl das Rückkaufsrecht vertraglich festgeschrieben ist, war anscheinend die Furcht vor einem kostspieligen Rechtsstreit bei der Mehrheit der Gemeinderäte zu groß.

Bahnhofstraße 14: Eine never ending Story

Lieber folgte man der Argumentation des Eigentümers, das Boarding House sei aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen wirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Dass der Baukostenindex seit dem Kauf im Jahr 2018 deutlich gestiegen ist, ist nicht in Abrede zu stellen. Warum aber über die Jahre zuvor nichts umgesetzt wurde, diese Frage steht nach wie vor unbeantwortet im Raum. Mit veränderten Rahmenbedingungen müssen schließlich auch andere Branchen umgehen. Und so erklärte sich die Gemeinde bereit, den neuen Projektplan zu akzeptieren: Anstelle des Boarding House werden nun in drei Obergeschossen Eigentumswohnungen errichtet. Statt einer Tiefgarage gibt es überdachte (aber dafür wohl versiegelte) Abstellplätze. Im Erdgeschoss sind zudem Geschäftsflächen vorgesehen. Eine Beurteilung, ob das Gebäude in das Ortsbild passt, ist wohl nicht vorgesehen.

Gelb markiert: Hier sind Gehwege für mehr Sicherheit geplant. (Orthofoto; DORIS)

Viele Debatten beschäftigten sich in den vergangenen Jahren mit einem Bauzaun, der entlang der in diesem Bereich ohnehin recht schmalen, zumeist unter 5 Meter breiten Messenbacher Straße errichtetet wurde. Dabei geht es auch um die Tatsache, dass in dem mit 29. Jänner 2018 datierten und von Bauamtsleiter Spalt (für einen gemeindeeigenen Verein) unterzeichneten Kaufvertrag schriftlich festgeschrieben ist, dass der Käufer exakt 171 Quadratmeter der Gesamtfläche (1706 Quadratmeter) in das öffentliche Gut abtreten wird. Auf einem Teil dieses bis zu 3,5 Meter breiten Streifens könnte die Messenbacher Straße etwas verbreitert und ein Gehweg errichtet werden, um die Sicherheit der Fußgänger an dieser neuralgischen Stelle deutlich zu verbessern. Außerdem ist ein Verbindungsweg in Richtung Bahnhofstraße vorgesehen. Die dazugehörigen Beschlüsse im Bau- und Straßenausschuss wurden übrigens bereits im Jahr 2017 gefasst.

Vertraglich vereinbart, aber wer kümmert sich darum?

Und genau zu diesen 171 Quadratmetern sind in der Bauverhandlung Fragen entstanden. Norbert Hartl, Geschäftsführer der Schmid Baugruppe sowie Mehrheitseigentümer der cmc als Projektwerber, präsentierte seine Pläne für den neuen Gebäudekomplex. Dabei machte ihn GV Ettinger, unterstützt von GV Ammer, darauf aufmerksam, dass wohl laut den Plänen ein Teil jener Fläche bebaut werden soll, der vertraglich vereinbart in das öffentliche Gut zu übertragen ist und damit im Eigentum der Gemeinde steht. Dazu erklärte Hartl, dass er nach Rücksprache mit seinem Rechtsanwalt nicht mehr gedenke, diese Fläche an die Gemeinde abzutreten. Bauamtsleiter Spalt schloss sich dieser Aussage an und sah daher keine Probleme für den Bauplan. Auf welche Erkenntnisse seines Rechtsanwalts sich diese Aussage stützt, war von Hartl dagegen nicht näher in Erfahrung zu bringen. Durchaus bemerkenswert war zudem, dass eine Begehung der Grundgrenzen vor Ort seitens des Bauamtsleiters abgelehnt wurde – aber gerade das wäre ja Sinn einer Bauverhandlung vor Ort.

Wohnungen anstatt Boarding House: So soll es dann aussehen

Wolfgang Ettinger, mit der Vollmacht eines Anrainers ausgestattet, erhob somit Einspruch, da seiner Ansicht nach die Grundgrenzen unrichtig dargestellt sind. Dieser Stellungnahme haben sich weitere Anrainer angeschlossen und ebenfalls Einspruch eingelegt. Ettinger erwartet sich daher, dass die Baubewilligung nicht erteilt wird. Dies obliegt im übrigen der Baubehörde erster Instanz, also Bürgermeister Johann Mitterlehner, der allerdings erst gegen Ende der Verhandlung vor Ort erschienen ist. Beide Gemeindepolitiker, Reinhard Ammer und Wolfgang Ettinger, wollen nun umgehend ein Gespräch mit dem Bürgermeister suchen. Nachdem die Gemeinde dem Bauwerber bei seinen Projektplänen entgegengekommen ist, erwartet man sich im Gegenzug die Einhaltung der Vereinbarungen und damit verbunden die Abtretung der 171 Quadratmeter in das öffentliche Gut, was für eine deutliche Verbesserung der Sicherheit der Bevölkerung in der Messenbacher Straße unabdingbar ist.

Es bleibt nun abzuwarten, wie der Bürgermeister weiter vorgehen wird und ob die letzte Bauverhandlung des scheidenden Bauamtsleiters Spalt für eine Fortsetzung der „1-Euro-Odyssee“ sorgen wird. Auch wenn der aktuellen Vereinbarung zwischen Gemeinde und Eigentümer ein Zeitplan für die Realisierung des Projekts zugrunde liegt, wird man erst sehen, wie rasch sich die unansehnliche Lücke in der Bahnhofstraße endlich schließen wird.

 

 

 

 

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