13.9.2025
Seit Juli dieses Jahres ist Paul Aberl neuer Amtsleiter der Marktgemeinde Vorchdorf. Nach Jahren als Mitarbeiter in der Verwaltung kennt er die Strukturen und Abläufe bestens – nun trägt er die Verantwortung für deren Leitung. INVO.report hat mit ihm über seine Beweggründe, erste Erfahrungen im Amt und seine Sicht auf Vorchdorf gesprochen. Ein Gespräch über Führungsanspruch, Gemeindepolitik und persönliche Perspektiven.

Amtsleiter Paul Aberl
Bisher sind Sie als Leiter der Bereiche Allgemeine Verwaltung und Personalverwaltung gekommen, jetzt betreten Sie das Gemeindeamt als Amtsleiter; können Sie beschreiben, wie sich das anfühlt? Was ist anders geworden?
Der erste Tag als Amtsleiter war für mich ähnlich wie bisher. Als Stellvertreter der Amtsleiterin bestand bereits eine enge Zusammenarbeit mit Frau Julia Raffelsberger, sodass der Übergang fließend verlief. Meine Kolleg*innen zeigen große Bereitschaft, während der Karenzvertretung meine bisherigen Aufgaben vorübergehend zu übernehmen. Künftig leitet Frau Sandra Mayr die Allgemeine Verwaltung sowie die Personalverwaltung.
Jede Veränderung ist mit zusätzlichem Aufwand verbunden und das Verantwortungsgefühl hat sich nochmals verstärkt. Ich fühle mich jedoch gut auf meine neuen Aufgaben vorbereitet und habe mein Büro mit Motivation und Tatendrang bezogen. Der Umzug selbst war unkompliziert – als Freund des papierlosen Büros habe ich nur wenige Ordner mitgenommen. Gute Zusammenarbeit und klare Kommunikation sind für mich die entscheidenden Erfolgsfaktoren während der Zeit der Karenzvertretung.
Was hat Sie dazu bewegt, sich für die Position des Amtsleiters zu bewerben? Braucht man dazu eine vorgeschriebene Ausbildung?
Mir gefällt die Arbeit in der Verwaltung, insbesondere der Umgang mit Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen. Die Tätigkeit ist spannend, erfüllend und durch die vielfältigen Aufgabengebiete äußerst abwechslungsreich. In den vergangenen Jahren konnte ich zahlreiche Erfahrungen sammeln, die ich nun in meine tägliche Arbeit als Amtsleiter einbringe. Berufliche Veränderungen gehören zum Arbeitsleben, und ich sehe es als große Chance sowie als persönliche Bereicherung, innerbetrieblich neue Aufgaben und Herausforderungen zu übernehmen.
Amtsleitung verstehe ich als Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung und Bürger*innen. Auch zwischen den Gemeinden gibt es einen regen Austausch. Unterschiedliche Meinungen gemeinsam zu einem bestmöglichen Ergebnis zu verbinden, dieses umzusetzen und damit meinen Heimatort nachhaltig mitzugestalten, war einer der zentralen Gründe für meine Bewerbung.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Leitung eines Gemeindeamtes in der Größe von Vorchdorf sind: das Niveau eines höheren Schulabschlusses, umfangreiches Fachwissen durch mehrjährige Berufserfahrung in der Gemeindeverwaltung oder der Abschluss eines einschlägigen Universitätsstudiums (vorzugsweise der Rechtswissenschaften) sowie Kenntnisse in Mitarbeiterführung und Management.
Wie verlief die Bestellung zum Amtsleiter? Ist ihre Bestellung zum Amtsleiter mit der Dauer der Karenzzeit von Frau Raffelsberger begrenzt oder noch offen?
Nach der Ausschreibung der Karenzvertretung wurden die Bewerbungen im Rahmen des Personalbeirates objektiv geprüft. Die Ergebnisse dieses Verfahrens wurden anschließend dem Gemeinderat vorgelegt. Dort wurde ich einstimmig für die Dauer der Karenz von Frau Raffelsberger zum Amtsleiter bestellt. Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mir der Gemeinderat damit entgegengebracht hat.
Wie haben Sie die ersten Wochen in Ihrer neuen Funktion erlebt? Gab es Überraschungen oder Aspekte, die anders waren als erwartet?
Überraschungen gab es keine, da ich wusste, was auf mich zukommt. Allerdings ist mir die Vielfalt der Aufgaben noch bewusster geworden – von Bauakten über Finanzberichte bis hin zu Vorstellungsgesprächen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Wenn man eine Stelle bereits kennt und sich dann bewusst dafür entscheidet, hat man meist konkrete Vorstellungen davon, wie man sie gestalten möchte. Welche Ideen hatten Sie für Ihre Amtsführung?
Ich habe mir im Vorfeld überlegt, in welche Richtung ich gehen möchte, und daraus einige Leitsätze für meine Amtsführung entwickelt:
Dienstleistungsorientierung: Die Gemeinde ist ein serviceorientierter Betrieb. Daher sehe ich uns in der Verantwortung, unsere Leistungen modern, effizient und bürgernah zu gestalten.
Mitarbeiterführung: Ich möchte die Stärken meiner Mitarbeiter*innen gezielt fördern und Aufgaben entsprechend verteilen. Eine hohe Motivation, Freude an der Arbeit und ein gutes Betriebsklima sind die Grundlage für ideale Arbeitsbedingungen.
Vernetzung und Zusammenarbeit: Als Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung und Bürger*innen möchte ich die Zusammenarbeit aktiv fördern.
Darüber hinaus ist mir, nicht nur, weil ich seit kurzem Vater bin, der Bildungsbereich besonders wichtig. Jeder in Kinderbildung und -betreuung investierte Euro vervielfacht sich langfristig.
Generell verstehe ich die Verwaltung als Unterstützungsinstrument für die Politik. Es geht darum, Entscheidungsgrundlagen aufzubereiten, Problemfelder aufzuzeigen und Lösungsvorschläge einzubringen, damit letztlich fundierte und rechtskonforme Entscheidungen getroffen werden können. Durch eine optimale Vernetzung der einzelnen Verwaltungsabteilungen können diese Prozesse künftig noch effizienter gestaltet werden.
Die Leitung einer Verwaltung kann herausfordernd sein, besonders wenn auf politischer Ebene unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Wie erleben Sie dieses Spannungsfeld bisher? Bzw. sehen sie in ihrem Bereich Möglichkeiten zur Verbesserung?
Politische Debatte und konstruktive Kritik auf Basis von Fakten sind notwendig und für eine funktionierende Demokratie unabdingbar. Die Verwaltung muss sich davon jedoch klar abgrenzen, da sie neutral agiert. Mein Beitrag zur Verbesserung dieses Spannungsfeldes besteht darin, faktenbasierte Entscheidungsgrundlagen für alle Fraktionen aufzubereiten, damit diese zukunftsorientierte und tragfähige Beschlüsse für Vorchdorf fassen können. Gleichzeitig lebt Politik von Emotionen, und es gibt Themen, die naturgemäß polarisieren. Wichtig ist jedoch, dass Debatten stets auf einer konsensorientierten und sachlichen Ebene geführt werden.
Wie nehmen Sie Vorchdorf als Ort wahr? Nennen Sie bitte Dinge, die Ihnen besonders gefallen – und Verbesserungspotentiale.
Vorchdorf ist eine Gemeinde mit vielfältigen Möglichkeiten und großem Potenzial. Sie hat für mich die ideale Größe – nicht zu städtisch, aber auch nicht zu ländlich. Besonders schätze ich die lebendige Vereinskultur, unsere ausgezeichneten Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen sowie die zahlreichen guten Gasthäuser. Vorchdorf engagiert sich als familienfreundliche Gemeinde in vielen Bereichen aktiv für unsere Kleinsten. Als junger Vater betrachte ich den Ort nochmals aus einer anderen Perspektive. Verbesserungspotential sehe ich vor allem bei den Spielplätzen, wobei wir auch in diesem Bereich bereits auf einem guten Weg sind.
Was sind ihre zentralen Ziele in Ihrer Funktion als Leiter der Verwaltung und Vorgesetzter des Gemeindepersonals?
Mir ist es wichtig, ein kompetenter Ansprechpartner in allen Verwaltungsangelegenheiten zu sein und dabei stets auf Augenhöhe zu kommunizieren. Unterschiedliche Sichtweisen betrachte ich mit Verständnis und sehe es als meine Aufgabe, konstruktive Lösungen voranzubringen.
Meine Türen stehen für Bürger*innen und Mitarbeiter*innen stets offen!
