14. November 2025
Zwischenruf von Michael Praschma
Die Bürgerfragestunde des Gemeinderats ist eine sinnvolle Idee und inzwischen fast eine Tradition. Das ist allerdings auch schon das Höchste, was man dieser Einrichtung bescheinigen kann. Denn es fehlt am rechten Schwung. Was tun?
Es kostet nichts außer ein bisschen Zeit; inhaltlich könnte etwas Interessantes herauskommen; und nach einem Jahr seit der letzten Bürgerfragestunde sollte es auch an Themen nicht fehlen. Aber dann gibt es ganze zwei Bewerbungen um Antworten. Und die kommen auch nicht aus dem „ganz normalen“ Vorchdorfer Volk, sondern quasi von offiziellen Frage-Funktionär:innen – nämlich Redaktionsmitgliedern des INVO.report. So geschehen bei der Novembersitzung des Gemeinderats.
Die andere Seite ist die: Ohne den antwortenden Gemeinderäten zu nahe treten zu wollen – hier sprechen ja Mandatare, die wissen müssen, wonach gefragt wird. Ihre Antworten sollten also bestenfalls konkreter, tiefgehender, vor allem aber aufschlussreicher sein als die Fragen selbst. Sie sollten – buchstäblich! – keine Fragen mehr offenlassen. In Wirklichkeit passiert das aber nicht.
Zur Illustration nur ein Beispiel. Der Kern einer meiner eigenen Fragen war, weswegen der Raumordnungsausschuss die Umwidmung von Grünland zu Wohnzwecken beim Ex-Wirtshaus Roith nicht zur Ablehnung empfohlen hat, trotz vier konkret genannter Gründe. Auf drei davon wurde nur sehr allgemein, aber eben nicht konkret und nachvollziehbar eingegangen. Was die Ausschussmitglieder da motiviert hat, pro und contra, konnte ich aus der Antwort beim besten Willen nicht ablesen.
Motivation braucht Zuckerbrot
Der Sinn der Bürgerfragestunde ist doch, Interesse, vielleicht gar Lust an der Auseinandersetzung mit der Gemeindepolitik zu wecken und wachzuhalten. Dazu braucht es aber Momente, in denen zum Beispiel eben so ein Pro und Contra plastisch erlebbar wird. Der Effekt könnte dann sein, dass sich jemand sagt: Ja, Donnerwetter, das ist spannend, hier möchte ich dabei sein. Satzkonstruktionen im Passiv mit allgemeinen Aussagen bringen’s da halt nicht.
Was es ganz offenbar auch nicht bringt, sind Appelle übers Internet, die Bürgerfragestunden zu nutzen. Man wird, wenn man denn dieses Instrument zum Aufleben bringen will, Menschen immer wieder persönlich ansprechen müssen. Es gibt eine Politikverdrossenheit, ja, aber sie ist mit kreativen Maßnahmen und der richtigen Einstellung überwindbar. Das zeigen Beispiele aus anderen Orten.
Motivierend könnte es auch sein, die Bürgerfragestunde – dann hoffentlich mit einer wirklich spannenden Durchführung – aufzuzeichnen und im Internet zur Verfügung zu stellen. Da es sich nicht um einen Teil der Gemeinderatssitzung handelt, braucht es hier auch keine Bedenken zu geben, dass dies nicht zulässig sein könnte. Und wenn Fragesteller:innen nicht wünschen, dass sie in Bild und Ton erscheinen, dann kann man das ja berücksichtigen.
Die Katze wird sich so oder so in den Schwanz beißen: Lässt man die Sache so dahintreiben, wird die Bürgerfragestunde einschlafen. Betreibt man sie mit Enthusiasmus, kann sie ein Beitrag dazu sein, dass Vorchdorf auch kommunalpolitisch wieder ein Markt voller Leben wird.
