25. November 2025
Einsamkeit ist ein Tabu. Kaum jemand spricht darüber. Dabei ist das Problem weit verbreitet; immer mehr Menschen sind betroffen, auch die Jungen. Es gibt aber erfolgreiche Lösungsansätze.
Mehrere hundert Vorchdorferinnen und Vorchdorfer fühlen sich dauerhaft oder jedenfalls öfter als nur ab und zu einsam. Das kommt jedenfalls heraus, wenn man Studien und Umfragen für ganz Österreich auf die Gemeinde überträgt. Besonders seit der Corona-Pandemie ist das Thema nicht nur verstärkt ins Blickfeld geraten – es hat sich auch verschärft. Wer sich länger einsam fühlt, hat ein höheres Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko und entwickelt auch eher psychische Erkrankungen.
Besorgniserregende Zahlen
Eine länderübergreifende Metastudie hat vor gut zwei Jahren ergeben, dass das Gefühl von Einsamkeit das allgemeine Sterberisiko im Untersuchungszeitraum um etwa 14 Prozent erhöht. In Österreich, Stand 2023, fühlen sich 600.000 Menschen mehr als die Hälfte der Zeit einsam! Dabei geht es nicht nur um einen hohen individuellen Leidensdruck.
Die Betroffenen sehen oft auch keine Zugänge zum Gemeinschaftsleben mehr für sich – wären zugleich aber auch hochgradig bereit, entsprechende Möglichkeiten wahrzunehmen. Einfach einem Verein oder einer Freizeitaktivität beizutreten, das scheint nicht so leicht zu funktionieren, wie ein kurzes Video des deutschen TV-Senders SWRaus der Reihe „SWR aktuell“ zeigt. Denn das wäre bei der Vielfalt von Gruppierungen in Vorchdorf ja ein Leichtes, sollte man meinen.
Tausende wurden Freunde und sind es geblieben
Finnland ist nicht nur großes Vorbild in der Bildungspolitik und schon zum achten Mal laut World Happiness Report glücklichstes Land der Erde. Auch ein Konzept zur Bekämpfung der Einsamkeit funktioniert hier offenbar gut eingebettet in das allgemein verbreitete Gemeinschaftsgefühl. „Circle of Friends“, Kreis der Freunde, heißt das Modell, an dem 12.000 Menschen teilgenommen haben. Zwei Drittel davon sind heute, zehn Jahre später, immer noch zusammen.
Der Erfolg: 90 Prozent der Teilnehmer:innen fühlten sich weniger einsam. Gesundheit und Wohlbefinden waren gesteigert. Knapp zwei Drittel der Gruppenmitglieder sind nach der begleiteten Gruppenphase weiter eigenständig zusammengeblieben. Diese und weitere Ergebnisse, z. B. auch die Übertragbarkeit auf andere Länder, beschreibt ein Bericht des EU-geförderten Projekts RECETAS, der auch den Ablauf dieser Gruppenphase schildert: Geschlossene Gruppen von sechs bis zehn Personen treffen sich wöchentlich über drei Monate mit je zwei professionell ausgebildeten Trainern und thematisieren ihre Einsamkeit und Lösungsmöglichkeiten. Das Projekt läuft noch bis 2026.
Auch in Österreich existieren Initiativen mit ähnlichen Zielen, z. B. die vom Sozialministerium unterstützte Plattform gegen Einsamkeit. Das finnische Projekt und etliche andere richten sich zwar an alte Menschen. Aber es geht nicht nur um sie. Gesunde Pensionist:innen sind oft besser sozial vernetzt als 18 – 30-Jährige. Johannes Gorbach vom Verein Social Innovation Wien sagt: Das Problem der Vereinsamung ist nicht auf die Großstadt beschränkt. Einsamkeit auf dem Land kann besonders hart sein, gerade weil sich dort alle kennen: „Wenn einen alle kennen, dann fällt es manchmal noch schwerer, die wenigen Kontakte, die man noch hat, zu nutzen, um sich wieder rauszuholen, weil man sich einfach für die eigene Situation schämt“.
Hier sind also die sozialen Dienste professionell gefordert, und auf Gemeindeebene gilt es, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen – ein Thema für den Sozialausschuss. Weitere Informationen z. B. von Science ORF.at
