UPDATE 5. Dezember 2025
Gegen die geplanten Umwidmungen haben sich bei der Gemeinde eine Reihe von Anrainern mit Stellungnahmen zu Wort gemeldet. Hier ist eine Zusammenfassung der vorgebrachten Argumente.
1. Dezember 2025
Geht es nach den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage, die das Linzer market-Institut im Auftrag von WWF Österreich im November durchgeführt hat, wünschen sich 76 Prozent der Bevölkerung strengere Maßnahmen gegen die Verbauung der Landschaft sowie den Bodenverbrauch. Wie wohl eine derartige Studie in Vorchdorf angesichts der aktuellen Umwidmungen ausfallen würde?
„Die Bevölkerung erwartet sich mit deutlicher Mehrheit wirksame Schritte gegen die Bodenversiegelung“, sagt Simon Pories, der sich beim österreichischen WWF-Ableger um Bodenschutz kümmert. Dagegen halten nur 20 % der Befragten die Anstrengungen der Politik für ausreichend, mit 66 % sind sogar knapp zwei Drittel gegenteiliger Ansicht. Die Ergebnisse der Umfrage unter 1000 online Befragten zeigt, dass Bodenschutz für die Bevölkerung ein wichtiges Anliegen ist – auch über Parteigrenzen hinweg. Ebenfalls knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, dass Flächen in ihrer Wohnumgebung in den letzten Jahren „zu viel“ oder „eher zu viel“ verbaut wurden.
Bodenverbrauch: mehr als 9 Fußballfelder pro Tag
Unlängst wurden von der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) neue Daten zum Bodenverbrauch vorgelegt. Dieser auch als Flächeninanspruchnahme bezeichnete Wert liegt mittlerweile bei 6,5 Hektar – und das pro Tag! Zur Veranschaulichung: Wir sprechen hier von mehr als neun Fußballfeldern. Der Verbrauch liegt damit zwischenzeitlich um mehr als das Zweieinhalbfache über dem Ziel von 2,5 Hektar pro Tag, das man vor über 20 Jahren ausgegeben hat und im aktuellen Regierungsübereinkommen nochmals bekräftigt wurde!
Zumindest was Umwidmungen betrifft, tut sich zur Zeit auch in Vorchdorf derzeit sehr viel. Bautätigkeit wird es wohl recht bald in der Brauereistraße, im Kirschnerfeld, am Tanglberg, am Kirchenbühel und, so die Gerüchte stimmen, mit einer weiteren Umwidmung in der Fischböckau geben – dort soll es wohl um weitere Parzellen auf rund 9000 Quadratmeter gehen! Was beim kürzlich geschliffenen „Gruberhaus“ (ehemals Pizzeria Giovianni) gegenüber der Bäckerei Probst geplant ist, darum wird noch ein großes Geheimnis gemacht. Nicht zu vergessen natürlich die verstärkte Bautätigkeit in Einsiedling und der Lederau. Da sich viele der genannten Projekte in der Hand von Andreas Sodian befinden, erklärt die ähnlichen Preise, die sich fast schon durchgängig nicht unbedingt mit dem Begriff „leistbares Wohnen“ in Zusammenhang bringen lassen.
Vorchdorfer Klimastrategie: Mehr als Lippenbekenntnisse?
Ende dieser Woche läuft die Frist für Eingaben der Anrainer rund um die Umwidmungen der ehemaligen Roith-Gründe ab. Die Argumente der dem INVO.report vorliegenden und im Ergebnis ablehnenden Stellungnahmen decken sich in bemerkenswerter Weise mit den Ergebnissen der market-Umfrage. Unter anderem wird die Frage gestellt, warum fruchtbarste Böden, fernab des Ortszentrums, zugunsten von 12 Bauparzellen umgewidmet werden sollen. Kritisch gesehen wird außerdem, dass die Widmungen frühestens im ersten Quartal 2026 erfolgen können, der Verkauf aber trotzdem bereits seit Monaten läuft. In der aktuellen Bewerbung wird sogar schon eine vierprozentige Preiserhöhung ab dem Jahreswechsel angekündigt – obwohl bis dahin aus verfahrenstechnischen Gründen definitiv keine Widmung vorliegen wird! Alles sei rechtlich geprüft und in Ordnung, wurde schon vor einigen Monaten seitens des Eigentümers auf Anfrage versichert.
Was auch immer das konkret bedeutet, man scheint sich einer erfolgreichen Umwidmung bereits sehr sicher zu sein, zumal inzwischen auch der Zusatz „vorbehaltlich einer erfolgreichen Genehmigung“ weggefallen ist. Die Anrainer fragen aus diesem Grund ausdrücklich, ob die Möglichkeit einer Stellungnahme damit nicht zur Farce verkommt. Ob allerdings die in einer Stellungnahme angedeuteten Verbindungen des Widmungswerbers zu einzelnen Gemeinderäten und zu hohen Entscheidungsträgern im Land mit ein Grund für diesen Optimismus sind, lässt sich nicht beantworten. Das Beispiel Vorchdorfs hätte vor diesem Hintergrund Blaupause für die Ergebnisse der market-Umfrage sein können, zumal auch in den Workshops für die Vorchdorfer Klimastrategie festgehalten wurde, dass von zentrumsfern gelegene Umwidmungen Abstand zu nehmen ist.
Ob es sich bei der Klimastrategie, die es unter größter Geheimhaltung auf die Tagesordnung der kommenden Gemeinderatssitzung am 9. Dezember geschafft hat, um vage Lippenbekenntnisse oder doch eine ernstgemeinte und nachhaltige Strategie für die Ortsentwicklung handelt, wird sich weisen. Ebenso zeigen wird sich im Jänner, wie der Raumordnungsausschuss und der Gemeinderat bei den Umwidmungen entscheiden: ein paar Fußballfelder Bauland mehr für Vorchdorf oder doch eine Strategie für ein Mehr an Bodenschutz.
(Transparenzhinweis: Eine der im Artikel erwähnten Stellungnahmen von Anrainern stammt von einem Redaktionsmitglied des INVO.report.)
