INKOBA-Gewerbegebiet: Jetzt geht’s los – mit Tieferlegen!

4. Dezember 2025

Aktuell ist von den geplanten 21,5 Hektar Gesamtfläche erst knapp ein Fünftel verbaut oder vergeben. Jetzt aber liegen alle notwendigen Bescheide und Genehmigungen vor, um den Schotter auf einer Fläche von 17 Hektar abzubauen und damit für eine Art Tieferlegung der zukünftigen Gewerbeflächen zu sorgen. Damit hat das Warten ein Ende. Am 2. Dezember war es so weit. Wie so oft in Vorchdorf, gut Ding braucht Weile – oder doch nicht?

Die Angelegenheit zog sich wie ein Strudelteig: Unter dem früheren Obmann, Bürgermeister Herbert Schönberger aus St. Konrad, war der Start des Schotterabbaus bereits für 2023 geplant. Als Schönberger im Vorjahr entnervt das Handtuch warf, war es sein Nachfolger Ingo Dörflinger, Bürgermeister von Kirchham, der im Oktober 2024 in einem Gespräch mit dem INVO.report den finalen Spatenstich noch vor dem Jahreswechsel in Aussicht gestellt hat. Als Grund für die jahrelangen Verzögerungen musste regelmäßig das Land Oberösterreich mit seiner Bescheiderteilung herhalten.

Gelände wird um 10 Meter tiefergelegt

Endlich durfte man zur Schaufel greifen

Am Dienstag traf sich der gesamte Vorstand der elf Mitgliedsgemeinden von INKOBA Salzkammgut Nord, zusätzlich verstärkt durch Bürgermeister Johann Mitterlehner, um gemeinsam den Spatenstich für den Schotterabbau vorzunehmen. „Das ist der Start der nächsten Ausbauphase des Gewerbegebiets in Feldham“, zeigt sich Dörflinger als INKOBA-Obmann hoch erfreut. „In den nächsten Jahren wird das 17 Hektar große Gebiet um durchschnittlich 10 Meter tiefer gelegt. Damit kann einerseits das Kiesvorkommen genutzt werden und andererseits danach das Betriebsbaugebiet in für die Landschaft sehr verträglicher Weise realisiert werden“, erklärt er die nächsten Aktivitäten. Der Abbau soll aufgrund von Revisionsarbeiten Ende März 2026 starten. Bis dahin wird der Schutzwall für die Anrainer errichtet sein. Die unterschiedlichen Bauabschnitte sind über insgesamt vier Jahre geplant. Neue Flächen sollen demnach voraussichtlich ab Mitte 2027 verfügbar sein.

Nach wie vor offen ist dagegen der regelmäßig kritisierte Verteilungsschlüssel der Verbandseinnahmen. Dabei geht es darum, welche Anteile der Kommunalsteuereinnahmen an die Gemeinden – und hier insbesonders die Standortgemeinde – zurückfließen. Obmann Dörflinger hat die Kritik von Beginn an ernstgenommen und plant eine Statutenänderung. Bislang konnte aber keine Einigung unter den Gemeinden erzielt werden – bei zweien spießt es sich wohl noch. Nicht gerade überraschend, denn wenn einer mehr bekommen soll, z. B. Vorchdorf als Standortgemeinde, dann muss irgendeine andere Gemeinde etwas abgeben. Nachdem das Projekt Schotterabbau nun endlich vom Tisch ist, ist eine Einigung zum Verteilungsschlüssel die nächste Priorität für den Obmann. Er plant einen Abschluss bis Mitte nächsten Jahres.

Mitterlehner: „Beste Rahmenbedingungen in verkehrsgünstiger Lage“ – ja eh, aber …

Vor einem Jahr wurde dem INVO.report auf Anfrage mitgeteilt, dass man an einer Ansiedelungsstrategie arbeiten würde. Eine Detailausarbeitung dazu steht noch aus, eine erste Grundsatzstrategie wurde mit der Business Upper Austria erarbeitet. Die Aussagen Mitterlehners im Rahmen des Spatenstichs zeigen aber, dass ein gemeinsames Verständnis für den Branchenmix durchaus notwendig erscheint. „Der Standort soll somit sowohl für regionale Produktionsunternehmen im Wachstum als auch für Unternehmen, die einen zentralen Österreich-Standort in verkehrsgünstiger Lage suchen, beste Rahmenbedingungen bieten „, meint er.

Gerade die verkehrsgünstige Lage birgt allerdings die Gefahr, dass sich Logistiker in Feldham ansiedeln – also Unternehmen, die nur wenige und oftmals schlecht bezahlte Mitarbeiter benötigen. Das würde niedrigere Steuereinnahmen für die Gemeinde bedeuten, dafür aber eine erhebliche Mehrbelastung für die Bevölkerung durch die An- und Abfahrten. Die öffentlichen Diskussionen um die auf der gerodeten Fläche in Ohlsdorf angesiedelten Betriebe belegen es: Logistiker mit bislang gerade einmal 40 anstatt der geplanten 600 Jobs. Obmann Dörflinger hat dem INVO.report gegenüber aber stets festgehalten, dass derartige Unternehmen nicht im Fokus stehen würden.

Was passiert mit dem Kreisverkehr bei der Autobahnabfahrt?

Verdächtig ruhig geworden ist es auch um die Umgestaltung der Autobahnabfahrt bzw. den Kreisverkehr. Eigentlich sollte das Land laut Vertrag dafür jährlich eine Verkehrszählung durchführen, um die Auslastung des Kreisverkehrs zu überprüfen. Wie zu erfahren war, wurde eine Messung für 2024 und 2025 ausgesetzt, da es zu keinen neuen Betriebsansiedlungen kam. Unklar bleibt damit, ob nicht der Verkehr aus Richtung Bad Wimsbach und Pettenbach (Stichwort: Pfandzählstelle und Wohnbau) zu einen Zuwachs geführt haben.

Ab einem gewissen Level wäre die Leistungsfähigkeit des Kreisverkehrs jedenfalls erschöpft, und es muss – ebenfalls vertraglich zwischen Land, Gemeinde und INKOBA vereinbart – über andere Varianten nachgedacht werden. Die im Raum stehende Ampellösung mit Bypass-Abfahrten wird, hinsichtlich der Optik, nicht nur Freunde finden. Fix ist, dass ein Drittel der Kosten von Vorchdorf getragen werden müsste. Angesichts des Schulneubaus ist die spannende Frage, woher das Geld dafür im Ernstfall kommen soll.

Tatsache ist, dass in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten wie diesen jede Gemeinde gefordert ist. Ausgabenseitig sind die Möglichkeiten eher überschaubar, so man keine qualitativen Einbußen für die Bevölkerung schaffen will. Vorchdorf hat mit dem optimal gelegenen Gewerbegebiet allerdings eine seltene Chance, die es zu nutzen gilt – allerdings mit Bedacht auf Umwelt und Bevölkerung!

Dieser Beitrag wurde am von unter Inkoba veröffentlicht.

Über Alfred E. Neumann

Anfang der Neunzigerjahre von Graz nach Oberösterreich ausgewandert; 2002 in Vorchdorf eingebürgert, will er die wunderbare Umgebung nicht mehr missen; informierte schon als Mitbegründer einer Schülerzeitung sein Umfeld; mag das Satiremagazin MaD; beruflich im Marketing und Produktmanagement beheimatet.

Ein Gedanke zu „INKOBA-Gewerbegebiet: Jetzt geht’s los – mit Tieferlegen!

  1. Albert Sprung

    Betriebsansiedelungen – ein verlorenes Jahrzehnt

    Das 21,5 Hektar große INKOBA Gewerbegebiet in Feldham, dessen Umwidmung bereits 2017 – also vor sieben Jahre – erfolgte, wird nun endlich in Angriff genommen und abgesenkt. Doch die Freude darüber will nicht richtig aufkommen: Während Nachbarn wie Eberstalzell in der Zwischenzeit konsequent Unternehmen ansiedelten und ihre Kassen mit sprudelnden Kommunalsteuern füllen, herrscht in Vorchdorf seit beinahe 10 Jahren der Stillstand.

    Das Ergebnis dieser Verzögerungen ist ein massiver Wettbewerbsnachteil und bedeutet den Entgang von Millionen von Euros an dringend benötigten Einnahmen. Denn bis mit der Absenkung eine nutzbare Fläche bereitsteht, werden noch einmal vier Jahre ins Land ziehen.

    Die traurige Wahrheit ist: INKOBA steht in Vorchdorf längst für „Inkompetenz bei der Betriebsansiedelung“. Der Unwille und die Unfähigkeit des letzten und aktuellen Dorfobersten das Thema Betriebsansiedelung selbst in die Hand zu nehmen, trieb uns in die Fänge der INKOBA. Die Gemeinde wird damit nicht nur um viele Steuermillionen gebracht, sondern wir geben auch die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung aus der Hand.

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