28. Dezember 2025
Der Jahresrückblick #2 von Inge Nussbaumer
Tatsächlich sind in Vorchdorf auch heuer wieder jede Menge Sachen geschehen, die mir wohl noch länger in Erinnerung bleiben werden. Neugierig, welche es in meine persönliche Hit-Liste 2025 geschafft haben?
Es waren ein runder Geburtstag, eine „Leider-nein-Regenbogenbrücke“, ein paar Hirschen, die mich an ganz anderes haben denken lassen, und eine Bürgerfragestunde, die nur 30 Minuten dauert, dafür aber kaum Bürger:innen und eher lauwarme Antworten zu bieten hat.
Zum 60er: Wenn Geschenke keine Freude machen
Eh klar, dass wir gut informiert waren und das runde Jubiläum des Bürgermeisters selbstverständlich nicht vergessen haben. Mit einem kleinen Präsent wollten wir Anstand und Aufmerksamkeit vermitteln. Gattin und Tochter haben uns sehr herzlich empfangen, sich gefreut und den Herrn des Hauses umgehend aus dem Stall gerufen. Der aber, das war sofort zu spüren, hatte gar keine Freude mit unserem Besuch. Man hätte uns ja nicht gleich in die Stube bitten müssen, aber auf ein Stehseidl hätten wir uns schon überreden lassen – so wie das meines Wissens in Eichham üblich ist. Eh klar, ein Bürgermeister kann es selten allen recht machen, kritische Meinungen muss man in dem Job aber schon aushalten. Und Gastfreundschaft ist eher eine Frage der Höflichkeit
Laudachsteg: Das Aus für die Turnübungen
Die Akrobatik der Vorchdorfer:innen, um die angeblich einsturzgefährdete und eigentlich gesperrte Laudachbrücke zu überqueren, hat nach beinahe zwei Jahren tatsächlich ein Ende gefunden! Ortsunkundige hätten tatsächlich glauben können, es handelte sich um einen besonders herausfordernden Trim-Dich-Parcours – offensichtlich für alle Altersgruppen! Das Bauhof-Team wiederum musste sich schon wie Sisyphos fühlen, wenn die Absperrungen regelmäßig zu erneuern waren – und all das nur, weil so manch Halblustige(r) Gitter und Schilder für Fitnessgeräte gehalten hat, die es zu verschieben galt.
Sehr beeindruckend dann auch die als Kurzfilm dokumentierte inoffizielle Erstbegehung des Neubaus. Obwohl (wie auch in der Gemeindezeitung kundgetan) eindeutig noch gesperrt, kam es zu einer barrierefreien Erstüberquerung, samt strahlender Jung-Mama, ihrem voll besetzten Kinderwagerl und unserem überglücklich strahlenden Ortsoberhaupt. Sperre hin oder her, die Nachahmer sind nicht lange ausgeblieben.
Zum Glück ließ dann die offizielle Eröffnung samt Einweihung durch unseren Pater Franz nicht mehr lange auf sich warten. In einer gebührend feierlichen Zeremonie verglich der weltoffene Kirchenmann die Brücke sogar mit einem Regenbogen. Übrigens, mein weitergedachter Vorschlag einer Regenbogenbrücke für die Vermählungen in der nahegelegenen Kitzmantelfabrik führte bei einem im Pfarrgemeinderat vertretenen konservativen Politiker zu einer ungesund fahlen Gesichtsfarbe. Unvergesslich, aber wir brauchen eh noch Munition für den nächsten 1. April!
Unter Hirschen in der Fundgrube
In den Bann gezogen hat mich bei einem Herbstspaziergang die Deko in der Auslage der Fundgrunde in der Bahnhofstraße. Tatsache, ein Stein der Weisen (in Vorchdorf!), umringt von einer Sesselrunde, die mit einem größeren und einigen kleineren Hirschgeweihen besetzt war. Mir persönlich ging dabei unweigerlich eine regelmäßig angesetzte Abendveranstaltung in der Kitzmantelfabrik durch den Kopf. Wovon sich der künstlerisch angehauchte Tischler mit seinem beindruckenden Werk inspirieren ließ, das wurde der Phantasie jedes einzelnen Betrachters überlassen.
Bürgerfragestunde: 30 Minuten, kaum Bürger:innen, wenige Fragen und dünne Antworten
Ganz ehrlich, dem INVO.report ist es wirklich schon mehr als unangenehm, dass es fast schon zur Tradition wird, wenn die einzigen Bürger:innen, die Fragen stellen, auch Redaktionskolleg:innen sind. Für mich ist es außerdem schon beschämend, wie inhaltsleer die Antworten (leider!) ausfallen – und das trotz ausreichender Vorbereitungszeit für die Befragten. Außerdem bemerkenswert, wie viel manche reden können, ohne dabei etwas zu sagen.
Uns liegt es aber sehr am Herzen, dass diese Möglichkeit einer Bürgerbeteiligung nicht einschläft oder gar sang- und klanglos verschwindet. Im Gegenteil, eine bessere Bewerbung, eine frühzeitigere Ankündigung und weniger Hürden wären wünschenswert. So wie ich es im Berufsleben gewohnt war, die Gemeinde sollte doch, einem Unternehmen gleich, darauf bedacht sein, Mitarbeiter:innen (= Mitbürger:innen) zur Mitarbeit zu motivieren. Je aktiver die Angestellten, desto erfolgreicher das Unternehmen. Je aktiver die Bürger:innen, desto belebter die Gemeinde.
Jetzt bleibt mir nur noch eines: Euch allen, liebe Leserinnen und Leser, einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen! Eines ist fix: Vorchdorf bleibt spannend – und wir dran!
