Bürgerfragestunde in Vorchdorf: Antworten gesucht – Transparenz gefordert

8. Januar 2026
Rückblick auf die Bürgerfragestunde von Andra Hahn

Die jährliche Bürgerfragestunde soll Klarheit schaffen und Beteiligung fördern. Doch was passiert, wenn Antworten ausbleiben? Ein Blick auf die Sitzung des Gemeinderats im November 2025 zeigt, wie wichtig Transparenz bei gemeinderelevanten Projekten ist.

Am 11.11.2025 fand die jährliche Bürger*innenfragestunde der Gemeinde Vorchdorf statt. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um nach den Projekten zu fragen, die in den Jahren 2024 und 2025 durch die Vereine „Zukunft Vorchdorf“ und „VERA“ umgesetzt wurden – sowie nach konkreten Plänen für 2026 und 2027.

Die Antworten – und was fehlte

Die Antwort von Franz Amering, langjähriger Obmann von Zukunft Vorchdorf – Verein für Ortsentwicklung, fiel ernüchternd aus: Statt klarer Informationen erhielt ich unverlangte Angaben über die Stadt- und Ortsentwicklung DOSTE, Auszüge aus der Website vom Verein Almtal VERA und einen Auszug aus Sitzungsprotokollen von Zukunft Vorchdorf mit häufigen Besprechungen zum Schulumbau und der Angabe, dass der Viertelortsbildpreis wieder ins „Gwölb“ investiert worden ist.

Ich habe die Frage nach VERA deshalb gestellt, weil mich interessiert hat, inwieweit Vorchdorf, als zahlendes Mitglied an folgenden Projekten beteiligt war und künftig sein wird:

  • Ein weiterer Meilenstein war die Umsetzung des Leaderprojekts „Genuss am Almfluss“, das den schönen Almuferweg vom Almspitz bis zum Almsee aktiviert hat und zu einem sehr beliebten Wanderziel, die Besonderheit ist die durchgängige Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, gemacht hat.
  • Neben dem Thema Wandern ist auch das Thema Radfahren bzw. Mobilität im generellen wichtig. Ebenso hat man sich an Projekten wie dem Tourismuskonzept Almtal 2025 und weiteren Projekten in der Region beteiligt.
  • Aktuell sind dies einerseits das Projekt Marienheim in Grünau und das Mobilitätsprojekt „Almtal unterwegs“ (Auszug aus der Website des Vereins VERA).

Meine eigentliche Frage – inwieweit Vorchdorf als zahlendes Mitglied an diesen Projekten beteiligt war und künftig sein wird – blieb unbeantwortet.

Zukunft Vorchdorf: Fragen zur Rolle und Unabhängigkeit

Auch bei „Zukunft Vorchdorf“ stellen sich grundlegende Fragen zur Funktion: Der Vereinsregisterauszug wirft Zweifel an der Überparteilichkeit und Unabhängigkeit auf. Die Platzierung der Vereinswebsite auf Vorchdorfonline, betrieben vom Werbering Vorchdorf, deutet auf eine enge Verbindung hin. Das Leitbild des Werberings beschreibt ihn als Zusammenschluss gewerbetreibender Betriebe – eine Ausrichtung, die nicht zwingend mit gemeindlichen Aufgaben vereinbar ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es fraglich, ob ein solcher Verein Aufgaben übernehmen sollte, die üblicherweise in den Verantwortungsbereich der Gemeinde fallen.

Umso überraschender war die Information, dass „Zukunft Vorchdorf“ an Projekten wie der Einreichung zum Ortsbildpreis (Einreichungsunterlagen sind auf Vorchdorfonline zu finden) und Schulumbau beteiligt ist. Auch die Reinvestition des Viertelortsbildpreises ins Gwölb hat mich verwundert.

Offene Punkte und unbeantwortete Fragen

Ich habe also Franz Amering gebeten, mir seine Antworten schriftlich zukommen zu lassen. Da die übersandten Unterlagen meine Fragen nicht beantworteten, habe ich diese konkretisiert:

  • Wer betraut den Verein Zukunft Vorchdorf mit welchen Aufgaben?
  • Wie werden diese Aufgaben vom Verein bearbeitet?
  • An wen wird wie oft berichtet?
  • Wie hoch war das Preisgeld des Viertelortsbildpreises?
  • Wer hat entschieden, wie das Geld investiert wird?

Die Statuten hat der Verein auf eine Bitte des LV-Mandatars Bernhard Ettinger hin nach der Gemeinderatssitzung zugänglich gemacht. Auf dieser Grundlage hat der INVO.report kürzlich eine erweiterte Fragenliste an Vereinsobmann Amering gesandt.

Warum Transparenz entscheidend ist

Transparenz ist kein Selbstzweck, sondern Grundlage für Vertrauen. Gerade wenn erhebliche öffentliche Gelder und gemeindenahe Projekte im Spiel sind, sollten klare Strukturen und nachvollziehbare Entscheidungen selbstverständlich sein. Die Bürgerfragestunde ist dafür ein wichtiges Instrument – aber nur, wenn Fragen nicht im Raum stehen bleiben.

Ein Gedanke zu „Bürgerfragestunde in Vorchdorf: Antworten gesucht – Transparenz gefordert

  1. Albert Sprung

    Zukunft Vorchdorf – Der Verein, der Politik ersetzt

    Der Verein „Zukunft Vorchdorf“ ist kein harmloser Ideengeber, sondern eine politische Parallelstruktur. Das Problem liegt nicht im Engagement, sondern in den Statuten selbst: Der Verein beansprucht, maßgeblich an Ortsentwicklung, Infrastruktur, Raumordnung, Wirtschaft, Verkehr und Ortsbild mitzuwirken – also genau jenen Bereichen, für die eigentlich in einer Gemeinde gewählte Gremien zuständig sind.

    Damit wird Politik dorthin verlagert, wo keine Wahlen, keine Geschäftsordnung, keine Minderheitenrechte und keine öffentliche Kontrolle gelten – und die eigentliche politische Willensbildung passiert in diesem Verein – der Gemeinderat darf danach beschließen, was längst vorentschieden ist.

    So werden demokratische Gremien degradiert: vom Ort der Debatte zum Erfüllungsgehilfen. Ausschüsse, Gemeindevorstand und Gemeinderat setzen um, was der Verein längst beschlossen hat und vorgibt. Verantwortung wird verschoben, Transparenz vermieden.

    ABER: Ortsentwicklung ist keine Vereinsaufgabe.
    Wer politische Entscheidungen in einen Verein auslagert, entzieht sie der Demokratie – leise, aber systematisch.

    Antworten

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