9. Jänner 2026
Nahezu vollzählig fand sich gestern der Gemeinderat zu einer Sondersitzung zusammen, um über den Finanzierungsplan für die erste Etappe des Schulneubaus zu entscheiden. Damit sollte der Weg für die Anschaffung einer Containerschule als Ausweichquartier ab dem nächsten Schuljahr geebnet werden.
Völlig außer Streit stand ausnahmslos die Freude über die am 29. Dezember 2025 eingelangte Förderbestätigung seitens des Landes Oberösterreich. Dass aber deshalb nicht gleich alles eitel Wonne sein muss, darauf wies Vizebürgermeister Alexander Schuster (FPÖ) in seinem Zusatzantrag hin. Die darauf folgenden Diskussionen und Wortmeldungen waren ein eindrücklicher Beleg dafür, dass gelebte und gesittete Demokratie auch in Vorchdorf möglich ist.
Zeitplan steht, aber Zusage des Landes für das Gesamtprojekt fehlt noch immer
Eine der drei Anfragen von Albert Sprung (LV), die Bürgermeister Johann Mitterlehner noch vor dem eigentlichen Tagesordnungspunkt zu beantworten hatte, beschäftigte sich bereits mit dem Schulneubau. Mitterlehner bestätigte den Zeitplan, wonach die Containerschule ab Juli 2026 errichtet werden soll, um dann ab dem neuen Schuljahr als Ausweichquartier für die Volksschule bereitzustehen. Die Gesamtkosten für diese Container sollen rund 3,58 Millionen Euro betragen. Unter Berücksichtigung eines Verkaufserlöses werden davon beinahe 2,80 Millionen Euro als förderbare Kosten vom Land anerkannt. Um den Zeitplan und eine rasche Ausschreibung für den Containerkauf zu realisieren, wird die Zustimmung des Gemeinderats benötigt.
Mitterlehner musste allerdings Schusters Frage verneinen, ob denn bereits eine Kostenzusage für das gesamte Projekt des Schulneubaus vorliege. Schuster verwies darauf, dass es in der Praxis wohl keinen Häuslbauer gebe, der ohne Kreditzusage seiner Bank eine Küche, geschweige denn ein Fertigteilhaus bestellen würde. Der Vizebürgermeister erwartet sich von der Gemeinde, dass Bestellungen oder andere vertragliche Bindungen für die Containerschule erst nach Vorliegen eines positiven Finanzierungs- bzw. Förderbescheids des Landes erfolgen. Nur so könne im schlimmsten Fall der Gemeinde ein Schaden z. B. in Form von dauerhaft benötigten Containern im Pfarrgarten erspart bleiben. Ihm war aber auch wichtig anzumerken, dass es keinesfalls um eine Verzögerung von Beschlüssen oder gar der Ausschreibung gehe, sondern vornehmlich um ein vernünftiges Timing der verbindlichen Bestellungen.
Diese plausible Argumentation erntete bei der Mehrheit der Wortmeldungen breite Zustimmung. Allerdings wurde mehrfach auf den ohnehin schon extrem knappen Zeitplan verwiesen, der keine weiteren Verzögerungen zulasse. Auch Amtsleiter Paul Aberl, mit beratender Stimme im Gemeinderat dabei, konnte dem Antrag etwas abgewinnen. Aus seiner fachlichen Sicht erläuterte er den Zeitplan im Detail und verwies darauf, dass die Lieferzeiten vor allem für die Container ohnehin schon eine große Herausforderung seien. Da eine Umsiedlung der Schule ausschließlich im Sommer erfolgen könne, würde somit eine Verzögerung der Auftragsvergaben das Projekt um ein ganzes Jahr nach hinten schieben.
So geht Gemeinderat
Nach dem einstimmig gefassten Beschluss des Hauptantrags wurde der von der SPÖ und Teilen der Liste Vorchdorf unterstützte Zusatzantrag der FPÖ von ÖVP, Grünen, Neos sowie zwei Gemeinderätinnen der Liste Vorchdorf extrem knapp abgelehnt – das auch, weil ein Mandatar der SPÖ gefehlt hat. Dieses Abstimmungsergebnis könnte aber dazu beitragen, dass Bürgermeister Mitterlehner nun bereits kommende Woche bei einem Gespräch mit ranghöchsten politischen Vertretern auf eine rasche Zusage des Landes für das Gesamtprojekt drängt.
Somit fiel gestern Abend der wirkliche Startschuss für den Schulneubau in Vorchdorf! Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang die Diskussionskultur am gestrigen Abend: Ein konstruktiv und gut verständlich vorgebrachter Antrag führte zu einer komplett sachlichen, für Zuhörer:innen hochgradig interessanten Diskussion. Ein einzelner Rundumschlag mit Blick in die Vergangenheit war zwar ebenfalls zu verzeichnen, doch die meisten Wortmeldungen waren zukunftsorientiert und fraktionsübergreifend um eine gute Lösung bemüht.
Aufhorchen ließ aber auch die gegenseitige Wertschätzung zu den konstruktiven Abstimmungen zwischen den beiden Vizebürgermeistern Traunbauer und Schuster im Vorfeld der Sitzung. Hier scheint die Rochade an der Ortsspitze bereits zu einem deutlich veränderten Gesprächsklima geführt zu haben. Gemeinderatssitzungen wie diese könnten das Interesse für die Ortspolitik in der Bevölkerung wieder beleben – denn erstaunlicherweise waren bei diesem zentralen Zukunftsthema gerade einmal drei Besucher (ungegendert, da alle männlich) im Saal.

Stellungnahme von Vizebürgermeister Alexander Schuster
Die letzte Gemeinderatssitzung hat gezeigt, wie konstruktiv und verantwortungsvoll Kommunalpolitik funktionieren kann, wenn Sachlichkeit, Respekt und gemeinsamer Hausverstand im Vordergrund stehen. Eine Diskussion auf diesem Niveau wünsche ich mir auch für alle kommenden Sitzungen.
Auch wenn mein Zusatzantrag letztlich keine Mehrheit gefunden hat, bleibt die Hoffnung, dass genau dieser Antrag dazu beiträgt, den Fokus auf das Wesentliche zu schärfen: eine möglichst rasche und klare Finanzierungszusage des Landes Oberösterreich für das Gesamtprojekt Schulneubau. Denn nur mit dieser Sicherheit können wir langfristig verantwortungsvolle Entscheidungen im Sinne der Gemeinde treffen.
Mir war und ist wichtig zu betonen, dass es dabei zu keinem Zeitpunkt um parteipolitische Taktik ging – und auch künftig nicht gehen darf. Es geht um Verantwortung gegenüber der Gemeinde, um einen sorgsamen Umgang mit Steuergeld und um vernünftiges Timing bei verbindlichen Entscheidungen. Hausverstand statt politischem Kalkül.
Die geführte Diskussion hat gezeigt, dass fraktionsübergreifend der Wille vorhanden ist, gemeinsam Lösungen zu finden. Genau dieses Miteinander, diese gelebte und gesittete Demokratie, sollte unser Maßstab sein. Wenn es uns gelingt, diesen Stil beizubehalten, bin ich zuversichtlich, dass wir auch bei großen Zukunftsprojekten wie dem Schulneubau gemeinsam die richtigen Entscheidungen treffen werden – zum Wohle unserer Kinder und unserer Gemeinde.