18. Jänner 2026
Meinung am Donnerstag* (s. u.)
30.000 Euro bewilligte der Gemeinderat unlängst dem Verein Zukunft Vorchdorf – zweckgebunden für die Ausarbeitung der Bürgerbeteiligung zur Gartenzeit 2031. Stellt sich einmal mehr die Frage, wer denn eigentlich hinter bzw. in diesem Verein steckt und wie dort gearbeitet wird. Nun hat Obmann Franz Amering auf Anfrage einen ersten Einblick gewährt, zugleich aber auch eine Presseinformation zum 20-jährigen Bestehen verschickt – mit durchwegs interessanten Erkenntnissen.
Wenn sich eine Gruppe regelmäßig zusammenfindet, um ehrenamtlich Ideen zur langfristigen Weiterentwicklung einer Gemeinde zu entwickeln, quasi als Think Tank für die Zukunftsentwicklung, so ist das begrüßens- und unterstützenswert. Wenn dann Bürgerinnen und Bürger auch noch regelmäßig und transparent zu den Vorhaben informiert werden, bestenfalls auch zur aktiven Mitarbeit eingeladen werden, dann ist das gelebte Kommunalpolitik. Der Verein „Zukunft Vorchdorf“ (die Website liegt bemerkenswerterweise beim Werbering) könnte diesen Vorstellungen entsprechen, allerdings gibt es da auch Fragen und Bedenken.
„Weniger ist mehr, nicht immer reden, sondern tun!“
Bürgermeister Johann Mitterlehner hat sich mehrfach Berichte zu positiven Nachrichten vom INVO.report gewünscht. Ein Verein mit dem Namen „Zukunft Vorchdorf“ sollte da doch jede Menge zu bieten haben – zumindest dachten wir uns das bereits im Herbst 2022. Unsere Gesprächseinladung wurde damals allerdings leider recht harsch abgelehnt – ebenso eine weitere schriftliche Anfrage im Vorfeld der Bürgerfragestunde 2023. Im November 2025 schließlich wurden erstmals Fragen einer Redaktionskollegin beantwortet, wenn auch eher fragmentarisch.
Nachdem auf Anfrage der Liste Vorchdorf im Dezember 2025 die Vereinsstatuten zugänglich wurden, haben wir uns ein weiteres Mal mit konkreten Nachfragen an den Vereinsobmann gewendet. Mit seinen Antworten kommt nun erstmals etwas Licht in den im September 2006 gegründeten Verein.
Auf die Vereinsfahnen heftet man sich demnach die aktive Begleitung diverser Projekte wie etwa die Gestaltung des Autobahn-Kreisverkehrs, die Neugestaltung der Bahnhofstraße (wenn die auch teils kritisch gesehen wird), den Treffpunkt Naturraum im Pfarrgarten, die Ideenfindung für die Laudachpromenade, die neue (kostenseitig allerdings umstrittene) Verabschiedungshalle, die Reaktivierung des Schmuckkastls durch die Bäckerei Gwölb oder die Bewerbung für die Gartenzeit 2031. Diverse Workshops „mit externer Begleitung für ein liebens- und lebenswertes Vorchdorf“ werden allgemein erwähnt. Zudem kümmerte sich der Verein um die Teilnahme an den jährlich stattfindenden Ortsbildmessen des Landes sowie Teil 2 und 3 der Kitzmantelfabrik und um diverse Leerstände im Ortszentrum. Erstaunlich scheint, dass der Verein in das Jahrhundertprojekt Bildungscampus auch involviert war. Der Schulneubau könnte ja eher für Projekte stehen, bei denen zwar viele mitgeredet haben, wo aber ein Endergebnis noch lange aussteht. Passend dazu wäre die (in einem anderen Zusammenhang) protokollierte Aussage eines früheren Mitglieds in einer Sitzung im Jahr 2011: „Weniger ist mehr, nicht immer reden, sondern tun!“.
Welche Rolle der Verein bei den genannten Projekten tatsächlich gespielt hat, ist nicht immer ganz klar – Beispiel: Bis zur Auflösung des Trägervereins Kitzmantelfabrik im Jahr 2013 war „Zukunft Vorchdorf“ jedenfalls noch nicht bei der Entwicklung des Zentrums beteiligt, bestenfalls bei der späteren Erweiterung um den Fabriksaal und das Museum im Südflügel.
Sagt sich leicht: Parteipolitik hat im Verein keinen Platz
Parteipolitische Neutralität nimmt Zukunft Vorchdorf ausdrücklich für sich in Anspruch. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Wer sind also eigentlich die Vereinsmitglieder? Laut Vereinsstatuten besteht der Vorstand aus maximal 14 Mitgliedern. Neben Obmann, Schriftführer, Kassieren und den jeweiligen Stellvertretern sind höchstens sieben weitere Vorstände vorgesehen: qua Amt der Bürgermeister, zwei Vertreter des Werberings sowie ein Mitglied jeder im Gemeinderat vertretenen Fraktion: ÖVP, „Alle für Vorchdorf“, FPÖ und Grüne.
„Alle für Vorchdorf“ trat allerdings letztmalig 2003 zur Wahl an. Die SPÖ dagegen ist angeblich nur irrtümlich nicht erwähnt – obwohl sie tatsächlich von Anfang an im Verein vertreten war. Nach der letzten Gemeinderatswahl im Jahr 2021 wurden allerdings NEOS und Liste Vorchdorf ebenfalls berücksichtigt. Aktuell wurden uns insgesamt 22 Vorstandsmitglieder genannt, wobei die zusätzlichen Mitglieder als „Beiräte“ geführt werden. Unklar bleibt, wer „zusätzliches“ Mitglied ist.
Unseren Informationen nach beschäftigen sich einzelne Fraktionen nun mit der Frage, wen man in den Verein entsendet. Immerhin hat man ja einem beträchtlichen Vereinsbudget für 2026 zugestimmt und sollte demnach auch Interesse haben, wer welche Entscheidung zum Mitteleinsatz trifft. Positiv erscheint da die Bestätigung des Obmanns, dass es noch nie zu einer Ablehnung eines von einer Fraktion nominierten Mitglieds kam. Wenn der Obmann betont, dass „Parteipolitik in den Sitzungen keinen Platz hat“, so erstaunt es dann allerdings doch, dass von den 22 Mitgliedern nahezu die Hälfte der schwarzen Reichshälfte zugerechnet werden kann.
Frühzeitige Geburtstagsfeier
Nachdem wir den ersten Teil unserer Anfrage an den Obmann gerichtet hatten, gab es zwar die erfreuliche Zusage, dass die Fragen beantwortet werden, aber zugleich die klare Botschaft, dass man über unsere erste Veröffentlichung mehr als unglücklich sei, inklusive der Prüfung einer Klage wegen Rufschädigung. Und das nur deshalb, weil wir – pflichtgemäß halt teils auch kritisch – Licht in einen Verein bringen wollen, der ja unbestritten jede Berechtigung hat, einen konstruktiven Beitrag für die aktive Weiterentwicklung Vorchdorfs zu leisten.
Dies wiederum passt zu mehrfach protokollierten Aussagen des Obmanns, wonach dieser „darauf hinweist, dass das, was in diesen Sitzungen beschlossen wird, keinesfalls nach außen getragen werden darf!“. Aber immerhin – wesentliche Strukturen des Vereins sind nun bekannt.
Fazit: Ein Zukunftsverein für Vorchdorf kann nur positiv gesehen werden. Allerdings muss auch eine kritische Analyse der Anzahl an tatsächlich erfolgreich abgeschlossenen Projekten in den letzten 19 Jahren seit Gründung des Vereins erlaubt sein. Die Vergabe von 30.000 Euro an den Verein sollte aber auch ein Weckruf an die Fraktionen im Gemeinderat sein, sich mit engagierten, gerne auch parteiunabhängigen Bürgerinnen und Bürgern bei „Zukunft Vorchdorf“ einzubringen – quasi als Update 2.0 zum 20-Jährigen. Ebenso sollte dem Wunsch nach einem Mehr an Transparenz entsprochen werden.
*Mit diesmal sonntäglichen Grüßen, weil sich der übliche Donnerstag einfach nicht mehr ausgegangen ist,
Alfred E. Neumann

Verein „Zukunft Vorchdorf“ – eine Parallelregierung
Der Verein Zukunft Vorchdorf agiert nicht als neutraler Ideengeber, sondern als politische Vor- bzw. Parallelstruktur. Laut Statuten bearbeitet er Ortsentwicklung, Infrastruktur und Raumordnung – eigentlich Kernaufgaben gewählter Gremien.
Gleichzeitig fehlt Transparenz: In der letzten Bürgerfragestunde blieben zentrale Fragen zu Projekten, Zuständigkeiten und öffentlicher Finanzierung unbeantwortet, während Sitzungsinhalte bewusst nicht öffentlich sein sollen. Öffentliche Mittel ohne öffentliche Kontrolle sind demokratisch problematisch.
Die behauptete Überparteilichkeit ist angesichts Zusammensetzung und Nähe zu politischen Parteien mit „Schwarzer“ Übergewichtung nicht glaubwürdig. Politische Willensbildung wird vorverlagert, der Gemeinderat und die politischen Gremien auf das Absegnen reduziert.
Ortsentwicklung gehört in die Hände gewählter politischer Mandatare und nicht zuletzt in den Gemeinderat, nicht in einen intranspatenten Verein. Ohne klare Abgrenzung, Transparenz und Rechenschaft ist „Zukunft Vorchdorf“ ein demokratisches Problem in Vorchdorf.