Klimaschutz kostet – kein Klimaschutz kostet mehr

10. Februar 2026

Vorchdorfs Klimastrategie bis zum Jahr 2030 war gestern Thema einer Pressekonferenz in der Kitzmantelfabrik. Aus Linz gekommen waren Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) und der Geschäftsführer des Klimabündnis‘ Oberösterreich Norbert Rainer. Sie stellten die örtlichen Ziele in einen größeren Zusammenhang. 

Informierten bei der Pressekonferenz (v.l.n.r.:) Elisabeth Reisenberger, Johann Mitterlehner, Stefan Kaineder und Norbert Rainer).

Beschlossen wurde die Klimastrategie schon in der Gemeinderatssitzung vor genau einem Monat. (Der Bericht des INVO.reports enthält bereits die vollständige Fassung des Dokuments.) Sie trägt den Titel „Paris, wir kommen“ wegen der bahnbrechenden Klimakonferenz von Paris im Jahr 2015, die das Ziel formulierte, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Kaineder hatte sich darauf bezogen, als er den Paris-Slogan kreierte.

Die französische Hauptstadt ist in den letzten Jahren auch ein Vorzeigemodell für den ökologischen Umbau einer im Sinne des Klimaschutzes nachhaltig strukturierten Metropole geworden, erwähnte Rainer in seinem Beitrag. Klimaschutz sei außerdem auch wirtschaftlich sinnvoll – nicht bloß wegen zu erwartender Strafzahlungen von vier Milliarden Euro bis 2030, sollte Österreich säumig bleiben, sondern auch, weil die erforderlichen Maßnahmen selbst ein großes Investitionsprogramm darstellten.

Bürgermeister Mitterlehner ordnete die kommunale Klimastrategie in eine langjährige Reihe ökologischer Maßnahmen der Marktgemeinde und die Zusammenarbeit mit bzw. Mitgliedschaft in entprechenden Netzwerken ein und verwies auf Maßnahmen wie Photovoltaik-Projekte und Ladestationen für Elektromobilität.

Die Roith-Umwidmung: Erster Sündenfall der Klimatrategie?

Entwickelt wurde die Klimastrategie in einer Reihe von Workshops, in denen auch Interessierte mitgewirkt, Ideen eingebracht und Maßnahmen nach Wichtigkeit gereiht hatten. Einen Überblick dazu lieferte Elisabeth Reisenberger. Hohe Priorität wurde dabei z. B. den Bereichen Verkehr und Raumplanung (also der Widmung der Flächen in Vorchdorf) zugewiesen, so im 2. Umsetzungsworkshop im März 2025. Bereits damals war deutlich, dass auch der Raumordnungsausschuss der Gemeinde dabei gefordert sein würde.

An einem ersten Beispiel wird sich demnächst zeigen, ob Klimaschutz oder „Business as usual“ die Oberhand im Gemeinderat gewinnt. Die geplante Umwidmung von fast 9000 Quadratmetern landwirtschaftlich wertvoller Fläche beim ehemaligen Wirtshaus Roith für Wohnbauten ist eine Maßnahme, die den Zielen der Klimastrategie diametral entgegengesetzt ist. Im Gemeinderat ist diese Maßnahme umstritten, wurde aber bisher sowohl in einem Grundsatzbeschluss als auch im Raumordnungsausschuss mehrheitlich befürwortet.

Stefan Kaineder: Ein Ja oder Nein zu einem Einzelfall wäre unseriös.

Die Frage des INVO.report an Landesrat Kaineder lautete, ob nicht wenigstens die Gemeinderäte seiner Partei (für die Flächenversiegelung ein zentraler Kritikpunkt ist) hier geschlossen mit Nein stimmen müssten, wollte der Grünen-Chef für einen Fall, der ihm persönlich unbekannt ist, nicht konkret beantworten, ein Ja oder Nein sei hier nicht seriös. Nachgefragt, ob in diesem Fall nicht wenigstens eine klare Rechenschaftspflicht für das Stimmverhalten gegenüber der Bevölkerung bestehe, meinte Kaineder, dass jede Entscheidung gut zu begründen sei. Die Vorchdorfer Vertreter am Podium äußerten sich hierzu nicht. Dem Grundsatzbeschluss zur Umwidmung hatten ÖVP, SPÖ und ÖVP zugestimmt, NEOS stimmten mit Nein, Grüne und Liste Vorchdorf teils mit Nein, teils mit Enthaltung.

Vollständige Unterlage zur PK von Landesrat Kaineder

Ein Gedanke zu „Klimaschutz kostet – kein Klimaschutz kostet mehr

  1. Alfred E. Neumann

    Da stellt sich dann wohl folgende Frage: Waren das gestern mehr als nur Ansagen für eine gute Presse oder gibt es ein schnelles Vergessen? Es wäre ja wohl extrem schade, wenn all die Workshops und engagierten Bemühungen des Umweltausschusses rund um die Klimastrategie für die sprichwörtliche Katz waren.
    Jenen Mitgliedern des Raumordnungsausschusses, die sich Ende Jänner nicht eindeutig gegen eine Umwidmung von knapp 7000 qm bestem Grünland am Ortsrand ausgesprochen haben, kann man nur raten, die Worte unseres Bürgermeisters „die Strategie ist nicht nur ein Plan, sondern ein gemeinsamer Weg“ sinnerfassend zu lesen. Hoffentlich haben die Gemeinderäte ein besseres Gedächtnis, wenn es demnächst zur finalen Abstimmung kommt!
    Nicht zu vergessen, dass die Bürger (ganz besonders jene mehr als 200 aus dem Kellerfeld, die die Ortswasserleitung für das Projekt mutmaßlich mit mind. 200.000 Euro für den Immo-Investor mitfinanzieren dürfen) sehr interessiert verfolgen werden, ob sich z.B. die Grünen sowie die Liste Vorchdorf bis dahin eine eindeutige Meinung zu diesem Projekt bilden konnten und ob sich die Roten an ihre Forderung nach „leistbarem Wohnraum“ erinnern können. Am Paarlauf von Schwarz (Stichwort: landwirtschaftliche Flächen versiegeln!) und Blau wird wohl weiterhin jedes gute Argument abprallen – da scheint es wohl andere Interessen zu geben. Einzig Pink als wahre Antreiber(in) der Klimastrategie sollte dazu wohl weiterhin eine klare Meinung haben.
    Die mehr als unklaren Aussagen eines grünen Landesrates zu diesem typischen Grün-Thema muss man sich ja dabei nicht unbedingt zum Vorbild nehmen.

    (Personenbezeichnungen beziehen sich selbstverständlich auf alle Geschlechter)

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert