11. Februar 2026
Bei der Frage, was auf den Teller kommt, hört sich mitunter der Spaß schnell auf. Das Thema emotionalisiert auch, weil Ernährungsgewohnheiten im Zusammenhang mit dem Klimaschutz diskutiert werden. Mit einem faktengesättigten Vortrag rückte Stefan Hörtenhuber am Montag im voll besetzten Pfarrsaal den Vorurteilen in der Kontroverse zu Leibe.

Seit vielen Jahren immer mehr Rot: Stefan Hörtenhuber demonstriert die Erderhitzung mit den Daten aus Kremsmünster.
Der Klimawandel an sich steht kaum noch unter Zweifel, wissenschaftlich jedenfalls gar nicht. Dazu reicht auch ein Blick auf die ununterbrochenen Aufzeichnungen der Wetterstation bei der Sternwarte des Stifts Kremsmünster seit 1768 (s. Foto). Der Anstieg der durchschnittlichen Temperaturen in Österreich zeigt die Entwicklung ebenso wie die Zunahme von Dürren und Extremwetter-Ereignissen.
Sind pupsende und rülpsende Rinder das Problem?
Die Frage ist: Kann Ernährung und damit auch die Landwirtschaft einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, den Ausstoß an Treibhausgasen zu verringern? – Eines der Themen, mit denen sich der Vorchdorfer Dipl.-Ing. Dr. Stefan Hörtenhuber an der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) beschäftigt. Die vielzitierte Zahl der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO hat er natürlich bei der Hand: 16 % der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen – mit Stand 2017 – aus der Tierhaltung; etwa gleich viel wie aus dem Verkehr. Das wird sich allerdings inzwischen etwas verschoben haben, und in Österreich sieht es auch anders aus.

Ernährung ist ein relativ kleiner Hebel für den Klimaschutz. (Abb.: Hörtenhuber/BOKU)
Bei uns stammen 11 % der Treibhausgas-Emissionen aus der gesamten Landwirtschaft (also nicht allein aus der Tierhaltung); etwa das Dreifache davon verursachen Industrie und Energieerzeugung zusammen. Erstaunlich ist aber, dass die Erzeugung und Bereitstellung von Lebensmitteln, also alles vom Urprodukt bis zur Mahlzeit auf dem Teller, doch wieder bis zu einem Viertel der Treibhausgase mit sich bringt. Dennoch: Die Bereiche Bauen/Wohnen und Verkehr sind deutlich wirksamere Hebel für den Klimaschutz als z. B. die Umstellung auf fleischlose Kost, ungeachtet der großen Probleme nicht artgerechter Haltung oder von Tiertransporten.
Kleinvieh macht auch Mist
Das spricht für Hörtenhuber aber nicht dagegen, beim Konsum und bei der Ernährung auf Nachhaltigkeit zu achten – wenn man z. B. weiß,
- dass wir nur ein Drittel aller produzierten Lebensmittel tatsächlich brauchen;
- dass wir etwa 50 % zu viel Eiweiß mit der Nahrung aufnehmen;
- dass etwa ein weiteres Drittel der Lebensmittel weggeworfen werden
- … und dass damit nicht zuletzt auch eine hohe Belastung des Gesundheitssystems einhergeht.
Zwei Tage Krankenhausaufenthalt plus Arztbesuche und Medikamente für durchschnittliche Österreicher:innen verursachen etwa gleich viele Treibhausgas-Emissionen wie der ganze jährliche Fleisch- und Milchprodukte-Konsum eines Jahres. Immerhin, der Gesundheitsbereich ist bei uns für bis zu 10 % der Emissionen verantwortlich.

Fazit des Vortrags: Überall gezielt ansetzen hat viele Vorteile. (Abb.: Hörtenhuber/BOKU)
Wir sind nicht schlecht, aber es gibt noch Luft nach oben
In der Bilanz der Bemühungen um Klimaschutz steht Österreich in nicht allen, aber doch einigen Bereichen gut da. Die heimische Landwirtschaft erzielt z. B. in der Milchproduktion sowie in der Schweine- und Rinderhaltung eine günstigere Klimabilanz als der Durchschnitt der EU. Eins der Schlusslichter sind wir dagegen beim Flächenverbrauch. Der Verlust landwirtschaftlicher Flächen ist deshalb besonders dramatisch, weil sich durch den Klimawandel die Erträge drastisch verringern werden. Das kann die unabhängige Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln gefährden.
Einschränkungen in der Lebensführung, Verzicht gar, das stößt immer wieder auf Widerstand. „Schade, dass Verzicht kein gutes Image hat“, lautete eine Äußerung in der Diskussion – vor dem Hintergrund, dass einerseits mancher Verzicht die Lebensqualität gar nicht beeinträchtigen muss; andererseits, dass übermäßiger Gebrauch von Medien systematisch an schnelle Belohnungen gewöhnt; da erscheint dann schnell jeder Verzicht als Zumutung.
Bis zu 100 % Förderung für sauberes Heizen
Auch weil es oft heißt, Klimaschutz könnten sich nur Reiche leisten: Christian Hummelbrunner von der Klima- und Energiemodellregion Traunstein als Veranstalter des Abends nutzte die Gelegenheit und machte auf eine viel zu wenig genutzte Fördermöglichkeit hin, die sich gezielt an einkommensschwache Haushalte richtet. Hier werden tatsächlich bis zu 100 % der Installationskosten für eine Umstellung der Heizung übernommen. Informationen bei der KEM.
