21. Februar 2026
Es hätte ein freudiges Ereignis sein können: Christine Haberlander (ÖVP), Landeshauptmann-Stellvertreterin und Bildungs-Landesrätin, überbrachte persönlich die Nachricht vom erfolgreich abgeschlossenen Kostendämpfungsverfahren für den Bildungscampus. Erheblichen Unmut erregte allerdings, dass das Ereignis ausschließlich ÖVP-besetzt und mit Fotos mit der Aufschrift „ein wichtiges Projekt unserer ÖVP Vorchdorf“ illustriert wurde.

Das kritisierte ÖVP-Posting (inzwischen entfernt), das so auch von der Bezirkspartei verbreitet wurde.
Die Verärgerung setzte parteiübergreifend schon kurz nach den Veröffentlichungen der ÖVP bzw. von Parteiobmann und Vizebürgermeister Matthias Traunbauer ein. Nicht nur, dass von den übrigen im Gemeinderat vertretenen Parteien niemand eingeladen war, auch die Vereinnahmung des ganzen Projekts durch die ÖVP stieß diesen sauer auf.
Vor allem auf verschiedenen Facebookseiten waren verbitterte und teils ironische Kommentare zu lesen. Schon nach zwei Stunden schrieb die SPÖ: „Eigenartig, liebe @oevp_vorchdorf, wir sind bisher davon ausgegangen, dass es sich um ein wichtiges Gemeindeprojekt handelt. Dann bedanken wir uns als @spoevorchdorf im Namen der Bevölkerung für die Projekt- und wohl auch Kostenübernahme.“
FPÖ sagt gemeinsames Team beim Ortsskitag ab
Am Samstagfrüh gab Vizebürgermeister Alexander Schuster für die FPÖ mit „großer menschlicher Enttäuschung“ bekannt, dass für ihn die Bildung gemeinsamer Mannschaften aller Fraktionen beim Ortsskitag als sichtbares Zeichen der Einigkeit über Parteigrenzen hinweg nunmehr obsolet sei. Das Posting der ÖVP vermittle den Eindruck eines reinen ÖVP-Projekts.
Ähnlich äußerte sich auch Albert Sprung (Liste Vorchdorf): Die ÖVP verwechsle Vorchdorf mit der Parteizentrale – eine Allmachtsphantasie. Das Projekt sei ein gemeinsames. Und „peinlich hoch drei“ fand Reinhard Ammer (Grüne) den Umstand, dass niemand außerhalb der ÖVP eingeladen gewesen sei und fügte hinzu „… aber so muss (sic) das anscheinend sein“.
Absolutes Unverständnis für die Aufregung äußert auf Anfrage Matthias Traunbauer (ÖVP). Die Formulierungen in ihrem Posting hätte niemand anderen ausgeschlossen; es sei einfach so, dass das Projekt für die ÖVP hohe Priorität genieße. Der Termin mit Haberlander habe sich kurzfristig aus einem anderen Termin beim Bezirk ergeben und habe nur mit der Partei zu tun gehabt. Fragwürdig erscheinen Traunbauer die Reaktionen auch deswegen, weil auf eine Mitteilung über den Abschluss des Kostendämpfungsverfahren an alle Gemeinderäte von 11.40 Uhr am Freitag zunächst niemand selbst eine Mitteilung gemacht habe.
Schulterschluss aller übrigen Fraktionen

Ungewöhnliche Koalition: alle außer der ÖVP – Vertreter:innen von FPÖ, SPÖ, LV, Grünen und NEOS pochen auf die Gemeinsamkeit des Projekts Bildungscampus.
Am heutigen Nachmittag trafen sich Vertreter:innen von FPÖ, Liste Vorchdorf, SPÖ, Grünen und NEOS zu einem demonstrativen Gruppenfoto ohne ÖVP vor dem Vorchdorfer Schulzentrum. Sie gaben zugleich eine gemeinsame Erklärung ab, die erst am Vormittag ausgearbeitet worden war. Darin heißt es u. a., die ÖVP-Mitteilung vermittle ein völlig verzerrtes Bild der politischen Realität in Vorchdorf.
Ohne die konstruktive Arbeit und die Zustimmung der Fraktionen von FPÖ, SPÖ, der Grünen und der Liste Vorchdorf gebe es heute weder einen fertigen Plan noch eine gesicherte Finanzierung. Das Projekt dürfe nicht zur Bühne für fraktionelle PR-Manöver degradiert werden.
Finanzierung des Gesamtprojekts nähergerückt, aber nicht sicher
In der Sache selbst muss man zwischen den Zeilen lesen. Die ÖVP teilt zwar mit, die Gesamtfinanzierung für den Bildungscampus stehe und sei freigegeben. Tatsächlich handelt es sich aber nur um das abgeschlossene Kostendämpfungsverfahren. Das bedeutet, dass insgesamt 31,5 Millionen Euro als Budget für den Schulbau vorgesehen sind. Aber nur für das Ausweichquartier „Containerschule“ gibt es – wie berichtet – bisher eine verbindliche Bewilligung des Landes.
Für die Gewährung von Fördermitteln wurden dagegen erst jetzt auf Basis dieses Budgets Anträge bei den zuständigen Landesabteilungen gestellt. Der Sondergemeinderat am 3. März wird dagegen nur über die Beauftragung zur Errichtung der Containerschule entscheiden. Diese Entscheidung war zuletzt eben wegen der verbindlichen Kostenübernahme des Landes für das Gesamtprojekt umstritten. Diese „gilt“ nur als gesichert, wie die ÖVP es formuliert.

Ich glaube es wird hier einmal etwas ganz dringend fällig. Etwas, das einer ÖVP besonders schwer fällt, nämlich dass man einmal ENTSCHULDIGUNG sagt:
Entschuldigung dafür, dass hier ein gemeinsames Projekt für Selbstinszenierung genutzt wurde – und dass ein Vorhaben, das von uns allen getragen und bezahlt wird, schamlos als „eigenes“ dargestellt wurde. Und das unter bewusstem Ausschluss aller anderen Fraktionen – also der Vertreter von 71 % der Bevölkerung.
Entschuldigung dafür, dass man den Schulneubau seit 12 Jahren nicht auf die Reihe gekriegt hat, dass man hier nicht richtig angepackt hat.
Entschuldigung dafür, dass durch diese jahrelange Verschleppung des Schulneubaus die Kosten sich vervielfacht haben – eine massive Belastung für die nächsten Generationen
Und da wären wir beim Thema ENTSCHULDIGUNG erst einmal beim Schulneubau. Den Rest der ellenlangen Liste spare ich mir hier.
Sind denn die gestrigen ÖVP-Postings nicht mehr auffindbar, weil der gestrige PR-Bauchfleck dann doch noch als solcher erkannt wurde? Ich deute das einfach als Schuldeingeständnis, mal schauen, ob es Widerspruch gibt.
Wenn ich an mein Interview für den INVO.report anlässlich seiner Beförderung zum Vize-Bürgermeister Anfang Dezember zurückdenke und nun von seiner Uneinsichtigkeit zum aus meiner Sicht absolut unkollegialen Vorgehen seiner PR-Strategen lesen muss, so ist es erstaunlich, wie schnell Matthias Traunbauer offensichtlich die unsägliche Gutsherrenmentalität der Vorchdorfer ÖVP verinnerlicht hat. Und, ja, das gebe ich zu, es ist sehr enttäuschend, dass meine Hoffnung auf eine Abkehr von diesem unzeitgemäßen Politikverständnis anscheinend nicht berechtigt war.