Workshop-Angebot für echte Bürgerbeteiligung: Reaktionen der Ortspolitik

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Der Beitrag ist heute wegen nachträglicher Antworten der FPÖ und der Liste Vorchdorf aktualisiert worden.

3. März 2026

Um den vielfach geäußerten Wunsch nach mehr Bürger:innenbeteiligung, Transparenz und konstruktiver Zusammenarbeit in der Kommunalpolitik aufzugreifen, hat der INVO.report Anfang Februar die Einladung zu einem Workshop des Soziokratie Zentrums Österreich an die örtlichen Parteien weitergeleitet. Das Interesse war überwiegend positiv.

Der eintägige Workshop (hier die genaue Beschreibung) bietet ein praxisnahes Training zu moderner demokratischer Entscheidungsfindung, Konsensprozessen und professioneller Beteiligungskultur. Die Einladung ging an Fraktionsobleute und Parteivorsitzende aus ÖVP, SPÖ, Grünen, FPÖ, Liste Vorchdorf sowie an die NEOS.

Breite Zustimmung – zumindest von fünf Fraktionen

Mehrere Parteien reagierten rasch und grundsätzlich positiv auf das Angebot.

Die Grünen: Gemeindevorstand Reinhard Ammer zeigte sich aufgeschlossen und betonte, dass bestehende Beteiligungsprozesse – etwa jene zur Gartenzeit 2031 – und ein Workshop zur Soziokratie sich nicht ausschließen. Über eine eventuell geplante Teilnahme gab es keine Mitteilung.

SPÖ: Hier meldete sich Obmann Peter Grundner mit einer ausführlichen Stellungnahme. Er unterstrich die Bedeutung nachvollziehbarer politischer Entscheidungen und warnte vor Politikverdrossenheit, wenn Beteiligung nur auf Wahltermine beschränkt bleibt. Die SPÖ Vorchdorf arbeite bereits an neuen Formaten wie themenspezifischen Dialogen oder offenen Arbeitsgruppen – auch wenn Zeitressourcen oft knapp seien. Den Workshop begrüße man deshalb ausdrücklich.

ÖVP: Auch Obmann Matthias Traunbauer äußerte prinzipielle Zustimmung. Er befinde sich aktuell selbst in einschlägigen Aus- und Weiterbildungen zu demokratischer Zusammenarbeit und Bürger:innenbeteiligung.

FPÖ: Alexander Schuster, Ortsparteiobmann, bezeichnet in einer nachträglich eingereichten Antwort das Thema Partizipation und Beteiligung von Bürger:innen als zentral Die Freiheitlichen beabsichtigen, jemanden aus der Partei an einem der Workshops teilnehmen zu lassen.

LV: Von Albert Sprung erreichte uns ebenfalls eine positive Stellungnahme; sie findet sich im vollen Wortlaut unter den Antworten zu diesem Beitrag (s. o.)

NEOS haben bis Redaktionsschluss nicht reagiert. Ob dies auf Zeitmangel, Desinteresse oder organisatorische Gründe zurückzuführen ist, ist momentan unklar. Der INVO.report wird hier weiter nachfragen.

Warum Soziokratie für Gemeinden relevant ist

Der angebotene Workshop „Soziokratie in der Gemeinde – echte Bürgerbeteiligung praktisch umsetzen“ stellt Methoden vor, die bereits europaweit in Kommunen erfolgreich eingesetzt werden – von niederländischen Dorfgemeinschaften bis zu Beteiligungsprojekten in Wien und dem österreichischen Klimarat.
Behandelt werden u. a.:

  • Konsensentscheidungen statt Mehrheitslogik
  • Rollenklärung und Verantwortungsstrukturen
  • professionelle Beteiligungsprozesse
  • motivierende Bürger:innenpartizipation
  • konkrete Werkzeuge für Sitzungen und Projektarbeit
Beteiligung beginnt bei den Amtsträger:innen

Bürger:innenbeteiligung funktioniert nur, wenn politische Entscheidungsträger:innen bereit sind, neue Wege zu gehen. Die Rückmeldungen von ÖVP, SPÖ und den Grünen zeigen, dass in Teilen der Vorchdorfer Gemeindepolitik ein Bewusstsein für moderne Beteiligungskultur vorhanden ist. Der INVO.report unterstützt generell Initiativen, die zu mehr konstruktivem Miteinander, größerer Transparenz und echter Mitgestaltung in der Gemeinde führen.

Ein Gedanke zu „Workshop-Angebot für echte Bürgerbeteiligung: Reaktionen der Ortspolitik

  1. Albert Sprung

    Liebes Team des invo.report,

    aus Sicht der Liste FÜR Vorchdorf sind moderne Beteiligungsformate und transparente Entscheidungsprozesse kein „Nice-to-have“, sondern ein zentraler Bestandteil zeitgemäßer Gemeindepolitik. Wenn Bürgerinnen und Bürger mehr Einbindung und nachvollziehbare Entscheidungen einfordern, sollte das nicht als Störung, sondern als Auftrag verstanden werden.

    Der Workshop „Soziokratie in der Gemeinde? Geht das?“ greift genau diese Fragen auf und zeigt anhand konkreter europäischer Beispiele, wie Beteiligung strukturiert, verbindlich und lösungsorientiert gestaltet werden kann. Gerade Methoden wie Konsententscheidungen können helfen, Diskussionen zu versachlichen und tragfähige Beschlüsse zu ermöglichen.

    Wir sind überzeugt, dass solche Prozesse für Vorchdorf einen echten Mehrwert darstellen und einen wichtigen Beitrag zu einer zukunftsorientierten Gemeindepolitik leisten können. Ein Besuch dieses Workshops sollte daher jedenfalls auch von unserem aktuellen Bürgermeister wahrgenommen werden. Gerade dort werden praxisnah Instrumente vermittelt, wie Beteiligung strukturiert, transparent und konstruktiv gestaltet werden kann – ein Ansatz, aus dem sich auch für die eigene Amtsführung wertvolle Impulse gewinnen ließen.

    Wer Transparenz und Mitgestaltung ernst nimmt, sollte bereit sein, sich mit erprobten Instrumenten auseinanderzusetzen.

    Herzliche Grüße

    Albert Sprung
    Liste FÜR Vorchdorf

     

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