5 Jahre INVO-report – Aufgewärmt, noch von Belang?

10. März 2026
Jüngste Zeitgeschichte

Wer das pauschal glaubt, hat wenig kapiert: „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.“ Denn nur gänzlich Geschichtsvergessene gewinnen gar keine Erkenntnis beim Studieren vergangener Nachrichten. Wir machen die Probe aufs Exempel und greifen zum Jubiläum ein paar Beiträge vom März 2021 heraus – was sagen die uns heute?

Doch, es gibt auch Ereignisse, die muss man sich nicht hinter die Ohren schreiben. Zum Beispiel, dass genau heute vor fünf Jahren ein spanischer Richter einem Deutschen zehn Jahre Einreiseverbot aufgebrummt hat, weil der einer Minderjährigen in Palma de Mallorca unter den Rock gefilmt hat. Was übrigens seit eben jenem Jahr auch in Deutschland und Österreich strafbar ist. Recht so!

Von Freibadhotels, Gemeinderäten und den hehren Prinzipien des Journalismus

Über Ferieninsel-Skandale braucht der INVO.report also zum Glück nicht zu berichten. Aber die Ferienstimmung im beliebten Vorchdorfer Freibad war schon mehr als einmal Thema; die Einrichtung war sogar Gegenstand mehrerer erster Artikel im noch fast jungfräulichen örtlichen Onlinemedium.

Die Idee eines Hotels beim Freibad gärte damals seit Längerem und sollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits galt es generell, mehr Nächtigungsmöglichkeiten im Ort zu schaffen, andererseits sollte es Synergieeffekte durch eine (mindestens) geteilte Trägerschaft für das Freibad geben, eine Art Pubic-Private-Partnership. Mehrere Grundsatzbeschlüsse im Gemeinderat gab es, Bedenken wegen möglicher Hochwasser und der Nähe zuim Pöllschen Schlachthof … Die Sache ging hin und her, ein Investor kam und ging wieder, und schließlich wurde die Idee wieder begraben.

Es war vielleicht ein untauglicher Versuch, doch ein Versuch war es, und er ist immer noch im buchstäblichen Sinn not-wendig. Denn das schöne große Freibad ist ein Zuschussbetrieb. Es ist durchaus denkbar, dass Vorchdorf in nicht allzu ferner Zukunft keinen ausgeglichenen Haushalt mehr hat, und dann wird die Frage aufkommen, ob das Freibad nicht geopfert werden muss. Denn so sinnvoll es in mehrfacher Hinsicht sein mag – eine Pflichtaufgabe der Gemeinde ist es nicht. Insofern ist das Thema sogar aktueller als vor fünf Jahren: Wenn es kein Hotel ist, was kann dann den Erhalt des Freibads sichern? Eine Herausforderung für den Verein Zukunft Vorchdorf vielleicht.

Gemeinderatssitzungen waren von Anfang an Kristallisationspunkt unserer Berichterstattung. Und die meisten von uns in der Redaktion hatten zuvor kaum je einen Live-Eindruck davon, wenigstens nicht in letzter Zeit. Aber wie es in Gremien zugeht, das hatten die meisten schon erlebt. Der erste Bericht von einer Gemeinderatssitzung war vor diesem Hintergrund ein Kontrastprogramm, fast ein Kulturschock. Der Titel „Wie tickt der Gemeinderat?“ zeugt davon.

Sowohl im Artikel als auch in den eingelangten Politikerantworten und den sehr beachtlichen Kommentaren von Lesern (ja, alle männlich) werden schon damals einige der Juckepunkte des Ortsparlaments deutlich, die es zumindest teilweise bis heute erschweren, Entscheidungen sachorientiert und nachvollziehbar zu fällen. Nach den Wahlen einige Monate später haben sich die Animositäten noch zugespitzt, zuletzt aber auch wieder etwas beruhigt, zugleich haben sich die Fronten verändert, alles mal mehr, mal weniger. Eine Mediation, vom INVO.report nicht lange danach mit Unterschriften-Support gefordert, hat es nicht gegeben. Eine Besinnung auf gedeihlichere Kommunikation sowohl untereinander als auch mit Bürgerinnen und Bürgern ist bisher über löbliche, aber eben nur zarte Ansätze nicht hinausgekommen.

Über (Orts-)Berichterstattung, die diesen Namen verdient, hat sich der überhaupt erste redaktionelle Kommentar im INVO.report ausgelassen, und das war nun wirklich etwas zeitlos Gültiges. Das heißt eigentlich: gültiger denn je! Denn die Gattung des journalistischen Berichts ist bedroht, und zwar rapide zunehmend. Dies nicht bloß durch Fake News vor allem auf (un)sozialen Medien und von berufsethisch haltlosen Influencer:innen, außerdem Plattformen, die ungeniert schiere Propaganda verbreiten, sondern vor allem durch das Wegbrechen eines Geschäftsmodells, das bisher den Aufwand finanzieren konnte, den Qualitätsjournalismus nun einmal verursacht.

Das Video mit dem Kabarettisten Georg Schramm in dem Artikel ist auch heute noch empfehlenswert. Einen Hauch von jener Haltung können wir uns nur deshalb leisten, weil wir niemanden bezahlen müssen (und können) und weil wir nicht verpflichtet sind, jede Sau einzufangen, die durchs Dorf getrieben wird. Obwohl wir das gerne täten. Es wird sich weisen, ob dennoch die Wirkung unseres Schaffens spürbarer wird und ob sich neue Interessierte an einem immer wieder spannenden und aufschlussreichen Projekt finden – eben diesem Projekt „INVO.report“, das natürlich gerne noch mindestens fünf weitere Jahre wachsen und gedeihen will.

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