19. März 2026
Das neue Buch des Vorchdorfer Autors
Warum verbringt jemand ein Jahr mit dem Bruckner Orchester Linz? Wenn er doch eigentlich, wie er schreibt, den Sound großer Orchester eher nur löffelweise verträgt und die Musik des 19. Jahrhunderts wie eine Cremetorte mit Schlag empfindet: zu üppig, zu süß, zu fett? – Wahrscheinlich, weil es auch für ihn eine beinahe unfassbar spannende Entdeckungsreise war. Das Buch darüber ist ein Lesegenuss.

Ein beachtlicher Schinken mit über 300 Seiten, die sich aber zum Verschlingen gut anbieten.
Was man bei Konzertbesuchen sieht und hört, das ist zwar der Zweck der Übung und des ganzen Übens, aber wie kommt so etwas überhaupt zustande? Wie läuft das Werk quasi unter der Motorhaube, im Alltag und vor den Aufführungs-Highlights? Was gehört dazu, dass ein großer Klangkörper wie das Bruckner Orchester funktioniert?
Damit Florian Sedmak diese Reportage schreiben konnte, hat man ihn fast zu jeder Tages- und Nachtzeit beobachten lassen, fragen lassen, dabei sein und nachforschen lassen. Und schon nach den ersten Kapiteln ist man selbst dabei, gewinnt ein lebendiges Bild von diesem vibrierenden Organismus, ist wie zu Gast in einer Familie.
Und das ist eine wirklich große Familie, eine mit einem eigenen Kollektivvertrag, mit einem Manager und einem Betriebsrat – der Vorsitzende spielt auch noch bei den ersten Geigen … Ein Ensemble, dass sich im katastrophal beengten Orchestergraben des Landestheaters an der Promenade ebenso platz- und akustikmäßig zurechtfindet wie in der Florianer Basilika, die eine Nachhallzeit von acht Sekunden hat.
Buchstäblich stürmischen Nervenkitzel erlebt man mit, wenn das Orchester beim Salzkammergut Klassik Open Air am Traunsee um zwei Stunden vorverlegt auftritt, weil nach drückender Hitze ein Hagelunwetter prognostiziert ist; und tatsächlich, nur eine knappe halbe Stunde nach den Zugaben, die Musiker sitzen schon im Bus, reißt eine Böe Teile des Bühnendachs weg, es entsteht erheblicher Schaden.
Aberdutzende solcher spannender, kurzweiliger, immer aber aufschlussreicher Episoden und Momente wird man am Ende inhaliert haben, viele Orchestermitglieder kennengelernt, und alles in Sedmaks originellem und unterhaltenden Erzählton. Eine lohnende Lektüre nicht nur für Musikliebhaber. Auf der Verlagsseite unter „Pressematerial“ gibt es auch Leseproben.
Florian Sedmak: Unterwegs mit einem Orchester, im goldenen Hamsterrad. Anton Pustet Verlag 2026, gebunden, 318 Seiten, € 28,–
In Vorchdorf bei Trafik Fischer
Transparenzhinweis: Florian Sedmak ist Vorsitzender der GIV, des Trägervereins von INVO.report.
