16. April 2026
Meinung am Donnerstag
Unter einem ähnlichen Titel war medial unlängst von spürbarer Nervosität innerhalb der Landes-ÖVP zu lesen: Der laufende Postenschacher-Prozess rund um den allseits beliebten Innviertler ÖVP-Klubobmann August Wöginger würde sie mitten ins Herz treffen. Kaum ein anderer stehe so sehr für das System Oberösterreich wie er. Man muss ja nicht gleich von einem „System Vorchdorf“ sprechen, aber der Bericht erinnert an nahezu unglaubliche Vorgänge rund um den „Verein Zukunft Vorchdorf“ bzw. seinen Obmann Franz Amering.
Die eher überschaubaren Ergebnisse der Vereinsarbeit in den bald 20 Jahren seines Bestehens wurden schon verschiedentlich hinterfragt. Der durchaus spezielle Umgang mit Fragen lässt sich sogar in mehreren Sitzungsprotokollen nachlesen, etwa wenn der Obmann allen Ernstes darauf besteht, dass „Beschlüsse und Informationen keinesfalls nach außen getragen werden dürfen“. In der Bürgerfragestunde gestellte Fragen werden dagegen lauwarm und vor allem inhaltslos beantwortet. Die Herausgabe der Vereinsstatuten an Gemeinderat Bernhard Ettinger (Liste Vorchdorf) erfolgte auch erst nach mehreren Aufforderungen.
Die Statuten sagen das, was wir wollen
Aus den Statuten geht zwar unmissverständlich hervor, dass jede im Vorchdorfer Gemeinderat vertretene Fraktion ein Vorstandsmitglied entsenden kann (dass dabei die SPÖ vergessen, dafür aber die damals schon gar nicht mehr existente Liste „Alles für Vorchdorf“ dezidiert erwähnt wird, tut der Obmann übrigens schlicht und ergreifend als Irrtum ab). Wenn aber wie jetzt eine entsprechende Entsendung einfach mir nix, dir nix abgelehnt wird, lässt das nur eine Vermutung zu: Gemacht wird, was wir wollen.
Der Sachverhalt: Nach seinem Wegzug aus Vorchdorf ist Martin Rauscher als Gemeinderat der Liste Vorchdorf zurückgetreten und aus dem Verein Zukunft Vorchdorf ausgeschieden. Dem wiederholten Wunsch des Vereinsobmanns folgend, hat Albert Sprung (LV) einen parteiunabhängigen Nachfolger offiziell entsendet. So weit, so gut, sollte man meinen. Anscheinend können und vor allem wollen aber einige im Verein mit einem kritischen Mitglied nicht umgehen – mutmaßlich mit dem Obmann als argumentativer Speerspitze. Was also tun, um einen gemäß den Statuten ordnungsgemäß entsendete Nominierten zu verhindern – völlig egal, ob diese Person nachweislich entsprechendes Engagement zeigt und motiviert an Zukunftsprojekten mitarbeiten will? Ganz einfach: Man lehnt sie ab und gibt dazu einmal mehr auf Nachfragen keine Erklärung ab. Aber es geht noch schlimmer: In einem Telefonat vor der letzten Sitzung hat Amering dem Nominierten gönnerhaft versichert, eine angebotene Präsentation im Gremium sei nicht nötig, schließlich sei ja noch nie jemand abgelehnt worden. Selbstverständlich würde es eine Rückmeldung nach der Sitzung geben, sogar das Protokoll würde man zur Verfügung stellen. Ausgegangen ist die Geschichte dann aber ganz anders: mit einer Ablehnung! Wer sich gegen die Entsendung der Liste Vorchdorf ausgesprochen hat, ist unklar, Fragen dazu werden ja nicht beantwortet. Besonders bemerkenswert, dass der Nominierte nicht einmal allen Mitgliedern persönlich bekannt ist. Wie kann man denn gegen jemanden sein, ohne seine Ideen und Vorstellungen zu kennen?
Selbst Multiple-Choice-Fragen überfordern
Fraktionsobmann Albert Sprung verlangte daraufhin in mehreren schriftlichen Anfragen Aufklärung zu den durchaus mysteriösen Vorgängen – erraten: wie üblich auch hier, ohne Antworten zu bekommen. Um diesem Kasperltheater ein Ende zu setzen, wurden Obmann Amering fünf Fragen in Multiple-Choice-Form übermittelt. Die Fragen brauchten nur mit Ja oder Nein beantwortet werden – aber selbst das war zu viel, denn, auch dieses Ersuchen scheiterte. Da aber die letzte von fünf Fragen beantwortet wurde, ist anzunehmen, dass die Fragen 1 bis 4 sehr wohl sinnerfassend gelesen worden sind. Amering aber bleibt standhaft und schweigt weiterhin wie ein Grab. Darüber, ob er seinem Bundespartei-Kollegen August Wöginger nacheifern und ein „System Vorchdorf“ konsequent fortführen will, lässt sich nur mutmaßen. Dass aber sein gutsherrenartiges Gehabe die Vorchdorfer ÖVP rund um den neuen Vize-Bürgermeister, der bisher stets auf Fragen reagiert hat und bei jeder sich bietenden Gelegenheit um ein Mehr an Transparenz bemüht ist, mitten ins Herz treffen könnte, das erscheint durchaus realistisch. Auf die Frage, wie er diese Vorgänge einschätzen würde, erfährt man vom Vize-Bürgermeister, dass er „nicht überall seinen Senf dazugeben“ müsse. Manchmal sind Antworten eben auch Nicht-Antworten. Man wird sehen, ob die Dorf-ÖVP ähnlich der Landespartei spürbar nervöser wird. Die Zeiten ändern sich, Intransparenz und Verschwiegenheit aus den alten (schwarzen) Tagen haben ausgedient.
Keine Diversion für Dummstellen
Die Entscheidungen des Linzer Oberlandesgerichts in den Causen August Wöginger (Postenschacher) und dem Linzer Ex-Bürgermeister Klaus Luger (Untreueverfahren bei der Brucknerhaus-Besetzung) sind ein wichtiges Signal der Justiz an Politiker. In Zeiten von dahinschmelzendem Vertrauen in Demokratie und Politik sind es aber auch deutliche Botschaften an Bürger und Wähler. „Keine Diversion für Dummstellen“ titelte die „Presse“ kernig. Das Gericht stellt fest, dass es sich um „Amtsträger in besonderer Verantwortung“ handelt und der Eindruck entstehen könne, man könnte dieses „Fehlverhalten bis zur Entdeckung als opportune Handlungsoption“ wählen. An hohe Politiker entsprechend hohe Ansprüche an deren Verständnis von Integrität und Transparenz zu stellen, erscheint wohl mehr als berechtigt. Die einen haben sich durch ihre Aussagen dumm gestellt, ein anderer, so könnte man den Eindruck bekommen, tut das durch sein notorisches Schweigen.
Eine gute Zeit wünscht
Alfred E. Neumann
Redaktioneller Transparenz-Hinweis: Der Autor ist ehemaliger Redakteur des INVO.reports und hat sich mehrfach mit dem Verein Zukunft Vorchdorf beschäftigt. Im vorliegenden Kommentar beschreibt er Vorgänge, die ihn selbst betreffen: Er hat sich nach seinem Ausscheiden aus der Redaktion für ein Vorstandsmandat (parteilos) im Verein Zukunft Vorchdorf nominieren lassen.
