„Das Z Wort darf man nicht mehr sagen, sonst ist man gleich Na*i!“

30. April 2026
Kommentar von Michael Praschma

Fahrlässige Provokation öffentlicher Erregung – so könnte man nennen, was auf den Facebookseiten von gleich vier Vorchdorfer Parteien (bzw. Obleuten) abgeliefert wurde, nachdem fahrendes Volk von Vizebürgermeister Matthias Traunbauer am vergangenen Wochenende auf den Sportplatz-Parkplatz und vor „Katzi’s Imbiss“ (der daraufhin nicht öffnen konnte) umdirigiert wurden.

Vorläufig letzte Station: alte Asamerzufahrt zur Schottergrube Mühltal

Am Sonntagnachmittag informierte der Inhaber von Katzi’s Imbiss über Facebook darüber, dass „wegen höherer Gewalt“ am Montag geschlossen sei. Mehr nicht. Nur durch Fotos war zu erahnen, dass mutmaßlich Roma sich mit einer größeren Anzahl Wohnwägen hier niedergelassen hatten. Schon das führte zu erwartbar erregten Kommentaren. „Katzi“ selbst hielt sich spürbar zurück – und lediglich seine Kundschaft in der Folge am Laufenden.

„Das fahrende Volk ist wieder in Vorchdorf“

… Mit dieser einleitenden Zeile eröffnete Albert Sprung am Montagvormittag den Reigen der folgenden Facebook-Kommentare aus der Ortspolitik. Seine Stoßrichtung: Untätigkeit von Bürgermeister Johann Mitterlehner. So weit, so üblich. Am späten Nachmittag folgen dann im Stundentakt Facebook-Beiträge von den Obmännern von FPÖ, ÖVP und SPÖ. Das alles ist nachzusehen und changiert zwischen Vorwürfen wegen Untätigkeit und Rechtfertigung bzw. der Forderung nach nachhaltigen Lösungen.

Was offenbar dabei keiner bedacht hat: Die sogenannte Volksseele beginnt auf dieser Schiene zunächst wegen Katzi’s Imbiss, dann aber auch wegen des Unmuts über die „Fahrenden“ überhaupt zu kochen. Man kennt das: Ein Wort gibt das andere, Schwachsinn und Beleidigungen wechseln sich ab mit mäßigenden Worten, auch die Klage, dass man ja schon Nazi sei, wenn man das Z-Wort (Zigeuner) verwende.

Die Giftmischung aus Erfahrungen, Vorurteilen und einem verschleppten Problem

Es gibt gar nichts zu beschönigen: Mehr als einmal haben Fahrende in Vorchdorf Müll hinterlassen, Gewässer verunreinigt, ganz allgemein ihre Umgebung missachtet. Und so Zorn auf sich gezogen. Es sind übrigens nicht immer dieselben, und es gibt auch Gegenbeispiele. Wie immer. Aber weil sie zu einer scheinbar identifizierbaren Gruppe gehören und als Fremde betrachtet werden, sind es schnell „die da“. Eine Reportage des INVO.reports vor fünf Jahren hat teils heftige Kommentare gezeitigt.

Die Sache ist nicht leicht zu lösen, das ist klar. Das gilt in Vorchdorf und anderswo. Man braucht nur „Roma“ und „Campieren“ zu googeln: nichts als Ärger! Ja, es gibt die Möglichkeit, dass die Gemeinde mithilfe des Tourismusgesetzes eine Verordnung erlässt, die Campieren auf öffentlichen Plätzen ganz oder teilweise verbietet. Diese Verordnungen haben sich aber in der Praxis – entgegen der Volksmeinung – als wenig wirkungsvoll erwiesen.

Was bleibt, ist der beschämende Umstand, dass die Ortspolitik, abgesehen von wenigen erfolglosen Vorstößen, es nicht geschafft hat, eine nachhaltige Lösung für ein seit Jahren bekanntes Problem zu beschließen und nun stattdessen mit dem Finger aufeinander zeigt – in einer Weise, von der man wissen müsste, dass sie in der Bevölkerung eben gerade nicht die vornehmsten, sondern vor allem die niedrigsten Instinkte weckt. Auch durchaus berechtigte Äußerungen, ob in einem Video oder einem sonstigen Facebook-Beitrag sind bei einem solchen Thema einfach pures Gift für die öffentliche Stimmung in der Gemeinde. Gewonnen ist damit nichts. Das gehört in einen Ausschuss des Gemeinderats, und aus!

4 Kommentare zu „„Das Z Wort darf man nicht mehr sagen, sonst ist man gleich Na*i!“

  1. Albert Sprung

    Es ist nie falsch, Dinge sachlich darzustellen. Auch dann nicht, wenn ein Thema unangenehm ist. Und schon gar nicht dann, wenn es in Vorchdorf seit Jahren immer wieder für Ärger, Emotionen und berechtigte Fragen sorgt.

    Falsch wird es erst dort, wo nicht mehr erklärt, sondern ausgewichen wird. Wo nicht mehr transparent informiert, sondern irgendwie gehandelt wird. Und eine völlig unerklärliche Sperre einer Straße gehört genau in diese Kategorie.

    Wer eine Straße sperrt, muss erklären können, warum. Wer Menschen umleitet, muss sagen können, wohin und mit welcher rechtlichen Grundlage. Wer einen Betrieb beeinträchtigt, muss Verantwortung übernehmen. Das hat nichts mit Hetze zu tun, nichts mit Vorurteilen und schon gar nichts mit irgendeinem „Z-Wort“. Das ist schlicht der Anspruch auf Ordnung, Transparenz und nachvollziehbares Handeln.

    Sachlichkeit ist nie das Problem. Eine unerklärliche Straßensperre aber schon.

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    1. Michael Praschma Beitragsautor

      Um Missverständnissen vorzubeugen: Mein Kommentar sagt ausdrücklich auch, dass die Facebook-Beiträge der Parteien – also auch deiner – durchaus berechtigte Äußerungen beinhalten. Das war nicht das Thema. Aber ich bleibe dabei, dass es nicht gescheit war, überhaupt auf Facebook damit auf den Plan zu treten.

      Was den LV-Beitrag betrifft: „Das fahrende Volk ist wieder in Vorchdorf“ lockt schon falsch an. Und das Ergebnis ist genau die kochende Volksseele, die sich eben nicht gegen die Versäumnisse der Gemeindepolitik richtet, sondern in bekannter Manier pauschal gegen das „fahrende Volk“. Da sind Beiträge dabei, die ihr als Accountbetreiber hättet kommentieren müssen, da reicht eine Erklärung ganz oben nicht.

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