14. Mai 2026
Meinung am Donnerstag
Als Ende April fahrendes Volk vom Tennisplatz über eine öffentliche Wiese zum Sportplatz und von dort schließlich in die Asamerstraße zog, versetzte dieser Trip die Volksseele einmal mehr in Wallungen. Begleitet wurde die Erkundungstour durch eine Verordnung des Bürgermeisters und Kurzvideos seines Stellvertreters, die vorgeblich informieren, wirken und nicht wackeln sollten. Die vielen offensichtlichen Unklarheiten hat Bernhard Ettinger (LV) im Gemeinderat mit 24 Fragen von Bürgermeister Johann Mitterlehner (ÖVP) erfragt – mit teilweise erstaunlichen Antworten.
Die Informations-Video-Reels des Vizebürgermeisters, von einem Mitbürger mir gegenüber liebevoll als „Hias im Bild“ getauft, eine Beschreibung, die zwischenzeitlich vom Volksmund und auch gestern im Gemeinderat übernommen wurde, haben für Gemeinderat Ettinger einige Fragen rund um die unterschiedlichen Campierversuche des fahrenden Volkes aufgeworfen. Am 28. April hat er den in der Sache im Scheinwerferlicht stehenden Vize-Bürgermeister Matthias Traunbauer (ÖVP) um Antworten ersucht – allerdings leider erfolglos! Daraufhin hat er sich am 7. Mai hochoffiziell und sehr detailliert mit einer sogenannten §-63-a-Anfrage gemäß der Oö. Gemeindeordnung an den Bürgermeister gewandt – da gab´s dann kein Entkommen mehr. Antworten wurden fristgerecht am Dienstagabend in der Gemeinderatsitzung geliefert. Formal einwandfrei, inhaltlich aber wohl die „unverschämteste korrekte Fragebeantwortung seit langem“, wie es ein wissender Feingeist sehr treffend beschrieben hat. Da könnten sich andere Würdenträger (Stichwort Obmann „Obmann „Verein Zukunft Vorchdorf“) etwas abschauen.
Kein Handy-Empfang und trotzdem erreicht
So erfuhr man, dass der Bürgermeister zu Hause wohl über ein schlechtes Mobilfunknetz verfügt. Da Mitterlehner aber am Samstagabend, dem Anreisetag des fahrenden Volkes, unterwegs war, konnte man ihn glücklicherweise doch erreichen. Der Bürgermeister hat sich demnach mit seinem Stellvertreter zum Vorgehen abgestimmt und so war der Vize-Bürgermeister auch ermächtigt, in der Sache tätig zu werden – auch um sich um alternative Campingflächen zu kümmern.
Die Frage, ob ein Entgelt für die Benützung der unterschiedlichen Flächen eingehoben wurde, wird dagegen nicht sehr präzise beantwortet: Traunbauer hätte wohl eine Kaution in Höhe von 1250 Euro eingehoben. Ein feiner Unterschied zur eigentlichen Anfrage, denn eine Kaution ist kein Entgelt, sondern eine Sicherheitsleistung, die man zurückerstattet bekommt, wenn alles wie vereinbart abgelaufen ist. Ob diese Kaution einbehalten wurde, war nicht dezidiert angefragt – und wurde somit auch nicht beantwortet. Da sich die Kosten für Reinigung und Müllentsorgung laut Mitterlehner auf 700 Euro belaufen haben, wäre eine diesbezügliche Information allerdings interessant. Hätte man diese Kosten durch die Kaution einbehalten, so kann man als gelernter Vorchdorfer davon ausgehen, dass diese Frohbotschaft einmal mehr via „Hias im Bild“ längst vermittelt worden wäre. Aber vielleicht nehmen die Dreharbeiten dieser Folge etwas mehr Zeit in Anspruch.
Das ist zwar kein Campingplatz, aber ihr dürft´s trotzdem campen
Die Frage, ob die zugewiesenen Flächen den gesetzlichen Vorgaben für Campingplätze (lt. Oö. Tourismusgesetz) entsprechen, wurde mit einem einzigen Wort beantwortet: Nein. Im Übrigen hätte man die Gäste auf legale Campingplätze in der näheren Umgebung aufmerksam gemacht. Trotzdem wurden, so durfte das staunende Publikum erfahren, keine rechtlichen Schritte eingeleitet. Warum dem so war, das wurde einmal mehr nicht beantwortet. Bleibt zu hoffen, dass ein dermaßen nachsichtiges Vorgehen keinen Eingang in internationale Campingführer finden wird.
Auf die Frage, ob und wann Stefan Katzenberger, der Betreiber von Katzis Imbiss, darüber informiert wurde, dass sein Betrieb wohl nicht zugänglich sein werde und, wie er selbst es beschrieben hat, „aufgrund höherer Gewalt“ nicht aufsperren könne, erfuhr man gestern durchaus Erstaunliches: Der Vize-Bürgermeister hat „Katzi“ am späten Montagnachmittag informiert. Das ist insofern bemerkenswert, da die Campinggäste ihre Zelte ja bereits über das Wochenende am Parkplatz vor seinem Imbiss aufgeschlagen haben. Am Montag dagegen sind sie dann in die Asamerstraße übersiedelt.
Damit geht’s dann in gleicher Tonart weiter: Die Sperre der Asamerstraße wurde vom Bürgermeister ab dem 28. April verordnet, genau genommen also mit Gültigkeit ab Mitternacht. Die Verordnung selbst, so wurde die Frage von GR Ettinger gestern beantwortet, wurde aber an besagtem 28. April erst um 16:19 Uhr veröffentlicht, die Sperre also erst 16 Stunden (!) nach Inkrafttreten verkündet. Eingerichtet wurde die Absperrung wiederum bereits um 8:45, also mutmaßlich zu einem Zeitpunkt, als das fahrende Volk bereits am Einparken in der Asamerstraße war. Überwacht wurde die Zufahrtssperre, so hieß es, von der Exekutive. Ob das zu Strafzetteln, Anzeigen, der Aufnahme von Kennzeichen oder gar Personalien der Fahrzeughalter geführt hat, konnte dagegen nicht beantwortet werden.
Der Beipackzettel an der Straßensperre, der auch Fußgängern und Radfahrern den Durchgang untersagte, sei übrigens zwischen Bürgermeister und der Firma Asamer abgesprochen worden. Und auf die Frage, ob der Gemeinde denn bekannt sei, wer die Reisenden denn überhaupt zur Asamerstraße verwiesen habe, wurde ordnungsgemäß mit einem Ja beantwortet. Den Namen dieser Person erfuhr man dagegen Dienstabend nicht – mutmaßlich muss es sich um jene handeln, die sich mittels Kurz-Reels besonders ins Rampenlicht bringen ließ. All das mit dem Wissen, dass auch die Asamerstraße nicht den Vorgaben eines Campingplatzes lt. Oö. Tourismusgesetz entspricht.
Gesperrt wegen Sanierungsarbeiten – die es aber gar nicht gibt
Eine weitere, durchaus bemerkenswerte Klarstellung durch die Antworten soll nicht unerwähnt bleiben: Die vom Bürgermeister unterzeichnete Verordnung der Straßensperre wurde mit „Sanierungs- und Pflegearbeiten“ begründet. Tatsächlich wurden derartige Arbeiten weder durchgeführt noch ist, alle Achtung, derartiges geplant! Da die kurzfristige Straßensperre aber durch den Bürgermeister erfolgte, stellt sich sehr wohl die Frage, wie es denn zu einer Begründung kommen konnte, die weder durchgeführt noch geplant und schon gar nicht budgetiert ist. Da bleibt nur zu hoffen, dass Begründungen bei anderen Gelegenheiten näher an den Realitäten (und der Wahrheit) sind. All das ist fast schon eine Frage des Prinzips, dem Wort mit einem Z: wahr oder einfach frei erfunden.
Erfahren hat man zudem, dass Vorchdorf in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 2- bis 3-mal jährlich von fahrenden Völkern besucht wurde. Warum es seither trotzdem keine wirkliche Strategie seitens der Gemeinde gibt, um die hinlänglich bekannten Probleme hintanzustellen, ist daher nicht wirklich nachvollziehbar. Aber die Politik lernt wohl dazu: In seiner Zusammenkunft am 5. Mai hat der Gemeindevorstand beschlossen, dass die Mitglieder bis zur nächsten Sitzung tragfähige Vorschläge ausarbeiten mögen, um für zukünftige Besuche des fahrenden Volks besser vorbereitet zu sein. Ein sinnvoller Ansatz, vor allem, wenn Stellplätze klar definiert und eine Kaution eingehoben wird, die allfällige Kosten für Säuberungsarbeiten abdeckt. Das sollte auch zu einem deutlich gesünderen Blutdruck in der Vorchdorfer Bevölkerung führen – und viele Fragen, Ungereimtheiten und Erstaunlichkeiten vermeiden helfen.
Dazu passen die Worte aus der Anfrage von GR Bernhard Ettinger, wonach es „für ein gutes Miteinander sehr wohl wichtig sei, dass Regeln und Gesetze für alle gleichermaßen gelten. Wenn eine kleine Gruppe die Natur verschmutzt und Gesetze missachtet, dann ist dies nicht nur für die einheimische Bevölkerung ein Ärgernis, sondern wirft ein negatives Bild auf eine Volksgruppe, deren einzelne Individuen nichts mit diesem Vorfall zu tun haben“. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
Einen schönen Feiertag wünscht
Alfred E. Neumann
