Was heißt „Seitdem der Paul im Amt ist …“?

18. Mai 2026
Kommentar von Michael Praschma

Zweimal scharf gerügt wurde Albert Sprung (LV) bei der letzten Gemeinderatssitzung für eine Bemerkung, aus der indirekt eine Kritik an der karenzierten Amtsleiterin Julia Raffelsberger oder auch noch deren Vorgängerin Nadine Klocker herauszulesen war – was Sprung bestreitet. Aus der Episode sollten Konsequenzen gezogen werden. 

Eigentlich war es ein großes Lob für den derzeitigen Amtsleiter in Vertretung Paul Aberl, das Sprung in einem Apropos aussprach, vor allem hinsichtlich korrekter, rascher und vollständiger Informationsweitergabe. Aber, das muss man sagen, Sprung wäre nicht Sprung, wenn er nicht eine Kritik mit diesem Lob verbunden hätte. Denn, so sinngemäß: Das war nicht immer so – aber „seitdem der Paul im Amt ist …“ sei alles gut.

Diese Nebenbemerkungen wurden von Helga Gottenhumer (SPÖ) scharf kritisiert. Sie stellte ihre Zurückweisung der Kritik auch in Zusammenhang damit, dass es sich bei Raffelsberger und Klocker um Frauen handele. Sprung distanzierte sich später: Er habe das weder so gesagt noch so gemeint, und wenn das so verstanden worden sei, entschuldige er sich dafür.

Selbst wenn man nun darüber hinwegsieht, dass sich die Liste Vorchdorf und Albert Sprung als ihr Vorsitzender insbesondere in der Vergangenheit oft über schlechte Information beschwert hat: Die Formulierung „seit der Paul (Aberl) im Amt ist“ legt schon die Interpretation nahe, dieser mache es eben besser als seine Vorgängerinnen. Das ist allermindestens unglücklich formuliert.

Nun ist es normal, dass es Unterschiede in der Leistung von Gemeindebediensteten gibt. Aber die gehören im Normalfall nicht in die Diskussionen des Gemeinderates. Von daher sollte aber auch überschwängliches Lob zu konkreten Personen strikt unterbleiben. Denn entweder kommt dann so etwas wie im vorliegenden Fall dabei heraus – oder jemand fühlt sich provoziert, ausdrücklich zu widersprechen – etwa weil die Person umstritten ist – und dann ist man in einer Beurteilungsdiskussion, die hier einfach nichts zu suchen hat. Das gilt natürlich auch für Entgegnungen zu solchen Äußerungen. Es wäre Aufgabe des Vorsitzenden, da sofort einzuschreiten.

Man mag also gerne im Gemeinderat den Bediensteten insgesamt oder einer bestimmten Abteilung danken – aber die Namen oder Funktionen einzelner sollten aus guten Gründen und im Sinne eines gedeihlichen Auskommens nur hinter verschlossenen Türen ins Spiel kommen.

4 Kommentare zu „Was heißt „Seitdem der Paul im Amt ist …“?

  1. Bernhard Ettinger

    Ich möchte gerne einige Dinge klarstellen:

    1. Die Amtsleitung wird, im Unterschied zu anderen Gemeindemitarbeiterinnen und Gemeindemitarbeitern, vom Gemeinderat gewählt. Lob und Tadel in diesem Gremium sind also völlig legitim für diese Funktion.
    2. Es gab in dieser Legislaturperiode 4,5 Personen, die als Amtsleitung fungierten: zwei Frauen und zweieinhalb Männer (als Ersatz aufgrund von Krankheit). Ein Lob an den derzeitigen Amtsleiter, als Kritik lediglich an seine beiden Vorgängerinnen auszulegen, ist schlichtweg hanebüchen.
    3. Es heißt doch, „wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“. Damit meine ich beispielhaft die Besetzungen in Ausschüssen: In Vorchdorf gibt es sieben, zusätzlich den Prüfungsausschuss. Der Frauenanteil sieht wie folgt aus: FPÖ: 53 %, Grüne: 50 % sowie Liste FÜR Vorchdorf: 40%-Anteil. Dagegen kommt die SPÖ mit einer einzigen Person auf mickrige 12,5 %! Übrigens nur noch unterboten von der ÖVP. Obwohl diese Fraktion mit 22 Vertretern die meisten Personen in die Gremien entsendet, ist keine einzige (!) davon weiblich! Aber auch im Gemeinderat gibt es in der SPÖ auf breiter Flur nur Helga Gottenhumer als Frau. Man sollte zuerst vor der eigenen Haustüre kehren – vor allem, wenn man bis vor kurzem die örtliche Parteichefin war.

    Ein Punkt, der mir im Artikel zu wenig betont wird, bei dem ich Helga Gottenhumer aber zustimme, ist das Grüßen an sich: Es sollten immer Zuhörerinnen UND Zuhörer angesprochen werden. Diese eine Sekunde Zeit tut niemanden weh, macht aber einen großen Unterschied.

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  2. Albert Sprung

    Vielen Dank, lieber Michael, für diesen Kommentar. Es freut mich, dass das, was ich sage, auch Gehör findet. Gerade in einer Demokratie sollte man seine Meinung sagen dürfen.

    Und: Wenn ich mir die Diskussion jetzt so ansehe, dann muss ich eines klar sagen: Ja, ich stehe zu 100% zu dem was ich gesagt habe. Ja, wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit von Amtsleiter Mag. Paul Aberl und auch mit der Zusammenarbeit . Und ja, wir haben den Eindruck, dass durch seine Arbeit, seinen Einsatz und vor allem durch seine Kompetenz sehr viel weiter geht in Vorchdorf. Punkt.

    Und wenn ich so zurück denke, dann frage ich mich, ob wir Paul nicht schon vor vier Jahren zum Amtsleiter machen hätten sollen – damals war er jedenfalls Mitfavorit um die Stelle des Amtsleiters. Aber die Entscheidung ist auf Mag. Nadine Klocker gefallen, und diese Entscheidung haben auch alle mitgetragen – dazu stehe ich auch.

    Und es ist bekannt, dass ich nicht sehr glücklich darüber war, dass man im Bewerbungsverfahren nach dem Abgang von Nadine Klocker drei amtierende Amtsleiter im Vorfeld „aussortiert“ hat, sodass dann im direkten Vergleich im Zuge der Bewerbungsgespräche nur mehr ein einziger Bewerber – im übrigen ebenfalls ein amtierender Amtsleiter – übrig geblieben ist, und diese Vorgehensweise wirft für mich schon sehr viele Fragen auf. Da könnte man fast schon von „Wögingerschen Auswüchsen“ sprechen – tun wir aber nicht.

    Dass zum Beispiel der Ex-Ex-Ex Amtsleiter (in diesem Fall männlich) den Mandataren für die GR-Sitzung am 29.7.2021 zu Top 1 „Kosteneinsparungen Verabschiedungshalle“ eine Excel-Liste vorgelegt hat, die man nicht einmal mit der Lupe ordentlich lesen konnte (Excel-Liste liegt der Redaktion vor), das hat diesen auch nicht unbedingt besonders ausgezeichnet. Zu dieser Zeit war es aber gängige Praxis, Mandatare mit möglichst dürftigen Infos zu versorgen, was es aber massiv erschwert hat, sich ernsthaft vorzubereiten und Themen ordentlich zu diskutieren.

    Aber: Wenn seit mehr als einem halben Jahr ein frischer Wind im Gemeindeamt spürbar ist, wenn Unterlagen vollständiger, Informationen rascher und Abläufe nachvollziehbarer werden, dann darf man das auch sagen. Und wenn jemand gute Arbeit leistet, dann darf man diese Person auch loben. Ich halte nichts davon, gute Arbeit nur deshalb nicht zu erwähnen, weil sich daraus jemand anderer indirekt kritisiert fühlen könnte.

    Was ich allerdings entschieden zurückweise, ist der Versuch, daraus eine Geschlechterfrage zu machen. Meine Aussage hatte nichts mit Mann oder Frau zu tun. Sie hatte mit Arbeitsweise, Kompetenz, Verlässlichkeit und Transparenz zu tun. Wer daraus sofort eine Debatte über Frauen in der Verwaltung konstruiert, lenkt aus meiner Sicht vom eigentlichen Thema ab.

    Ich werde mich jedenfalls weiterhin dafür einsetzen, dass Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ordentlich informiert werden, dass Anfragen ernst genommen werden und dass die Verwaltung transparent und professionell arbeitet. Wenn das aktuell besser funktioniert als früher, dann ist das eine positive Entwicklung für Vorchdorf.

    Und genau das habe ich gesagt. Nicht mehr und nicht weniger.

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    1. Michael Praschma Beitragsautor

      Diese Antwort begründet die Aussage im Gemeinderat ausführlich, und dazu wird die Redaktion sich nicht inhaltlich äußern – aus genau den genannten Gründen, nämlich, dass Gemeindebedienstete nicht öffentlich beurteilt werden sollen. Dafür ist der Personalausschuss (oder in krassen ein Fällen Gericht) zuständig.

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      1. Albert Sprung

        Lieber Michael, ich verstehe diesen Zugang grundsätzlich.

        Mir geht es auch nicht darum, Gemeindebedienstete öffentlich im Sinne einer Personalbeurteilung zu bewerten. Dafür gibt es zuständige Gremien.

        Mein Punkt war und ist ein anderer: Für die Arbeit des Gemeinderates ist entscheidend, ob Unterlagen rechtzeitig, vollständig und nachvollziehbar vorliegen, ob Anfragen ordentlich beantwortet werden und ob politische Kontrolle sachlich möglich ist.

        Wenn sich diese Abläufe verbessern, dann ist das keine private Personalbeurteilung, sondern eine relevante Frage der politischen Arbeitsfähigkeit des Gemeinderates.

        Ich nehme aber mit: Die Debatte sollte weniger über Personen geführt werden und mehr über Strukturen, Abläufe, Transparenz und Informationsqualität. Genau dort liegt aus meiner Sicht der eigentliche Kern.

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