Vorchdorf: Einrichtungen im Hitzestress

27. Juni 2026

Bis weit über 30 Grad sind die Temperaturen in dieser Woche gestiegen – Menschen, die das genießen, gibt es wahrscheinlich kaum noch. Wie geht es denen, die unter diesen Umständen arbeiten müssen, wie geht es Kindern und Alten, wie sind Gebäude und Strukturen auf die Hitze eingerichtet? Antworten aus allen Ecken der Gemeinde. 

Abkühlung im Wasser hin oder her, die meisten Freibadgäste suchen den Schattenschutz der Bäume.

Wieder einmal sind es die sogeannnten vulnerablen Gruppen, die besonders stark betroffen sind und unter extremen Temperaturen leiden, also kleine Kinder, alte, mobilitätseingeschränkte und kranke Menschen, aber auch jene, die schwere Arbeiten verrichten müssen, vielleicht sogar im Freien. Viele haben gar keine Möglichkeit, der Hitze zu entgehen.

Kinder, das „unterste Glied in der Gesellschaft“

Die Gebäude der Kindergärten in der Michael-Kitzmantelstraße und am Kapellenweg sind relativ alt, sie heizen sich rasch auf. Schon am Freitagvormittag kurz nach 10.30 Uhr liegen die Temperaturen in den exponiertesten Räumen nur knapp unter 30 Grad, die Öffnungszeiten gehen aber teils bis 16.30 Uhr. Klimaanlagen gibt es nicht. Die Erzieherinnen gehen mit den Kindern nur ganz früh nach draußen, auf guten Sonnenschutz wird geachtet, und wo es möglich ist, wird mit Wasser gepritschelt.

Die Leiterin des Kindergartens „Kunterbunt“ (Kapellenweg), Elke Buchegger, stellt fest, dass es mit den Kindern eben die untersten Glieder in der Gesellschaft sind, die unter den Folgen des Klimawandels mit am meisten zu leiden haben. Und ja, bei drückender Hitze leidet mitunter auch die Stimmung, und es kommt eher Streit auf. Ein vorläufiger Ausweg könnte es sein, die Ferien in den Juni vorzuverlegen, sagt sie. Aber wer weiß schon, ob die Hitzewellen nicht bald auch bis weit in den August reichen.

Glücklich, wer ein neues Gebäude hat

„Keine Probleme“ meldet Seniorenheimleiter Emil Sefic – wie das? Das Geheimnis liegt nach seinen Angaben in einem System, von der wohl nur wenige schon einmal gehört haben: eine Bodenwasserkühlung. Hier wird eigenes Brunnenwasser in die Kreisläufe der Fußbodenheizung geleitet. Die Räume, selbst die Küche, bleiben angenehm temperiert. Es gebe keine gesundheitlichen Gefährdungen bei den Bewohner:innen. Man rate ihnen natürlich, bei der größten Hitze nicht hinauszugehen. Anbieter solcher Fußbodenkühlungen sprechen von 5–6 Grad Temperatursenkung, die sich so erreichen lassen, abhängig von Gebäudedämmung und  Wassertemperatur.

Für die Zukunft gerüstet soll auch der Schulneubau sein. Das für die Bauzeit errichtete Ausweichquartier in Containern im Pfarrgarten kann mit Klimageräten gekühlt werden. Der geplante Bildungscampus hat ein Beschattungskonzept einschließlich Begrünung, für die auch die Versiegelung des Bodens aufgebrochen wird.

Das Aggressionspotential steigt

Von der Zukunft wieder in die Gegenwart, jetzt am Beispiel der Volksschule Vorchdorf. „Wir sind viel gewohnt“, sagt Direktorin Michaela Ohler – doch manches erscheint schwer verständlich. So gibt es Außenrollos vor den Fenstern; würde man die über das Wochenende – 37 Grad sind gemeldet! – herunterlassen, schiene die Sonne wenigstens nicht in die Klassen. Aber das ist nicht gestattet, weil sie bei einem Gewittersturm Schaden nehmen könnten. Dabei fallen sie dem Umbau ohnehin zum Opfer. Hilfreich wäre auch, wenn jemand schon vor Schulbeginn die Fenster öffnen würde, um etwas Kühlung hereinzubringen. Auch das scheint nicht möglich zu sein.

In Ohlers Büro scheint am Freitag um 13.30 Uhr noch nicht einmal die Sonne hinein, aber das Thermometer zeigt 35 Grad, Tendenz steigend. 25 Grad sind es in Klassenräumen bereits bei Unterrichtsbeginn. Die Lehrkräfte versuchen, „richtiges“ Lernen bis etwa 10 Uhr zu absolvieren. Danach? Rausgehen, Freibad, was halt möglich ist. Und ja, auch hier ist erhöhtes Aggressionspotential zu beobachten, die Hitze nervt. Es ist alles sehr mühsam, sage Michaela Ohler. Ob im Bildungscampus eine Klimaanlage geplant ist? – Nicht dass sie wüsste. Bekannt ist nur, dass es in den nächsten Jahren kaum kühler werden wird.

Auch kein Zuckerschlecken: In praller Sonne die Aufsicht beim Schwimmvergnügen führen. An Wochenenden untersützt die Vorchdorfer Wasserrettung dabei. Von mehr Problemen als sonst hört man nichts von den „Badwaschln“, aber manche Menschen, wird berichtet, sind schon etwas gereizter.

Am Dach – die absolute Katastrophe

Mit zu den am härtesten getroffenen Handwerkern zählt das Gewerbe der Dachdecker und Spengler. Schatten? Fehlanzeige, und die Ziegel, die zu verlegen sind, werden in der Sonne auch schnell glühend heiß. Thomas Götschhofer, Chef des gleichnamigen Betriebs beim Autobahn-Kreisverkehr, spricht von einer absoluten Katastrophe. Seine Firma behilft sich damit, die Arbeit um 5 Uhr in der Früh beginnen zu lassen; um 13 oder 14 Uhr ist dann Schluss.

Rechtlich gesehen müssen diese und weitere Maßnahmen ergriffen werden, wenn die sogenannte Hitzewarnung der Stufe 2 erreicht ist. Das bestimmt  die aktuelle HitzeschutzverordnungStarke Sonnenschutzmittel gehören ebenso dazu wie ausreichend Getränke. Nicht alle Auftraggeber haben Verständnis dafür, wenn z. B. die Arbeit schon kurz nach Mittag eingestelltr wird, sagt Götschhofer, aber das sei schon besser geworden. 

Im Dienst der Gemeinde: Auch nicht alles cool

Von seinem Schreibtisch aus überblickt Amtsleiter Paul Aberl die Situation der Beschäftigten der Gemeinde. Beschäftigte am Bauhof etwa können im Sommer eine Stunde früher beginnen und vermehrt Pausen einlegen. Arbeit im Freien wird in den Morgenstunden durchgeführt. Im Gemeindeamt selbst gibt es teilweise Klimageräte. Die Temperaturen im Erdgeschoss sind erträglich, aber besonders Räume auf der Seite zum Kirchenwirt weisen im 1. Obergeschoss sehr hohe Temperaturen auf. Daher wurden vor einigen Jahren für diesen Bereich Klimageräte angeschafft. Ein Lüftungskonzept sieht vor, morgens alles aufzumachen, und dann Fenster geschlossen zu halten.

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