Umleitung Feldham: Gemeinderatsdebatte im Blindflug

14. Juli 2026

Im INKOBA-Gewerbegebiet hat die Gemeinde wegen des Schotterabbaus ein Wegstück der Haidstraße gesperrt und eine Umleitung eingerichtet – etliches länger als jene, die im April im Straßenausschuss beschlossen wurde. Warum, das blieb am 7. Juli selbst nach knapp halbstündiger Diskussion manchem Gemeinderat unklar.

Es ist ein Schulbuchbeispiel dafür, wie Entscheidungsprozesse im Gemeinderat besser nicht ablaufen sollten: Schon die Vorgeschichte ist kurios, die Präsentation kompliziert, die Diskussion mit Animositäten durchsetzt, das Ergebnis – Vertagung – ein Ausgang wie das Hornberger Schießen.

Warum es ziemlich einfach sein könnte

Gelb: bestehender Weg; Rot = Sperre; Blau: Umleitung gemäß Straßenausschuss; Schwarz: Umleitung Bürgermeister-Verordnung

Unstrittig ist: Mit allen betroffenen Grundeigentümern gibt es sogenannte Optionsverträge. Das bedeutet: Die INKOBA kann über die Abbauflächen verfügen. Für die erste von vier Phasen des Schotterabbaus im INKOBA-Gewerbegebiet muss ein Teil der Haidstraße gesperrt werden. Am 9. April beschließt der Straßenausschuss einstimmig die Vorschreibung einer 3 Meter breiten Umleitung für Fußgänger und Radfahrer entlang der Abbaugrenze. Vom Bürgermeister verfügt wird allerdings eine Umleitungsstrecke, die auf ca. 1,7 Kilometern das gesamte Abbaugebiet umrundet und dabei zweimal die Landesstraße nach Bad Wimsbach quert. Der Antrag der Liste Vorchdorf lautet auf unverzügliche Umsetzung der im Ausschuss beschlossenen Lösung.

Wolfgang Ettinger (LV) schildert das so: Rund um die Abbaugrenze ist ohnehin ein Zaun zur Absperrung vorgesehen, dort wird ein kleiner Damm gegen Wassereinbrüche errichtet. Versetzt man den Zaun nun zwischen diesem Damm und dem tatsächlichen Schotterabbau, dann lässt sich auf dem Damm sehr einfach ein rund 3 Meter breiter Weg errichten. Diese Lösung sei vor Ort mit INKOBA und der Firma Asamer, die den Schotterabbau durchführt, besprochen. Sie sei insgesamt (also einschließlich der zukünftigen Abbauphasen) in zwei bis drei Tagen umsetzbar.

Problem oder Kommunikationsversagen?

Widerspruch dazu kommt von Bürgermeister Johann Mitterlehner und seinem Vize Matthias Traunbauer (ÖVP, zugleich Vorchdorfer Vertreter im INKOBA-Vorstand): Der Ausschuss sei „vielleicht nicht zur Gänze mit der Wahrheit informiert“ worden (Mitterlehner). Die Grundstücke für diese Lösung seien noch nicht alle verfügbar, und das habe der Ausschuss nicht bedacht. Daher habe man eine Alternative suchen müssen. Traunbauer beantragt, die Sache zur Klärung dieses Hindernisses an den Ausschuss zurückzuverweisen.

Ettinger widerspricht vehement, dann auch unterstützt von LV-Obmann Albert Sprung: Dieses Hindernis existiere nicht, weil der vom Ausschuss vorgesehene Weg ja innerhalb des umzäunten Abbaugebiets liege, anderenfalls könnte ja gar kein Abbau stattfinden. Der eigentlich Skandal liege aber darin, dass ein einstimmiger Ausschussentscheid einfach ignoriert und der Ausschuss darüber nicht einmal informiert werde. Wer mit wem darüber hat sprechen wollen, dazu steht in der Sitzung zwischen Ettinger/Sprung und Mitterlehner/Traunbauer Aussage gegen Aussage.

Es wird giftig

Kurioserweise ist es ausgerechnet eine Anrede, die Sprung in eine Wortmeldung einflicht, nämlich „… meine lieben Freundinnen und Freunde im Gemeinderat“, bei der Mitterlehner die Galle übergeht: So angesprochen zu werden, dagegen möchte er sich verwehren! Die Kontroverse wird aber schon vorher dadurch befeuert, dass zunächst Ettinger darauf verweist, es handle sich einmal mehr darum, dass gefasste Beschlüsse nicht umgesetzt werden.

Steilvorlage für ÖVP-Fraktionsobmann Mario Mayr ist aber die Unterstützerliste, mit der die LV ihren Antrag untermauert: Er müsse sich „die Frage stellen, ob man diese Liste eventuell fingiert; gibt es diese wirklich, ist das echt, kann man dem überhaupt trauen?“ Sprung empört sich über diese Unterstellung und kontert, man wolle Unterstützer davor schützen, unter Druck gesetzt zu werden, was wiederum Mitterlehner und Traunbauer dazu veranlasst, die Unterstützung mit dem Hinweis darauf infrage zu stellen, ihnen seien zu der veranlassten Wegsperrung keine Beschwerden bekannt geworden.

Schluss mit den gegenseitigen Unterstellungen, fordert Gemeinderat Norbert Ellinger sichtlich genervt. Schon zuvor hat er beantragt, den Punkt zu vertragen, weil er mangels anschaulicher Pläne und genauerer Angaben, um welche Grundstücke es sich handele, keine Entscheidung treffen will. (Die 25-minütige Debatte ist im folgenden Tondokumentt nachzuhören.)

Lassen sich über 18 ergebnislose Sitzungsstunden nicht vermeiden?

Gut 30 Mandatare, die über eine halbe Stunde lang diskutieren, ohne dass etwas dabei herauskommt, das macht in Summe rund 18 verschwendete Mann- und Fraustunden. Es wäre einfach gewesen, den Punkt erst gar nicht auf die Tagesordnung zu setzen oder aber in 5 Minuten abzuschließen, wenn …

  • wenn nicht Liste Vorchdorf und (vor allem) ÖVP so ineinander verbissen wären, dass die Versuchung, es einander so richtig zu zeigen, größer wäre als das Anliegen, ein Thema geräusch- und reibungslos zum allseitigen Nutzen zu managen;
  • wenn der Plan, eine Alternative zur Entscheidung des Straßenausschusses umzusetzen, im Vorfeld mindestens mit dem Ausschussobmann ausgeredet worden wäre;
  • wenn im Falle, dass es dabei keine Einigung geben sollte, dem Gemeinderat wenigstens alle sachdienlichen Argumente in Form von Plänen, Dokumenten etc. vorgelegt worden wären, sodass alle wissen, worum es überhaupt geht;
  • wenn alle, die sich zu Wort melden, ihre Gedanken zuvor kurz ordneten, sich vielleicht drei, vier Stichworte notieren, um wenigstens die sich im Kreis drehenden Wiederholungen in den Diskussionsbeiträgen abzukürzen. Man muss kein begnadeter Redner sein, um kurz und bündig zu sprechen.

Redaktioneller Nachtrag: Nachfragen des INVO.reports auch bei Vertretern der INKOBA und der Firma Asamer haben nicht mit letzter Sicherheit klären können, ob Grundstücke in Privatbesitz tatsächlich für die „Ausschuss-Umleitung“ ein unüberwindliches Hindernis darstellen, zumal auch Vizebürgermeister Traunbauer ausdrücklich sagt, man hätte diese Lösung eigentlich gerne. Asamer hält diese Lösung jedenfalls für möglich. Gesunder Menschenverstand und professionelles Entscheidungsmanagement waren bei diesem Punkt erkennbar offline. Sie sollten aber bei gutem Willen eigentlich die Voraussetzungen dafür schaffen können. Oder ist hier schon Vorwahlkampf im Spiel? Immerhin, der folgende Antrag der LV, wonach Einnahmen aus dem Schotterabbau auf gemeindeeigenen Flächen für den Rad- und Fußwegebau verwendet werden sollen, wird einstimmig angenommen. Es ginge also.

4 Kommentare zu „Umleitung Feldham: Gemeinderatsdebatte im Blindflug

  1. Albert Sprung

    Von einem „Blindflug“ kann keine Rede sein. Der Bau- und Straßenausschuss hat am 9. April die kurze Umleitung entlang der Abbaugrenze einstimmig beschlossen. In diesem Ausschuss sitzen Vertreter aller Fraktionen (außer NEOS). Zusätzlich wurde die geplante Strecke mehrfach öffentlich dargestellt – sogar mit Luftbild in der Gemeindezeitung. Niemand kann daher ernsthaft behaupten, nicht gewusst zu haben, worum es geht.

    Auch das Abbaugebiet ist seit Jahren bekannt. Jeder Gemeinderat, der ernsthaft Interessen von Bürgern vertritt, sollte wissen, wo Schotter abgebaut wird und wo eine sichere Ersatzverbindung möglich ist. Unser Antrag verlangte lediglich die Umsetzung des gemeinsamen und allen Fraktionen bekannten Ausschussbeschlusses. Stattdessen wurde eigenmächtig eine um zwei Kilometer (!) längere Umleitung verordnet, die zweimal über die Landesstraße führt.

    Die Behauptung, es hätten Informationen oder Pläne gefehlt, ist daher keine Erklärung, sondern eine Ausrede für die nächste Vertagung, ähnlich wie bei schon so vielen Vorhaben, die wir voran bringen wollen (z. B. Europaweg). Wenn ein einstimmiger Beschluss einfach ignoriert wird, liegt das Problem nicht bei der Opposition, sondern bei jenen, die Beschlüsse nach Belieben behandeln.

    Besonders entlarvend war schließlich die Unterstellung, unsere Unterstützerliste könnte fingiert sein. Wer keine sachlichen Argumente mehr hat, greift offenbar die Bürger an, die sich zu Wort melden und für Anliegen unterschreiben. Die Unterschriften sind echt – und wir werden diese Menschen weiterhin vor politischem Druck schützen.

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    1. Michael Praschma Beitragsautor

      Schon richtig, im Blindflug war man vor allem als Publikum, aber auch Gemeinderäte ohne Detailkenntnis der letzten Vorgänge konnten der Diskussion weder den Verlauf der jetzt verordneten Umleitung entnehmen noch die Lage des angeblich hinderlichen Grundstücks, vor allem aber nicht, warum denn nun Grundstücke, die für den Schotterabbau zur Verfügung stehen, nicht für einen Weg beansprucht werden können, der genau innerhalb dieses Abbaugebiets verlaufen soll. Hier wäre eine kurze und präzise Nachfrage hilfreich gewesen, die kam aber nicht.

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