22. Juli 2026
Ob aus Liste Vorchdorf und Vizebürgermeister Matthias Traunbauer noch einmal ein Traumpaar wird, ist fraglich. Eigenmächtige Aktionen statt pflichtgemäßer Einbindung politischer Gremien lautet schon zum dritten Mal in kurzen Abständen der Vorwurf der LV. Diesmal ging es um Bäume, die Traunbauer entlang der Feldhamer Wickstraße pflanzen ließ – dort, wo ein Gehsteig vorgesehen ist.
Das Drehbuch scheint stets gleich zu sein: Traunbauer handelt, die LV protestiert per Social Media, Traunbauer antwortet, teils mit einem Video, dann eskaliert die Sache mehr oder weniger. So geschehen im April bei der mehrfachen Umsiedlung von Fahrenden, dann bei der Umleitung im INKOBA-Gewerbegebiet (hier hatte Traunbauer allerdings nur argumentativ Schützenhilfe für Bürgermeister Mitterlehner geleistet), zuletzt in Doppelfunktion als Vizebürgermeister und Inhaber der Firma Baumwerk. In diesem Fall sollte eine Anfrage im Gemeinderat für Klarheit sorgen.
Die unbeantwortete Frage nach dem tieferen Grund

Mit diesem Bild in einem Facebookbeitrag prangerte die Liste Vorchdorf die Aktion an.
Der Sachverhalt ist zunächst ebenso schlicht wie erfreulich: Baumpflanzungen im Gewerbegebiet Feldham, unter anderem entlang der Wickstraße, und zwar großteils von Grundeigentümern gesponsert. Das bedeutet relativ wenig Kosten für die Gemeinde – laut Mitterlehner bisher ca. 10.000 Euro, weswegen auch kein Vergleichsangebot eingeholt worden sei. Quasi auf dem kurzen Dienstweg wurde entschieden, dass Traunbauers Firma Baumwerk mit den Pflanzungen beauftragt wird.
Formal halbwegs gedeckt war die Aktion durch eine Umfrage bei den Mitgliedern des Umweltausschusses per E-Mail. Im Hintergrund stand dabei, dass die Umweltanwaltschaft bei der straßenrechtlichen Bewilligung der Wickstraße Baumpflanzungen zur Auflage gemacht hatte. Ein Konflikt ist allerdings mit einem höherrangigen Beschluss des Gemeinderats dadurch entstanden, dass nun Bäume dort stehen, wo im Jahr 2015 ein Gehsteig festgelegt worden ist.
Aufgeklärt hat die Anfrage von Gemeinderat Bernhard Ettinger (LV) in der Sitzung am 7. Juli insoweit nicht alles. Ettinger weist auf Nachfrage darauf hin, dass nicht nur der Umlaufentscheid eines Ausschusses keinen Beschluss des Gemeinderats aufheben kann. Offen sei auch die Frage, weswegen man ohne Not gleich zur Tat geschritten sei, ohne zumindest den Straßenausschuss damit zu befassen, wie sich Gehsteig und Straßenbäume vereinbaren lassen. Noch im Mai habe dieser Ausschuss ausdrücklich auf dem beschlossenen Gehsteig beharrt.
Die abschließende Frage an Bürgermeister Mitterlehner, wie denn nun der Gehsteig überhaupt ausgeführt werden soll, beantwortete dieser damit, das solle eben jetzt der Straßenausschuss überlegen. Betrachtet man, wie die Bäume nun stehen, ist diese Aufgabenstellung zumindest nicht einfach.

Ein wesentlicher Punkt wird hier noch deutlicher, wenn man folgenden E-Mail-Verlauf betrachtet:
Elisabeth Reisenberger hat am 11. Mai 2026 um 09:02 Uhr bei den Mitgliedern des Umweltausschusses per Mail eine Zustimmung zur Verwendung des Baumbudgets für Baumpflanzungen entlang der Wickstraße abgefragt.
Bereits am selben Tag, 11. Mai 2026 um 10:29 Uhr, habe ich per Email ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Baumpflanzung zuerst im Bau- und Straßenausschuss, der am 28. Mai 2026 tagt, besprochen werden sollte.
Auszug aus meinem E-Mai an die Mitglieder des Umwelt-Ausschusses:
„Aus meiner Sicht ist eine Umsetzung entlang der Wickstraße zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin nicht sinnvoll. Die Wickstraße hat nach wie vor keine straßenrechtliche Bewilligung, das Verfahren läuft noch. Damit kann aktuell auch nicht abschließend gesagt werden, ob der Straßenverlauf in dieser Form überhaupt dauerhaft aufrecht bleibt. In den ursprünglichen Plänen war zudem ein bis dato nicht umgesetzter Gehweg vorgesehen, der vom Platz her möglicherweise auch als Kombiweg ausgeführt werden könnte. Darauf müsste bei einer Baumpflanzung jedenfalls Rücksicht genommen werden“,
und weiter
„Dazu kommt, dass die derzeitige Trockenheit für neu gepflanzte Bäume ein sehr schlechter Start wäre. Auch aus diesem Grund wäre eine Pflanzung im Herbst wahrscheinlich deutlich sinnvoller – sofern die anderen Punkte vorher geklärt sind.“
Genau diese Hinweise wurden offenkundig nicht aufgegriffen. Statt die zuständigen Gremien sauber einzubinden und die Lage der Bäume mit dem geplanten Gehsteig im dafür zuständigen Gremium abzustimmen, wurde umgesetzt. Das Ergebnis sieht man jetzt: Die Bäume stehen dort, wo sie eigentlich nicht stehen sollten. Und der Bauhof ist beinahe täglich damit beschäftigt tausende Liter Wasser zu den Bäumen zu fahren, damit diese nicht verdörren.
Mit ordentlicher Abstimmung im zuständigen Ausschuss wäre dieses Problem vermeidbar gewesen. Genau dafür gibt es Ausschüsse – nicht als Formalität, sondern damit solche Fehlentscheidungen und -umsetzungen gar nicht erst passieren.
Wenn in Schilda der Bürgermeister ein Rathaus ohne Fenster bauen lässt, um dann das Sonnenlicht in Säcken einzufangen, damit das Amtsgebäude nicht gar so finster bleibt, führt das unweigerlich zu ungläubigem Kopfschütteln.
Was aber denken sich die Bürgerinnen und Bürger Vorchdorfs, wenn der Gemeinderat den Beschluss für einen Gehsteig fasst, um dann 11 (!) Jahre später genau dort Bäume von der Firma des Vize-Bürgermeisters pflanzen zu lassen und vom zwischenzeitlich offensichtlich amtsmüden Bürgermeister gesagt zu bekommen, nun müsse sich halt der Straßenausschuss wieder überlegen, wohin der Gehsteig soll.
Eine mögliche Erklärung ist ein „Vorchdorfer Baumkronenweg“ als HIghlight der Gartenzeit 2031! Diese famose Idee kommt aber weder von einem visionären Bürgermeister noch von einem angeblich notorisch ideensprühenden Zukunftsverein, sondern von einer geschätzten, stets mitdenkenden Ex-Redaktionskollegin.
Übrigens, sollte auch heuer eine Studienreise der Vorchdorfer Politik geplant sein, hier ein Vorschlag: „Schilda oder Die Sache mit der Dummheit“. Ein mutmaßlich sehr gut passendes Stück im Sommertheater Rostock.
https://www.hmt-rostock.de/aktuelles-service/medieninformationen/detail/n/sommertheater-schilda-oder-die-sache-mit-der-dummheit-281454/