Gesundheitsangebote in einer sich schnell drehenden Welt

28. Juli 2026

Seit knapp zwei Jahren betreibt die Kirchhamer „Salvida“ auch in Vorchdorf ein Gesundheitszentrum. Zur Halbzeit der mit der Gemeinde geschlossenen Vereinbarung über die Räume im ehemaligen sogenannten Generationencampus haben wir Geschäftsführer Dr. Dominik Bammer nach seiner Zwischenbilanz gefragt. 

„Ich war naiv“, sagte Dominik Bammer vor rund einem Jahr im Interview mit dem Magazin Gesundheitswirtschaft – und zwar bezogen auf seine ursprüngliche Erwartung, das Gesundheitswesen würde sein Konzept einer alternativ aufgebauten Versorgung mit offenen Armen aufnehmen: interdisziplinär, berufsgruppenübergreifend, mit klaren Prozessen und gemeinsamer Verantwortung und auch einer Gesundheitsförderung. Unterschätzt habe er dabei die beharrenden Kräfte einzelner Gruppen.

„Es hat sich schon etwas geändert“

Allerdings, sagt Bammer, sind seither sehr positive Signale gekommen. Er sei gespannt, inwieweit Ansätze wie Facharztzentren tatsächlich aufgebaut werden. Sein Eindruck sei, dass er mit seinen Lösungen am richtigen Platz sei. Das gilt auch im buchstäblichen Sinn für die Verwaltungsstelle, die seit einiger Zeit am A1-Kreisverkehr in Vorchdorf untergebracht ist. In Kirchham waren hierfür nicht ausreichend Räume, außerdem ist der hiesige Standort für die Verbindung zu den anderen Zentren in Salzburg, Linz, Wels und Traun verkehrstechnisch ideal.

Das medizinische Angebot hat sich in bei Salvida Vorchdorf gut entwickelt, auch wenn die im Interview vor zwei Jahren dargestellte Vollauslastung mit 17 Therapeut:innen laut Bammer bei weitem noch nicht erreicht ist. Vor allem sei die Ansiedlung von Kassentherapie leider nicht gelungen. Die Zielvorstellung ist aber grundsätzlich gleich geblieben. Aktuell biete Salvida Vorchdorf die Schwerpunkte Physiotherapie, Massage sowie sport- und bewegungswissenschaftliche Angebote. Es gibt derzeit auch kurzfristig freie Termine.

Mit den Bedingungen in Vorchdorf ist Bammer zufrieden; die Räume haben sich als geeignet herausgestellt, auch wenn es für ein immer noch junges Unternehmen stets Lernfelder gebe. Ob er jetzt schon absehen kann, wie es nach den vier Jahren weitergehe? – Bammer: „Dafür dreht sich die Welt zu schnell; das muss man noch abwarten.“

Ein Kommentar zu „Gesundheitsangebote in einer sich schnell drehenden Welt

  1. Albert Sprung

    Redaktioneller Hinweis: Kommentar mit Überlänge

    Die Geschichte dieses Gesundheitszentrums beginnt lange vor Salvida – und sie beginnt mit einem völlig anderen Versprechen: Im Zuge der Errichtung des Generationencampus sollte in Vorchdorf ein neuartiges Ärztezentrum entstehen. Vorgesehen war ein zentraler Empfang für Ärzte und Therapeuten, über den Patientenströme und organisatorische Abläufe gemeinsam abgewickelt werden sollten.

    Der damals interessierte und sehr engagierte Vorchdorfer Arzt Dr. Hohn wollte jedoch aus nachvollziehbaren fachlichen und organisatorischen Gründen einen räumlich getrennten Bereich. Statt seine Anforderungen als Arzt ernst zu nehmen und das Konzept entsprechend anzupassen, wollte die Gemeinde jedoch an ihren eigenen Vorgaben festhalten. Der geplante zentrale Empfang war zudem aber nicht nur organisatorisch fragwürdig, sondern warf auch erhebliche datenschutzrechtliche Fragen auf.

    Damit war der ursprüngliche Plan eines echten Ärztezentrums praktisch gescheitert. Die Flächen waren allerdings bereits vorgesehen und mussten genutzt werden. Der damalige Bürgermeister hatte sich gegenüber dem Investor – der die Flächen an die Gemeinde vermietete – politisch weit aus dem Fenster gelehnt – einem Investor, der gleichzeitig auch im INKOBA-Gewerbegebiet Feldham wesentliche Grundstücke bereit stellte. So entstand schließlich aus der Not heraus das sogenannte Gesundheitsdienstleistungszentrum, kurz GDLZ.

    Ab Juli 2019 wurden dafür im Gemeinderat die entscheidenden Weichen gestellt. Die Gemeinde setzte in weiterer Folge auf eine Kooperation mit der Firma Xundheit. Versprochen wurden hohe Auslastung, zahlreiche Gesundheitsanbieter und eine wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung des Standorts. Im Amtsvortrag der Gemeinderatssitzung vom 2. Juli 2019 war von großen Versprechen die Rede: „Xundheit kümmert sich um ALLES“ und garantiere, dass sich das Gesundheitsdienstleistungszentrum „selbst amortisiert“. Tatsächlich blieb der Gemeinde am Ende statt der angekündigten Erfolgsgeschichte ein Verlust von rund 600.000 Euro.

    Forciert wurde dieses Modell insbesondere vom damaligen Amtsleiter, der hier in seiner gewohnten Art eher delegieren wollte, als selbst Hand anzulegen, und wo Xundheit zu diesem Zeitpunkt wie „ein Retter in der Not“ war, weil das ursprünglich so vollmundig angekündigte Ärztezentrum mit den Vorgaben der Gemeinde nicht realisierbar und gescheitert war. Also machte man einfach ein „Therapeutenzentrum“ nach dem Vorbild von Xundheit daraus.

    Dass ich dieser Kooperation von Anfang an kritisch gegenüberstand, ist kein Geheimnis. Ich hielt die Prognosen für zu optimistisch, die wirtschaftlichen Risiken für die Gemeinde für zu groß und die Rolle einer Kommune als Betreiber eines solchen Gesundheitsprojekts für grundsätzlich problematisch – auch in Hinblick auf die Kooperation mit der Firma Xundheit. Diese Auseinandersetzung war letztlich auch einer der wesentlichen Gründe für meinen politischen Bruch mit der ÖVP und dem rasanten Aufstieg der unabhängigen Bürgerliste FÜR Vorchdorf.

    Heute wissen wir: Die angekündigten Erfolge sind nicht eingetreten. Stattdessen hat die Gemeinde über mehrere Jahre Verluste von insgesamt rund 600.000 Euro eingefahren, wie u.a. eine Anfrage an den Bürgermeister ergab, welche er am 4 Mai 2023 im Gemeinderat beantwortete. Dieses Geld fehlt an anderer Stelle – und wurde letztlich aus den Steuergeldern der Vorchdorferinnen und Vorchdorfern bezahlt. Der Versuch des Bürgermeisters, Unternehmer zu spielen, ist damit teuer gescheitert, auf Kosten der Gemeinde.

    Umso mehr gebührt Salvida Anerkennung und Dank dafür, dass das Unternehmen bereit war, diese Einrichtung zu übernehmen und sie nun professionell zu führen. Dass sich das Angebot seither stabilisiert und weiterentwickelt, zeigt deutlich: Ein Gesundheitszentrum braucht medizinische Erfahrung, wirtschaftliches Know-how und professionelles Management – nicht politische Phantasie-Vorstellungen, überzogene Versprechen und unternehmerische Experimente auf Kosten der Gemeindekasse.

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