30. Juli 2026
Vorchdorfer Geschichte(n)
Ignaz Engelhofer ist der Mann, auf den der örtliche Pensionist:innenverband und das Vorchdorfer Volksheim zurückgehen. Zu seinen großen Vorhaben gehörte auch das Bezirksseniorenheim. Sein Lebensweg war mehr als wechselhaft – und jedenfalls politisch kurios.
Die staatspolizeiliche Amtshandlung am 5. Juni 1935 findet in Einsiedling 16 statt. Das Haus liegt da, wo der Diebach die Einsiedlinger Straße unterquert, unweit der Rittmühle. Es ist eine Hausdurchsuchung bei Ignaz Engelhofer, damals 30 Jahre alt und Maschinenführer in der Rittmühle. Keine drei Wochen später verurteilt ihn das Kreisgericht Wels zu einem Jahr schwerem Kerker. Engelhofer habe mit verbotenen Druckwerken der Revolutionären Sozialisten und kommunistischen Partei „zur Verachtung und zum Hasse wider die Regierungsform und die Staatsverwaltung aufzureizen gesucht“.
Aus der Haft in den aufkommenden Nationalsozialismus
Bereits im Vorjahr ist Engelhofer für zwei Wochen inhaftiert worden, zusammen mit drei anderen sozialdemokratischen Funktionären – vorbeugend, während der sogenannten Marxistenrevolte. Engelhofer ist schon vorher für Arbeiterrechte aktiv geworden, wird Betriebsrat und sozialdemokratischer Gemeinderat.
Nach der Kerkerhaft, also 1936, ist der Platz vor dem Schloss nach Engelbert Dollfuß benannt, und es gibt in Vorchdorf bereits eine Ortsgruppe der Jung-Vaterland-Bewegung unter Leitung des Oberlehrers Bergthaler. Als bekannter Linker steht Engelhofer unter Beobachtung. Doch 1938 suchen die Nationalsozialisten nach Männern, die dabei nützlich sind, die Arbeiterschaft motivieren und kontrollieren zu können.

Ignaz und Theresie Engelhofer mit Kindern im Jahr 1944 (Foto: Archiv Bruno Schernhammer)
Engelhofer, inzwischen an Tuberkulose erkrankt und Familienvater, nimmt notgedrungen das Angebot an, Gemeindebediensteter zu werden. Bedingung: Er übernimmt die Führung der Deutschen Arbeitsfront im Ort. Man glaubt offenbar, ihn in der Hand zu haben, obwohl er vor 1938 „mit der NSDAP nicht einmal sympathisiert“ hat, wie ein Gendarmeriebericht nach dem Krieg festhält. Der Krieg kommt, immer mehr örtliche Parteifunktionäre werden eingezogen oder machen Karriere, und so wird ausgerechnet er schließlich Ortsgruppenleiter der NSDAP – eingesetzt durch den Kreisleiter der Partei, wie es heißt.
Lager, Volksgericht und neue „rote“ Aktivitäten
Am 5. Mai 1945 ziehen amerikanische Truppen ein. Als „führender Nationalsozialist“ wird Engelhofer schon am nächsten Tag verhaftet und landet bald darauf zur Entnazifizierung in einem Internierungslager bei München, später in Salzburg. Mit anderen NS-Funktionären kommt er im Juni 1947 nach Linz vors Volksgericht, wo zwei Anzeigen – wegen Denunziation und wegen Misshandlung Kriegsgefangener – gegen ihn vorliegen. Engelhofer geht frei.
Bemerkenswert ist, dass sich nicht nur seine Ehefrau für ihn einsetzt, sondern auch Betriebsräte der Rittmühle, Bürgermeister Johann Schaumberger und Pfarrer Rudolf Hundstorfer. Letzterer bestätigt, Engelhofer habe sich „durch sein politisch gemäßigtes Auftreten und durch die anständige Behandlung der Bevölkerung von seinem Vorgänger angenehm unterschieden“.
Nach 29 Monaten kommt Engelhofer aus der Haft, inzwischen auch wieder gesundet. Er beginnt erneut in der Rittmühle zu arbeiten, kandidiert wieder als SPÖ-Mitglied für den Gemeinderat. Seine Aktivitäten vor allem im sozialen Bereich führt er bis zu seinem Tod 1977 fort.
Redaktioneller Hinweis:
- Viele weitere Details und geschichtliche Hintergründe dieses wendungsreichen Lebens auf Vorchdorfer wie österreichischer Ebene schildert Autor Bruno Schernhammer in einem hier aufrufbaren Beitrag der Zeitschrift „betrifft widerstand“ des Vereins Zeitgeschichte Museum und KZ-Gedenkstätte Ebensee (links oben S. 22 eingeben oder bis S. 24 scrollen).
- Die Zeitschrift 1/2026 kann im Weltladen erworben werden.
- Unter dem Titel „Männer in dunklen Zeiten“ findet am 9. Oktober 26 um 18 Uhr eine Lesung mit Diskussion im Volksheim Vorchdorf statt, bei der es um Franz Pühringer und Ignaz Engelhofer gehen wird. Neben Bruno Schernhammer ist hier auch Klaus Kastberger, ein Enkel von Ignaz Engelhofer, dabei.
