12. August 2026
Wer sich erinnern kann, dass es schon einmal so lange so wenig Regen gab, hat Halluzinationen. Denn das gab es noch nie, seitdem das Wetter aufgezeichnet wird. Auch wenn das – noch! – nicht zu Problemen mit der Trinkwasserversorgung in Vorchdorf per Ortswasserleitung führt: Hausbrunnen und Landwirtschaft haben schon jetzt ein massives Problem. Es ließe sich zumindest abmildern.
Man sieht es nur aus der Vogelperspektive, am besten beim Landeanflug zu Zielen im Mittelmeerraum: blau, oft kreisförmig, auf Hausdächern und in der Landschaft – Zisternen, Wasserspeicher. Völlig normal in Ländern, die seit jeher mit Dürreperioden zurechtkommen müssen. Fällt endlich einmal das kostbare Nass vom Himmel, dann darf es auf keinen Fall im nächsten Bach oder einem Kanal weglaufen!
Bei uns war das bis jetzt fast nirgends notwendig. Die wenigsten haben einen Regenwasserspeicher für Brauchwasser, das nicht zum Trinken bestimmt ist. Und wenn, dann oft nicht aus Not, sondern um Wassergebühren zu sparen. Das ändert sich gerade rapide. Die Meldungen, dass der Hausbrunnen trockengefallen ist, häufen sich auch in Vorchdorf. Wasser zum Trinken und Kochen kann man notfalls noch im Supermarkt kaufen, aber was ist mit der Toilettenspülung, der Dusche, den Zimmer- und Gartenpflanzen?
Wer einmal erlebt hat, welche Wassermengen bei einem Gewitterguss durch das Regenrohr rauscht und damit vielleicht in kürzester Zeit eine Tonne angefüllt hat, dem ist sofort klar, dass hier ein großes Potenzial zur Wasserspeicherung schlummert. Man muss nur die erforderlichen Auffangvorrichtungen herstellen. Wer ein eigenes Haus mit Grund hat, tut sich relativ leicht damit. Komplizierter wird die Sache in Parteienhäusern und Einrichtungen wie Schule, Kindergarten und anderen öffentlichen Einrichtungen.
Die Gemeinde ist gefragt, die gegenwärtige Dürreperiode zum Anlass zu nehmen, zumindest im eigenen Bereich Lösungen zu entwickeln, denn was heuer zu erleben ist, wird sich wiederholen und verschärfen. Dazu gehört auch, die Speicherfähigkeit des Bodens zu erhalten bzw. nach Möglichkeit wieder herzustellen, indem Bodenversiegelungen vermieden und rückgängig gemacht werden. Das beugt einerseits dem Austrocknen von Grünflächen vor, wird aber eventuell auch einmal wichtig, wenn die Feuerwehr Löschwasser braucht. Das Bewusstsein im Gemeindeamt dafür ist vorhanden. Die Gemeindepolitik ist gefragt, die entsprechenden Maßnahmen anzuschieben.

Am Beispiel des Löschwasserreservoirs am 1-€-Grundstück, auf das zugunsten privater wirtschaftlicher Interessen zum Nachteil der Allgemeinheit verzichtet wurde, zeigt sich halt, wie sehr Gemeinden zum Selbstbedienungungsladen für Baugenehmigungen, Umwidmungen etc. geworden sind.
Die Österreichische Hagelversicherung spricht inzwischen von einer historischen Dürrekatastrophe: Eine Milliarde Euro Schaden in der Landwirtschaft, in manchen Regionen seit Mitte Juni mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als im Zehnjahresmittel. Im Grünland werden Ertragsausfälle von rund 45 Prozent und mehr erwartet. Gegenüber dem bisherigen Schadensniveau ist das eine Größenordnung von rund dem Fünffachen eines durchschnittlich schweren Dürrejahres.
Und in Vorchdorf? Noch im November 2025 erklärte Vizebürgermeister Alexander Schuster (FPÖ) in der Diskussion um den Löschwasserspeicher am 1-Euro-Grundstück: „Wir haben die Laudach daneben, also Wasser ist genug da.“ Heute führt die Laudach überhaupt kein Wasser mehr. Besonders bitter: Ausgerechnet jener große Löschwasserbehälter im Ortskern, um dessen Erhaltung damals gerungen wurde, ist inzwischen dem Bauprojekt in der Bahnhofstraße 14 zum Opfer gefallen. Der Antrag, diese zusätzliche Wasserreserve zu erhalten, fand keine Mehrheit.
Natürlich ist die Vorchdorfer Trinkwasserversorgung derzeit nicht gefährdet. Aber Vorsorge beginnt eben nicht erst dann, wenn kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt. Regenwasser speichern, Böden entsiegeln, Versickerung ermöglichen und vorhandene Wasserreserven erhalten – das sind keine „grünen Spinnereien“ mehr, sondern dringend notwendige kommunale Daseinsvorsorge.
„Wasser ist genug da“ war gestern. Die Politik sollte besser überlegen, was sie heute tut, damit morgen tatsächlich noch genug da ist. Und: Eines muss aber trotzdem gesagt sein: Österreich alleine wird selbst mit den schärfsten Klimaschutzgesetzen nichts ausrichten können. Aber als „globaler Antreiber/in“ diese Themas vielleich schon. Wenn man sich als diese/r positionieren wollte. Was im aktuellen Klein-Klein wohl eher nicht der Fall sein wird.
Ich habe interessanterweise im BEAVER-LAB in Linz kürzlich sehr viel über Wasserschutz und Maßnahmen gegen Austrocknung von Bächen gelernt, von einem Baumeister mit Erfahrung: dem Biber
Einen, den viele nicht haben wollen, vermutlich auch wie manch andere unbequeme Lösungen: Schutzzonen, Renaturierung, Pool-Steuer, Bauvorgaben, Entsiegelung, Überdenken von Fördermaßnahmen,…