Wenn diese Firma Vorchdorf verlässt – heißt das etwas?

21. August 2026

Seit rund acht Jahren gibt es die Baumwerk GmbH mit Sitz in der Ortschaft Hötzelsdorf, geführt von Matthias Traunbauer, zugleich Ortsobmann der ÖVP und seit Dezember 2025 als Vizebürgermeister auch wahrscheinlicher Bürgermeisterkandidat für 2027. Seine Überlegungen, das Baumwerk nach Roitham zu verlegen, sind ins Gerede gekommen. 

Harmonischer Anlass: Traunbauer beim Lederauer Feuerwehrfest am 15. August
Foto: Willi Hitzenberger

Es handele sich um derzeit 15 Arbeitsplätze, die Vorchdorf für die Kommunalsteuer entgehen würden. Das Problem seien die verstreuten Lagerplätze der Firma; sie würden im INKOBA-Gewerbegebiet hochwertigen Betriebsansiedlungen etwa einen halben Hektar entziehen. Er habe im Ort sehr viel nach Alternativen geschaut – eine vergleichbare Fläche wie die ins Auge gefasste in Roitham wüsste er nicht. Und überhaupt sei es noch nicht fix, dass das Baumwerk Vorchdorf tatsächlich verlässt.

Matthias Traunbauer sieht keinen Grund, aus der Sache ein Thema zu machen, auch nicht aus wahltaktischen Gründen: etwa, um einer Kampagne zuvorzukommen, die seine Glaubwürdigkeit als engagierter Vorchdorfer Bürgermeisterkandidat anzweifelt; nach dem Motto: Für Vorchdorf will er da sein, aber die eigene Firma siedelt er ab! Er sagt, ob er nun eine solche Unternehmensentscheidung trifft oder nicht – angeschossen werde er so oder so.

Immerhin, ganz unverbindlich sind die Absichten von Baumwerk in Roitham nicht. Um Holz auf dem vorgesehenen Platz zu lagern, ist eine behördliche Planungsänderung erforderlich gewesen. Der Roithamer Gemeinderat hat heuer im Mai eine Vereinbarung mit Traunbauer beschlossen, die festlegt, dass er die Kosten für diese Planungsänderung übernimmt, da es sich um ein Firmeninteresse – also kein öffentliches Interesse – handelt. Ein Thema, so ist außerdem zu erfahren, ist der Zusammenhang zwischen Firmenstandort und Bürgermeisterkandidatur bereits in mehr als einer anderen Fraktion im Vorchdorfer Gemeinderat. Und damit ist es erfahrungsgemäß am Tisch.

Redaktioneller Hinweis: Über seine politischen Vorstellungen hat Matthias Traunbauer dem INVO.report zweimal in einem Interview Auskunft gegeben: anlässlich seiner Wahl zum Orts-Parteiobmann und bei Amtsantritt als Vizebürgermeister

8 Kommentare zu „Wenn diese Firma Vorchdorf verlässt – heißt das etwas?

  1. Albert Sprung

    Thomas, genau da liegt offenbar unser Dissens. Wie immer beziehe ich mich auf Fakten – in diesem Fall auf öffentlich zugängliche Unterlagen. Ich habe keine „Schieflage“ behauptet, sondern konkrete Firmenbuchzahlen genannt und ausdrücklich dazugeschrieben, dass daraus kein finanzieller Grund für eine mögliche Übersiedlung abgeleitet werden kann – weil es dafür keinen Beleg gibt.

    Dass man bei einer öffentlich diskutierten Standortverlagerung auch einen Blick auf das betreffende Unternehmen wirft, halte ich weiterhin für legitim – gerade wenn dessen Eigentümer und Geschäftsführer gleichzeitig Vizebürgermeister, möglicher Bürgermeisterkandidat und INKOBA-Vorstand ist.

    Du hältst das für letztklassig, ich halte deine Bewertung für maßlos. Wir werden uns in diesem Punkt offenbar nicht einigen. Damit ist es für mich aber dann auch gut.

    Antworten
    1. Dieter Fellhofer

      Fakt ist, dass man kritisch hinterfragen darf, welche Standortpläne ein Bürgermeisterkandidat und INKOBA-Spitzenvertreter mit seinem Unternehmen in „seiner“ Gemeinde hat. Schließlich wird damit eine klare Botschaft gesendet, ein unmissverständliches Zeichen gesetzt, eine Haltung vermittelt – es ist schlußendlich auch eine Frage des Vertrauens. Aber es ist auch immer noch eine legitime unternehmerische Entscheidung (die man sich als Politiker aber halt doppelt gut überlegen muss, was im gegebenen Fall mutmaßlich nicht der Fall ist). Wie all das dann zusammengenommen auf das Stimmvolk wirkt, wird sich dann ja nächstes Jahr zeigen.

      Was es in dieser Angelegenheit aber nicht braucht, ist ein oberlehrerhaftes, offensichtlich einmal mehr von K(onrad) I(da) generiertes Statement zum Finanzstatus des Unternehmens – der tut nämlich genau nichts zur eigentlichen Sache! Wer mit aus dem Web gesaugten Weisheiten aufzeigen will, beweist damit doch nur seinen (persönlichen und politischen) Stil. Und an dieser Stelle hat dann Herr Edtmeier wohl absolut recht, wenn er mehr als berechtigte Zweifel am Niveau anmeldet.

      Antworten
  2. Thomas Edtmeier

    Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob Du nach Deiner Stellungnahme in diesem Zusammenhang tatsächlich in der Situation bist, hier eine moralpolitische Einordnung zu treffen. Und ja, meine Empörung über Deine „untergriffige Vermengung“ ist sehr groß. Ebenso wie die sachliche Einordnung als „letztklassig“ durchaus treffend ist. Das tut man einfach nicht, Albert. Vergiss nie: Wenn du mit dem Finger auf jemand anderen zeigst, zeigen drei Finger auf Dich zurück. Addendum: Albert, Du hast nicht nur die politische Thematik rund um einen Vizebürgermeister, möglichen Bürgermeisterkandidaten, INKOBA-Vorstand etc. kritisch kommentiert, Du hast vielmehr etwas suggeriert: Nämlich die mögliche Schieflage eines Unternehmens. Eines Unternehmens, wo angepackt wird und welches Mitarbeiter beschäftigt. Ich bin bei Gott kein Advokat von Vizebürgermeister Matthias Traunbauer, aber man sollte seine Worte im Idealfall weise wählen, um nicht noch mehr verbrannte Erde in Vorchdorf zu hinterlassen.

    Antworten
    1. Bernhard Humer

      Was du da nicht alles rauszulesen vermagst. Ich kann deine Empõrung nicht wirklich verstehen. Als politisch nicht wirklich Interessierter ist es für mich jedoch auch nicht wirklich nachvollziehbar, und trübt das Bild etwas, hinsichtlich der politischen Funktionen.

      Antworten
  3. Albert Sprung

    Thomas, deine Bewertung teile ich nicht.

    Wenn öffentlich über die mögliche Übersiedlung eines Unternehmens diskutiert wird, ist es legitim, sich auch dieses Unternehmen und öffentlich zugängliche Firmenbuchdaten näher anzusehen. Ich habe ausdrücklich festgehalten, dass daraus kein finanzieller Grund für die Übersiedlung abgeleitet werden kann.

    Politisch relevant ist die Sache aber allemal, weil Traunbauer Vizebürgermeister, möglicher Bürgermeisterkandidat und als Vorstand beim INKOBA-Gemeindeverband für Betriebsstandorte mitverantwortlich ist. Wenn ausgerechnet sein eigenes Unternehmen in Vorchdorf offenbar keine passende Entwicklungsmöglichkeit findet, darf man wohl fragen, was das über die ÖVP-Standortpolitik der letzten Jahrzehnte aussagt, und ich spare mir jetzt die Liste der hochkarätigen Unternehmen, die die letzten Jahre aus Vorchdorf abgesiedelt sind.

    Aber: „untergriffige Vermengung“, „letztklassig“ und „beispiellos“ halte ich allerdings für deutlich überzogen. Da steckt für mich wesentlich mehr Empörung drinnen als sachliche Einordnung.

    Antworten
  4. Thomas Edtmeier

    Wenn man glaubt, es ginge nicht mehr tiefer, dann kann man sich sicher sein, dass sich in Vorchdorf ein Ortspolitiker findet, der diesem seit Jahren anhaltenden Niveaulimbo eine neue Dimension gibt. Gratuliere, Albert! Diesmal hast Du es wieder einmal geschafft, Dich in einem Ausmaß zu versteigen, das selbst die hartgesottensten Vorchdorf-Beobachter sprachlos zurücklässt. Diese unzulässige und untergriffige Vermengung von öffentlichem Politdiskurs mit privatwirtschaftlichen Angelegenheiten ist echt beispiellos und einfach letztklassig. Damit hast Du Dir selbst jedes Argument abgeschossen, welches ebenfalls vorhandene Untergriffe von der „anderen Seite“ thematisieren und zu Recht kritisieren könnte.

    Antworten
  5. Albert Sprung

    Dass ein Unternehmer seinen Betrieb dorthin verlegt, wo er bessere Bedingungen findet, ist zunächst eine wirtschaftliche Entscheidung.

    Politisch interessant wird es aber dann, wenn der Unternehmer zugleich Vizebürgermeister und möglicher ÖVP-Bürgermeisterkandidat ist und gleichzeitig Vorstand beim INKOBA Gemeideverband ist, der Verband, der dafür gegründet wurde, Betriebsstandorte zu entwickeln und Unternehmen bei Standortfragen und Betriebsansiedlungen zu unterstützen und der sogar selbst ein Gewerbegebiet in Vorchdorf in Feldham entwickelt.

    Auch die im Firmenbuch veröffentlichten Zahlen zeigen jedenfalls kein völlig sorgenfreies Unternehmen: Ende 2025 stehen rund 1,08 Mio. Euro Verbindlichkeiten nur rund 151.000 Euro Eigenkapital gegenüber; die Eigenkapitalquote liegt damit bei lediglich etwa 11,6 Prozent. Gleichzeitig werden zum Bilanzstichtag 0 Euro liquide Mittel ausgewiesen und die Forderungen haben sich binnen eines Jahres auf rund 219.000 Euro mehr als verdoppelt.

    Daraus abzuleiten, eine Übersiedlung nach Roitham sei finanziell notwendig, wäre unseriös – dafür gibt es keinen Beleg. Die politische Frage ist aber ohnehin eine andere: Wenn selbst der eigene Vizebürgermeister und mögliche ÖVP-Bürgermeisterkandidat und Vorstand beim INKOBA Gemeideverband für sein Unternehmen in Vorchdorf keinen geeigneten Standort findet, was sagt das über die Vorchdorfer ÖVP-Standortpolitik aus?

    Antworten
  6. Dieter Fellhofer

    Wenn diese Firma Vorchdorf verlässt, heisst das wirklich etwas: Ein noch recht frischer Vize-Bürgermeister (und nächstjähriger Bürgermeisterkandidat) denkt darüber nach, als Unternehmer „seine“ Gemeinde zu verlassen. Der ranghöchste Vertreter der Gemeinde im INKOBA-Verband scheint mit den von ihm stets angepriesenen Möglichkeiten im Feldhamer Gewerbegebiet „seines“ Verbands nicht zufrieden zu sein. Welchen Eindruck das wohl auf potentielle Interessenten macht?

    Auch wenn unternehmerische Entscheidungen selbstverständlich seine höchstpersönliche Sache sind, die Optik ist, zumindest aus meiner Bürgersicht, verheerend. Da kann man den Eindruck bekommen, es sei da einer mit recht wenig „Gespür“ ausgestattet oder sich für 2027 schon ziemlich siegessicher. Wenn das nur nicht Hochmut vor dem Fall ist.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert