28. August 2026
Die extreme Trockenheit setzt den Dietmair-Teichen in Vorchdorf massiv zu. Rund 300 Kilogramm Forellen sind bereits verendet. Der Almtaler Fischerclub versucht mit großem Aufwand, die verbliebenen Tiere und damit einen ganzen Lebensraum zu retten. Doch der Kampf gegen die Folgen der Dürre hat Grenzen – ökologische ebenso wie finanzielle.

Ein Naturraum direkt beim Ortskern (Abb.: Zentrumsplan, Marktgemeinde Vorchdorf/GISDAT)
Die Dietmair-Teiche sind für den Almtaler Fischerclub Vorchdorf weit mehr als ein Ort zum Fischen. Über Jahre ist hier ein Lebensraum entstanden, der nicht nur Fischen, sondern auch zahlreichen anderen Tieren und Pflanzen Nahrung, Schutz und Rückzugsmöglichkeiten bietet. Ein Bericht im Vorchdorfer Tipp hat die Geschichte dieses Naturprojekts vor fünf Jahren ausführlich beleuchtet.
Doch in diesem Sommer ist das empfindliche Ökoystem aus dem Gleichgewicht geraten. Die anhaltende Trockenheit und der Wassermangel haben die Situation an den Teichen dramatisch verschärft. Besonders hart getroffen hat es den Fischbestand: Rund 300 Kilogramm Forellen sind bereits verendet und mussten entsorgt werden. Was als Zahl nüchtern klingt, zeigt vor Ort die Dimension der Katastrophe: hunderte Tiere, die den steigenden Temperaturen und den veränderten Bedingungen im Wasser nicht standhalten konnten.
Die Auswirkungen enden nicht beim Fischbestand. Die Teiche bilden ein komplexes Ökosystem. Insekten, Amphibien, Vögel und zahlreiche Kleinstlebewesen sind direkt oder indirekt auf das Wasser angewiesen. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, verändert sich ein Lebensraum, der über Jahre gewachsen ist.
Wasser wird zur Überlebensfrage
Der Almtaler Fischerclub versucht derzeit mit erheblichem Aufwand, das Schlimmste zu verhindern. Weil die natürliche Wasserversorgung nicht mehr ausreicht, wird zusätzlich Wasser herangeschafft und aus Kanistern in die Teiche gepumpt – eine außergewöhnliche Maßnahme, die deutlich macht, wie ernst die Lage inzwischen ist. Wasser, das normalerweise selbstverständlich vorhanden ist, muss plötzlich organisiert, transportiert und mit technischer Hilfe in die Teiche gebracht werden.
Damit steigen auch die Kosten. Wasser, Strom, Pumpen und weitere notwendige Maßnahmen sowie der Verlust des Fischbestandes haben mittlerweile einen Schaden von rund 15.000 Euro verursacht. Für einen Verein ist das eine enorme Summe.
Wie lange kann der Verein das noch stemmen?
Noch versucht der Almtaler Fischerclub, aus eigener Kraft gegenzuhalten. Doch die entscheidende Frage reicht bereits über diesen Sommer hinaus: Was passiert, wenn der nächste Sommer wieder so trocken wird? Noch einmal Kosten in dieser Größenordnung zu tragen, könnte für den Verein kaum zu bewältigen sein. Ein weiterer Sommer mit vergleichbaren Bedingungen könnte letztlich sogar dazu führen, dass der Fischerclub in seiner bisherigen Form nicht weiterbestehen kann.
Damit wird aus einer Naturkatastrophe auch eine Existenzfrage. Ob Unterstützung von politischer Seite oder vom Landesfischerverband kommen könnte, ist derzeit noch nicht geklärt. Klar ist jedoch: Auf Dauer kann ein einzelner Verein die Folgen solcher Wetterextreme weder finanziell noch organisatorisch alleine auffangen.
Die Dürre bleibt nicht am Ufer stehen
Die Situation an den Dietmair-Teichen zeigt im Kleinen, was zunehmende Trockenperioden für unsere unmittelbare Umgebung bedeuten können. Klimatische Veränderungen werden oft in globalen Temperaturwerten, Statistiken und Zukunftsszenarien beschrieben. Am Beispiel eines austrocknenden Gewässer quasi vor der eigenen Haustür bekommen diese Veränderungen plötzlich ein Gesicht.
Es sind die toten Forellen. Es ist das fehlende Wasser. Es sind Menschen, die Kanister füllen und Pumpen laufen lassen, um zu erhalten, was ohne ihre Hilfe möglicherweise bereits verloren wäre. Und es ist ein Lebensraum, dessen Zukunft davon abhängt, ob ausreichend Wasser vorhanden sein wird. Die Dietmair-Teiche machen damit deutlich, dass Trockenheit nicht einfach bedeutet, dass es einige Wochen nicht regnet. Wenn Wasser dauerhaft fehlt, geraten ganze Lebensgemeinschaften unter Druck.
Der Almtaler Fischerclub kämpft derzeit darum, diesen Lebensraum zu erhalten. Wie lange dieser Kampf mit Pumpen, zusätzlichem Wasser und ehrenamtlichem Einsatz gewonnen werden kann, hängt jedoch nicht nur vom Engagement des Vereins ab. Am Ende bleibt eine Frage, die weit über die Dietmair-Teiche hinausgeht: Was passiert mit unseren Gewässern, wenn ein Sommer wie dieser nicht mehr die Ausnahme bleibt?
