26. September 2026
Oberösterreichs Tierschutz steht unter Druck – auch in Vorchdorf und Umgebung. Tierheime berichten von einer Flut an Abgaben, ehrenamtliche Tierrettungen kämpfen mit steigenden Einsatzzahlen und fehlendem Geld. Gleichzeitig scheint die Erwartungshaltung in Teilen der Bevölkerung grenzenlos: Wenn ein Tier Hilfe braucht, soll jemand kommen – sofort. Doch wer ist dieser „Jemand“ eigentlich?
Ein verletzter Vogel sitzt am Straßenrand. Eine Katze wird gefunden. Ein Tier wurde ausgesetzt. Schnell wird zum Telefon gegriffen und eine Tierrettung oder ein Tierschutzverein verständigt. Damit scheint die eigene Verantwortung für manche erledigt. „Ich habe es gemeldet.“ Und damit beginnt die Erwartungshaltung. Nun soll jemand kommen. Möglichst sofort.
Doch hinter vielen Tierrettungen stehen nicht etwa bezahlte Einsatzkräfte, die in einer Dienststelle auf den nächsten Alarm warten. Sondern jemand steht gerade an seinem Arbeitsplatz. Jemand versorgt gerade seine Kinder. Vielleicht war diese Person in der Nacht zuvor bereits wegen eines anderen Tieres unterwegs. Genau diese Person fährt dann mit dem privaten Auto oder einem durch Spenden finanzierten Einsatzfahrzeug los, um diesem Tier zu helfen.
Wenn die Einsätze steigen und das Geld fehlt
Wie angespannt die Situation inzwischen ist, zeigte sich bereits zu Jahresbeginn. Im Jänner berichtete der ORF Oberösterreich über eine außergewöhnlich hohe Zahl an Tierabgaben. Bei der Pfotenhilfe im Innviertel wurden an nur einem Tag 33 Tiere zur Abgabe angemeldet. Auch aus den Tierheimen Linz und Steyr wurde von einer angespannten Situation berichtet. Für Hunde waren bei der Pfotenhilfe zeitweise überhaupt keine Plätze mehr verfügbar. Verschiedenste Tierheime in den Bezirken mussten Aufnahmestopps verkünden, weil es erneut zu einer Flut an Fundtieren, vor allem Babykatzen, kam.
Im Juni machte die ICARA Tierrettung öffentlich, dass die verfügbaren Ressourcen aufgrund stark gestiegener Einsatzzahlen und der Belastung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte gezielter eingesetzt werden müssten. Einsätze mussten eingeschränkt werden. Auch die Wildtierquartiere kamen diesen Sommer durch die anhaltende Hitze und Dürre an ihre Grenzen.
Im September folgte der nächste Hilferuf. Die SOS Tierhelfer Linz berichteten von steigenden Einsätzen bei gleichzeitig einbrechenden Spenden. Die finanzielle Situation sei inzwischen so angespannt, dass die zahlreichen Einsätze nicht mehr alleine gestemmt werden könnten.
Das sind keine abstrakten Warnungen. Wenn einer Tierrettung das Geld für Treibstoff, Fahrzeuge, Ausrüstung oder medizinische Versorgung fehlt, bedeutet das irgendwann ganz konkret: Ein Einsatz kann möglicherweise nicht mehr gefahren werden.
Ehrenamt, aber professionelle Erwartungen
Genau hier liegt eines der großen Probleme im Tierschutz. Von ehrenamtlichen Strukturen werden teilweise Leistungen erwartet, die man sonst nur von professionell finanzierten Organisationen verlangen kann: ständige Erreichbarkeit, schnelle Reaktionszeiten, Fahrzeuge, Treibstoff, Unterbringungsmöglichkeiten, Tierarztkosten, Ausrüstung und Zeit. All das kostet Geld und vor allem braucht es Menschen.
Viele Tierschützerinnen und Tierschützer leisten diese Arbeit zusätzlich zu einem Vollzeitjob. Trotzdem erleben Vereine immer wieder Kritik, wenn Hilfe nicht augenblicklich verfügbar ist. Dabei kann Ehrenamt eines nicht sein: eine kostenlose Rund-um-die-Uhr-Dienstleistung mit garantierter Soforthilfe.
„Da muss sich doch jemand kümmern“
Wer ein verletztes oder hilfloses Tier findet, möchte helfen – aber häufig nur bis zu einem bestimmten Punkt. Natürlich gibt es Situationen, in denen Laien weder eingreifen können noch sollen. Jemand soll kommen, soll das Tier abholen, die Verantwortung übernehmen. Dieser Wunsch ist menschlich verständlich. Doch für Tierschutzorganisationen bedeutet jeder dieser Fälle Arbeit, Zeit und häufig erhebliche Kosten.
Und aus dem anonymen „Jemand“ werden am Ende immer dieselben Menschen, die nach ihrer regulären Arbeit ins Auto steigen, am Wochenende Telefondienst machen, Tiere sichern, transportieren, Pflegestellen organisieren, Tierarztfahrten übernehmen, Spenden sammeln und gleichzeitig versuchen, ihre Vereine finanziell am Leben zu halten. Viele von ihnen machen das nicht gelegentlich, sondern seit Jahren.
Tierschutz beginnt mit jedem Einzelnen
Mitmachen beim Tierschutz ist in vielen Formen möglich: spenden, Mitglied werden, Zeit zur Verfügung stellen – z. B. eine Pflegestelle anbieten, ein gefundenes Tier nach Rücksprache selbst transportieren. Oder schlicht Verständnis dafür haben, dass ein Mensch, der freiwillig und unbezahlt hilft, nicht innerhalb weniger Minuten da sein kann.
Denn was geschieht, wenn Ehrenamtliche irgendwann sagen: Ich kann nicht mehr, die Kosten zu hoch werden, die Tierheimplätze alle voll sind? Dann verschwindet nicht der Bedarf. Wer möchte, dass Tierrettung und Tierschutz zuverlässig funktionieren, muss deshalb auch darüber sprechen, wie diese Arbeit finanziert, organisiert und personell abgesichert werden kann. Auch Gemeinden, Land und Gesellschaft müssen sich die Frage stellen, welche Strukturen notwendig sind, damit Menschen, die Tiere retten, nicht selbst irgendwann am Ende ihrer Kräfte stehen. Der Tierschutz braucht mehr Menschen, die bereit sind, selbst ein Stück davon zu tragen.
Redaktioneller Hinweis: Die Autorin ist selbst in der Tierrettung aktiv. Ein Aufruf an Menschen, die Tieren helfen wollen, findet sich HIER. Der Text wurde teilweise mithilfe von KI redigiert.
