„Engagement will gelernt sein“

18. Juli 2022

Elisabeth Strassmair war 41 Jahre lang an der Volksschule Pamet tätig. 17 davon als Lehrerin und weitere 24 Jahre als Direktorin. Der Job an der  Vorchdorfer Kleinschule war gleich ihre erste Lehrverpflichtung nach Abschluss ihrer Ausbildung. Auch wenn sie zwischendurch kurz auch in anderen Schulen im Bezirk tätig war, kam sie nach ihrer Kinderzeit gern wieder hierher zurück.

Elisabeth Strassmair

Elisabeth Strassmair genießt ihren Kaffee in der Sonne, bevor sie am Nachmittag zu einer spannenden Reise nach Armenien aufbricht.

INVO.report: Wenn wir auf 24 Jahre Leitung einer Kleinschule zurückblicken, was sind die Vor- und Nachteile im Vergleich zu einer Standard-Volksschule mit 12 oder mehr Klassen und einem großen Kollegium?
Elisabeth Strassmair: Meiner Meinung nach gibt es keinen Nachteil von Kleinschulen – außer natürlich, dass die Leitung einer Schule wie Pamet nie eine administrative Unterstützung haben wird und die Wege überallhin weiter sind. Dafür können die Kinder in Pamet jede Pause im Freien verbringen. Zu den großen Vorzügen gehört sicherlich auch, dass man die Schule führen kann wie eine große Familie. Im Kollegium ist man sich schnell einig, man kennt sich untereinander – Kinder, Lehrer*innen, Personal, Eltern –, ist für einander da und schnell auf einer Linie. Durch die Gespräche untereinander wissen alle im Kollegium über die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes Bescheid. So kann optimal auf die Kinder eingegangen werden. Auch die Eltern kennen sich untereinander und unterstützen die Schule nach ihren Möglichkeiten, sei es bei Besuchen im Unterricht, Wandertagen oder Schulfesten.

Was wird Ihnen von diesen vielen Jahren lange in Erinnerung bleiben, als positives Highlight sozusagen?
Eigentlich, dass ich damals überhaupt Direktorin wurde. Schließlich war ich die Dienstjüngste im Kollegium. Mit meinen 38 Jahren war ich damals auch die jüngste Leiterin in Oberösterreich.

Was war dafür ausschlaggebend, „Ja“ zu sagen?
Mit Sicherheit meine Persönlichkeit. Ich gehör zu denen, die schnell in der Führungsriege mitmischen, weil ich einfach gern meine Meinung sage und nicht davor zurückschrecke, Entscheidungen zu treffen. Das war auch beim Roten Kreuz so und bei der Wasserrettung.

Was gehört sonst noch zu den schönen und guten Erinnerungen?
Auf jeden Fall die Schulfeste. Wir haben Musicals, Maibaum- und Schulschlussfeste veranstaltet. Da helfen alle zusammen und jede und jeder bringt sich mit etwas ein, Kolleg*innen, Kinder und Eltern. Wichtig war mir auch immer, dass es den Kolleg*innen gelingt, die Kinder gut auf die weiterführenden Schulen vorzubereiten. Pameter Schüler*innen schneiden immer bestens ab, im Benehmen und in der Leistung, sei es im Gymnasium oder in der Mittelschule. Die Lehrer*innen leisten hier hervorragende Arbeit!

Gab es auch negative Highlights
Ja, schon. Eines war der missglückten Kommunikation zwischen einem ehemaligen Bürgermeister, der Bildungsdirektion und mir geschuldet. Statt einfach im Gespräch eine Lösung zu suchen, wurde gleich offiziell Beschwerde eingelegt. Obwohl es sich um ein Missverständnis und nicht mal einen Fehler seitens der Schule gehandelt hat, hat sich aber weder die eine noch die andere Seite jemals bei mir entschuldigt. Dafür möchte ich aber auch etwas Positives hervorheben: Jahrelang habe ich mich darum bemüht, dass der kleine Standortnachteil von Pamet durch ein erhöhtes Transportbudget für die Schule ausgeglichen wird. Das ist jetzt gelungen.

Als gesellschaftspolitisches Medium interessiert uns natürlich auch, wie man Ihrer Meinung nach Kinder frühzeitig für das Gemeindeleben, für freiwilliges Engagement oder gar für politische Arbeit begeistert?
Das wäre eigentlich recht einfach, bzw. passiert da auch schon viel. Viele Kolleg*innen machen einmal in der Woche ein Kinderparlament oder wie man es auch immer nennt. Jedenfalls lernen die Kinder so von Anfang an ihre Meinung zu äußern. Seitens der Gemeinde müsste man aber die Kinder dann auch in Entscheidungen einbinden. Wenn zum Beispiel ein Spielplatz umgebaut oder neu geplant wird, müsste die Gemeinde aktiv an die Schulen herantreten und mit den Kindern in Diskussion treten. Vielleicht in Form eines Gemeinde-Kinder-Parlaments, bei dem jede Klasse durch ein bis zwei Schüler*innen vertreten wird. Die Ergebnisse könnten dann die Kinder direkt im Sport- und Kulturausschuss präsentieren. Kinder, die mit ihrer Meinung ernst genommen werden und sich gehört fühlen, engagieren sich später sicher leichter.

Nach so vielen Jahren die von Schule und fix vorgegebenen Ferien geprägt waren, welche Pläne gibt es für Ihre Zukunft?
Ich werde mich sicher weiterhin hier und da engagieren. Als Ausbildnerin bin ich immer noch beim Roten Kreuz tätig. Und auch die Schule kann sich melden, wenn ich mal bei einem Wandertag mitgehen soll oder sonst wo gebraucht werde. Aber vor allem freu‘ ich mich, dass ich jetzt auch in der Nebensaison reisen kann. Mitte September steigen wir in unseren Campingbus und fahren Richtung Süden. Außerdem hab ich zwei Enkelkinder, für die ich jetzt mehr Zeit habe als bisher.

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