Die Lilli geht zum Bildungscampus

26. Januar 2024
EduFiction wird real

Lilli ist 9 Jahre alt. Sie geht jetzt nach einem Jahr im Container schon das zweite Jahr ihrer Volksschulzeit im neuen Bildungscampus Vorchdorf ein und aus. Wir schreiben das Jahr 2028.

Im letzten Schuljahr war der Unterricht noch einigermaßen stark vom Baustellenlärm nebenan beeinträchtigt. Schließlich wurde ja nach der Volksschule auch die ganze Mittel- und Landesmusikschule umgebaut. Jetzt ist es ruhiger geworden, und die Qualitäten der umfangreichen Umbauarbeiten beginnen spürbar zu werden, auch für Lilli.

Der Duft der Schule

Was Lilli am besten findet, ist, dass es endlich neue Klos gibt. Denn damals, als sie zur Schuleinschreibung in die alte Volksschule kam, hat sie sich nur gewundert, dass hunderte Kinder auf so heruntergekommene Klos gehen müssen. Jetzt dagegen ist das sogenannte Herz des Bildungscampus mit dem zentralen Eingang ein wirklicher Gewinn. Schön ist das, wenn Lilli in der Früh gemeinsam mit allen anderen Kindern in diesen Glaswürfel strebt, wo es nach frischem Gebäck riecht und schon die ersten Düfte aus der Schulküche dringen. Lilli freut sich heute um halb 8 schon auf das gemeinsame Essen im offenen Zentrum der neuen Schule. Auch wenn es manchmal ganz schön laut und unruhig dort ist – ist ja auch viel los in einer so großen Schule.

Für Mama und Papa ist das jetzt auch irgendwie einfacher mit dem zentralen Eingang. Die wissen plötzlich ganz selbstverständlich, wo die Kinder rauskommen, wenn sie fertig sind. Außerdem ist es schön, nicht direkt auf der Straße zu stehen, sondern noch eine wirklich großzügige Grünfläche vor und hinter der Schule zu haben (auch wenn da alles erst wachsen und gedeihen muss), auf der alle spielen können. All das trägt etwas dazu bei, dass die Schule gleich viel freundlicher und offener wirkt.

Was nicht ist, kann ja noch werden

Schade findet Lilli, dass es keine gemeinsame Bibliothek gibt. Schließlich liest die fast 10-Jährige richtig gut und würde sich schon gern den Percy Jackson ausleihen, den es aber nur in der Bibliothek der Mittelschule gibt. Mhm, kann man nichts machen, vielleicht klappt das beim nächsten Schulumbau. Wer weiß, vielleicht fangen die Lehrerinnen und Lehrer von Volks-, Mittel und Landesmusikschule ja noch viel mehr miteinander zu reden an und starten das eine oder andere neue Kooperationsprojekt. Weil voneinander könnten die auch noch eine Menge lernen, meint Lilli. Schließlich sind die Volksschullehrer*innen richtig gut im Umgang mit Verschiedenheit. Und die Mittelschullehrer*innen können bestimmt eine Menge in Sport, Musik und Englisch, wovon die anderen profitieren würden.

Und das mit den „Marktplätzen“ muss sich auch erst richtig einspielen. Manche Lehrer*innen wissen noch nicht so recht etwas mit den vielen freien Flächen zwischen den Klassen anzufangen. Dafür, dass der Platz nur in den Pausen genützt wird, ist er aber auch zu schade. Lilli würde sich wünschen, dass sie dort öfter mit ihrer früheren Kindergartenkollegin aus der 4b zusammenarbeiten kann. Die beiden sind begeisterte Freeriderinnen und träumen schon ewig davon, ein gemeinsames Referat vorzubereiten und dann vor beiden Klassen zu präsentieren.

Aber das wird schon alles noch, ist Lilli sicher. Nur wird’s noch ein bisserl dauern.

Zurück ins Hier und Jetzt

Der Bildungscampus – die Idee dazu ist 2011/2012 entstanden – wird endlich Realität, so sieht es jedenfalls aktuell aus, und alle Beteiligten engagieren sich sehr, dass es diesmal auch wirklich klappt. Natürlich sind noch viele Fragen offen. Zum Beispiel die, wie teuer dieser Bau werden wird. Nachdem ein Einreichplan steht, können erste Ausschreibungen gemacht werden. Die Finanzierung eines derartigen Großprojekts ist ganz schön kompliziert. Je nach Gemeindestruktur und Größe gibt es eine Landesfinanzierung von 37-39%, dazu kommt dann noch eine Extraförderung in Höhe von 20% des Auftragsvolumens. Die grob 40%, die danach noch übrig bleiben, müssen zu einem Drittel von der Gemeinde getragen werden. Nachdem die Gemeinde schon lange Rücklagen für den Bildungscampus bildet, wird sich das hoffentlich mit einigen Sparmaßnahmen im aktuellen Jahr ausgehen. Was der Gemeinde wehtut wie allen anderen Häuselbauern auch, ist neben den gestiegenen Baukosten vor allem das hohe Zinsniveau, das die Rückzahlung von Krediten teuer macht.

Anfangs war noch die Rede von einem inklusiven Bildungscampus. Das Wort „inklusiv“ ist im Prozess leider irgendwann einfach verschwunden. Auch der Entwurf zum neuen Bildungsgebäude mitten im Ort hat viele Etappen und Gespräche mit den Entscheidungsträger*innen beim Land hinter sich. Fläche wurde durch diese vergangene Zeit, gestiegene Einwohner*innen-Zahlen und zum Teil zähe Verhandlungen jedenfalls dazugewonnen. Fast ein Drittel mehr steht dem Umbau im Gegensatz zu einem Neubau zur Verfügung. Auch das kommt Kindern wie Lilli zu Gute.

Und eines ist gewiss: Es wird trotz allen Ängsten und Befürchtungen, die es vielleicht da und dort gibt, großartig und viel besser als alles, was bisher da war.

 

 

3 Gedanken zu „Die Lilli geht zum Bildungscampus

  1. Albert Sprung

    Ob wir das Projekt in Vorchdorf nun „Schulneubau“ oder die Errichtung eines „Bildungscampus“ nennen, ist grundsätzlich ohne Belang. Diese Diskussion sollte nicht von der Dringlichkeit einer zeitnahen Umsetzung ablenken. Immerhin warten wir schon über 10 Jahre auf die Umsetzung. Die Schülerinnen und Schüler brauchen dringend eine verbesserte und moderne Lernumgebung, die sowohl ihre Lern- als auch sozialen Bedürfnisse erfüllt.

    Die bisherigen Verzögerungen dieses Projekts führen jetzt schon zu langfristigen Nachteilen für die Lernenden. Die Kosten haben sich bereits massiv erhöht und das Vertrauen der Bürger in die Durchführungskompetenz der Gemeinde-Spitze ist gänzlich verloren gegangen. Es ist daher wichtig, dass die verantwortlichen Entscheidungsträger – allen voran der Dorfoberste – konkrete und realistische Zeitpläne festlegen und sich auch strikt an diese halten, um den Schülerinnen und Schülern in Vorchdorf so schnell wie möglich eine verbesserte Bildungsumgebung zu bieten.

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  2. Bettina Hutterer

    Das große Projekt BILDUNGSCAMPUS geht in nun wieder größeren Schritten Richtung Realisierung, das freut mich, begleitet es mich doch in der politischen Arbeit auch schon seit mehr als zehn Jahren.
    Ich sehe es nicht NUR als Schulneubau, bzw. besser gesagt -umbau, denn große Teile bleiben in ihrer Grundstruktur erhalten, was nicht nur Nachteile hat, wenn ich z.B. an die Größe von Klassenräumen denke. Dahingehend wurde intensiv verhandelt die letzten Jahre, so die Architekten.

    Neben der „Hardware“ hat sich in der „Software“ des Schulzentrums laufend etwas getan, neben allen möglichen erschwerten Bedingungen was Räume, Zeitkapazität und Personal betrifft. Viele Synergien sind in den letzten Jahren entstanden, wenn ich an Musikklassen in Kooperation mit der Landesmusikschule denke, an schulstufenübergreifendes Lehrpersonal, an die Zusammenarbeit mit Vereinen in der Nachmittagsbetreuung, an die Anknüpfung ans Otelo mit neuen Technologien und Bildungsprojekten (3D-Druck-Labor und Future Space,…), die auch Firmen als Kooperationspartner ins Gebäude holt.

    Nun geht es daran, dem Ganzen eine neue Hülle zu geben, mit einem neuen Herz und neuen Raumqualitäten, die das kooperative Arbeiten im Schulzentrum weiter unterstützen und vorantreiben.

    Ich denke Lilli hat bereits vom kooperativen Arbeiten profitiert und kann sich so besser auf die bevorstehenden Veränderungen einlassen.

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  3. Albert Sprung

    Errichtung eines „BildungsCampus“, oder doch einfach nur Schulneubau?

    Es ist sehr zu begrüßen, dass endlich Bewegung in den Neubau der Schule in Vorchdorf kommt. Diese Thematik war mir und uns immer ein sehr großes Anliegen. Dementsprechend wurde das auch von uns gepusht. Jetzt zeigt dieser Druck Wirkung, und es scheint, dass 2025 der Neubau beginnt und über einen Zeitraum von zwei Jahren rechtzeitig 2027 vor der nächsten Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl fertiggestellt werden soll.

    Aber es soll nicht nur die Schule neu gebaut werden, sondern die Ziele sind noch viel größer. Es soll gleich ein „BildungsCampus“ errichtet werden. Und wenn das gelänge, wäre das ja sehr erfreulich.

    Aber was macht einen „Bildungscampus“ aus, wie wird dieser definiert:
    1) Es werden mehrere Bildungsstufen oder -richtungen angeboten (z.B. von der Grundschule bis zur Oberstufe oder berufsbildende Schulen).
    2) Es werden zusätzliche Einrichtungen und Dienstleistungen bereitstellt, die über den klassischen Schulbetrieb hinausgehen (z.B. Bibliotheken, Forschungseinrichtungen, Sportanlagen).
    3) Es besteht ein hohes Maß an Interdisziplinarität und Vernetzung zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen und externen Partnern, wie Unternehmen.

    Da gibt es also noch jede Menge zu tun, soll der Schulneubau dem Begriff „BildungsCampus“ gerecht werden. Ansonsten ist es „nur“ ein Schulneubau und der Begriff „BildungsCampus“ nur eine Worthülse.

    Aber ehrlich gesagt: Ich bin auch sehr zufrieden, wenn jetzt endlich einfach nur die Schule neu errichtet wird. Das wäre ja schon mal ein großer Schritt.

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