„Neubeginn bei fast Null – aber ich werde das schaffen.“

19. Mai 2021

Die Gastronomie gehört zu den am schwersten von der Covid-19-Pandemie getroffenen Bereichen. Die heutige Öffnung ihrer Betriebe – unter immer noch erheblichen Auflagen – haben die Gäste lange herbeigesehnt. Wir haben Vorchdorfer Wirt*innen gefragt, wie es ihnen ergangen ist und wie sie die momentane Situation sehen.

Ab heute wieder vom Fass: Wirte öffnen auch in Vorchdorf. (Foto: MarkoGrothe/Pixabay)

Zwischen 45 und 80 Prozent Umsatzrückgang seit dem ersten Lockdown im März 2020 mussten die Betriebe in Vorchdorf verkraften. Etliche nahmen die Möglichkeit wahr, die Einbußen durch Liefer- bzw. Abholangebote abzumildern. Das hat dort deutlicher geholfen, wo dieser Geschäftszweig schon vorher bestand. Von Ausnahmen abgesehen, haben die Befragten vor, auch zukünftig diese Serviceleistungen zu erbringen.

Personalstand gehalten!

Die staatlichen Hilfen scheinen bei den befragten Häusern gegriffen zu haben. Vor allem das Kurzarbeitsgeld habe geholfen, dass vom Personal niemand entlassen werden musste. Auch mit Ausfallbonus und Überbrückungskredit zeigt man sich zufrieden. Umsatzverlust, Planungsunsicherheit und Verlust der unternehmerischen Freiheit sind dennoch unangenehm spürbar geblieben. Als bitter wird es bezeichnet, einen Betrieb schließen zu müssen, der vorher praktisch nie geschlossen war. Hierin unterscheiden sich auch alteingesessene nicht von relativ jungen Unternehmen, von denen ebenso zu hören ist: „Das tut sehr weh.“

Insgesamt ist z. B. auch die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen wegen der beruflichen Unsicherheit eine Bedrohung für die Wirt*innen. Langfristige Verträge mit Lieferanten stehen auf dem Spiel – aber: man wird wieder öffnen, wenn auch den Gästen derzeit noch hier und da Flexibilität abverlangt wird, ebenso wie den eigenen Arbeitsroutinen.

„Der Lockdown war notwendig. Was wäre sonst noch alles passiert?“ – so fügt man sich ins Unvermeidliche. Aber auch der „Verlust der Perönlichkeitsrechte“ wird beklagt. Coronaleugner finden sich jedenfalls nicht unter den Befragten.

Appell an die Bevölkerung

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gibt es aber auch den Wunsch, dass die Bevölkerung „mehr Unterstützung und positive Stimmung gegenüber unserer Branche entwickelt. Wenn die Eltern weiterhin ihren Kindern ausreden, Koch oder Kellner werden zu wollen, dann wird kein Weg mehr an noch mehr Systemriesen vorbei führen.
 Es wird nicht funktionieren, wenn alle Sonntag mittagessen gehen wollen, es aber nicht toll finden, wenn die Freundin Sonntag arbeiten muss.“

Ähnlich wie die Vorchdorfer Wirt*innen sieht der oberösterreichische Wirtesprecher Thomas Mayr-Stockinger die Lage. „Er hofft, dass dies der letzte Lockdown war, nun gehe es für die Gastwirte darum, die erste Phase durchzustehen bis 1. Juli, wenn wieder ‚Normalität angekündigt ist‘, ohne Beschränkungen bei Sperrstunde und Platz.“, sagte er dem ORF Oberösterreich vor zwei Tagen. Bis dahin sei es für die Betriebe schon eine Erleichterung, wenn alle Gäste korrekt getestet kommen.
(Hier die offiziellen Coronaregeln für die Gastronomie ab 19. Mai)

Zu unserer Umfrage

Mittels Fragbogen haben wir alle Vorchdorfer Gastronomiebetriebe angeschrieben. Trotz Zusicherung der Anonymität der Antworten hat nur ein Teil davon geantwortet, das dafür sehr offen und ausführlich – herzlichen Dank! Die Gründe für die Absage lagen vorwiegend in Arbeitsüberlastung und Sorge um betriebliche Daten.

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