„Vorchdorf hat vieles richtig gemacht“

22. Mai 2021

Mario Hayder von den Regioplan Ingenieuren Salzburg ist der neue Ortsplaner für Vorchdorf – und sorgt unter anderem für die Umsetzung und Einhaltung des Örtlichen Entwicklungskonzeptes. Der INVO.report hat mit ihm über sein Bild von Vorchdorf und seine Prioritäten gesprochen.

Nach langen Jahren der Zusammenarbeit mit dem Gmundner Büro Hinterwirth hat Vorchdorf seit kurzem einen neuen Ortsplaner: Mario Hayder vom Büro Regioplan Ingenieure Salzburg der als einer von vier Bewerbern für diesen Dauerauftrag den besten Eindruck beim Hearing hinterlassen hat. Umgekehrt hat auch Vorchdorf einen guten Eindruck auf den Planungsfachmann gemacht: „Vorchdorf hat in der Vergangenheit vieles richtig gemacht“, stellt Mario Hayder seinem neuen Auftraggeber ein gutes Zeugnis aus. „Als ich den Ort vor zehn Jahren besucht habe, war im Ortszentrum weniger los als heute.“

Wohnen bringt Leben ins Zentrum

Wie vital ein Ortskern ist, ist einer der zentralen Punkte in der Arbeit eines Ortsplaners, die Hayder so beschreibt: „In einem Siedlungsraum gibt es verschiedene Funktionen und Interessen, vom Wohnen und Arbeiten über die Freizeit bis hin zur Erholung im Grünen. Diese Funktionen muss man so gut wie möglich organisieren, damit sie sich nicht in die Quere kommen.“
Gerade das sieht Hayder in Vorchdorf ziemlich gut gelöst. Etwa mit dem großen Gewerbegebiet nördlich der Autobahn, das frei von Konflikten mit lärmgeplagten Anrainern funktioniere. Auch für die Einkaufsmeile an der Neuen Landstraße hat der Ortsplaner Verständnis: „Das versorgt ja nicht nur Vorchdorf allein.“
Was nicht bedeutet, dass Hayder blind für Bodenversiegelung und Zersiedelung wäre. Es sei ganz wichtig, das Wohnen so weit wie möglich ins Zentrum zu bekommen, sagt er. Nur dann könne ein Zentrum lebendig bleiben, weil die Einkaufsmöglichkeiten und die Schauplätze des Dorflebens fußläufig erreichbar seien. Einen großes Vorchdorfer Plus sieht Hayder auch in der doppelten Bahnanbindung.

Nachverdichtung statt Neubaugebiet

Als gelernter Raum- und Landschaftsplaner achtet Hayder prinzipiell darauf, möglichst wenig Grünland für Neubauten zu opfern, sondern es stattdessen bestmöglich zu sichern. Was er sehr begrüßen würde, wäre die gesetzliche Verankerung des Ausgleichsprinzips, wie es in Deutschland praktiziert wird: Jede ökologische Verschlechterung an einem Ort muss durch eine gleichwertige Verbesserung an anderer Stelle kompensiert werden. Nachverdichtung („aber nicht um jeden Preis“) und die Nutzung von Leerstand haben für Hayder Vorrang vor dem Neubau. Auch wenn er weiß, „dass lieber auf der grünen Wiese gebaut wird, weil es billiger ist, als in Bestand zu investieren.“
Das für Hayder maßgebliche Papier ist das kürzlich fertiggestellte Örtliche Entwicklungskonzept mit einer Gültigkeitsdauer von 15 Jahren. Dass es noch mit Vorgänger Hinterwirth erarbeitet wurde, ist kein Problem: „Es geht ja trotzdem jedes Projekt über unseren Schreibtisch.“ Und dabei wird es weniger auf seine architektonische Qualität geprüft. Sondern vielmehr darauf, „wie es sich zu seiner Umgebungsstruktur verhält und sich in das Orts- und Landschaftsbild einfügt.“

Mario Hayder ist einer der beiden Geschäftsführer von Regioplan Ingenieure in Salzburg. Er hat Landschaftsplanung und Landschaftspflege an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert und sich schon während seines Studiums auf Raumplanung fokussiert. In seiner Arbeit versteht er sich nicht zuletzt als Drehschreibe zwischen Kommune und Bürger*innen mit Umwidmungswünschen.

Ein Gedanke zu „„Vorchdorf hat vieles richtig gemacht“

  1. Johannes Huemer

    Guten Tag!

    Ich bin gerade dabei, ein kleines Grundstück von „Wohngebiet“ auf „Dorfgebiet“ umwidmen zu lassen.

    Es ist mir klar, dass die Gemeinde aus Kostengründen die Ortsentwicklung/-planung auslagert und mit der in Rechnungstellung dieser Änderung nichts zu tun hat, aber dass für eine „farbliche“ Änderung am Widmungsplan vom Ortsplaner eine ½ Arbeitswoche über Techniker/Planer in Rechnung
    (1. Teilrechnung!!!!!!) gestellt wird, ist meiner Meinung maßlos überzogen.

    Mir ist klar, dass hierfür Schriftverkehr mit Gemeinde / Land OÖ / (eventuell Naturschutz) /…
    anfällt. Ich weiß auch nicht, wie das in anderen Gemeinden üblich ist, aber ich fühle mich trotzdem abgezockt.

    (Es macht auch anscheinend keinen Unterschied, um welche Art der Umwidmung bzw. ob es sich um 1ha oder 1000m2 handelt. Es scheint so, dass für private „KLeinprojekte“ eine Einheitsrechnung ausgestellt wird. (Anm. meinerseits)).

    JH

    PS: dies soll absolut nicht als Kritik an die Mitarbeiter in der Bauabteilung der Gemeinde Vorchdorf verstanden werden – diese waren sehr behilflich und entgegekommend !!!!!!!!!!!!!!!

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