Klimaschutzprojekte: Vorchdorf gibt Gas, das Land blockiert

25. Mai 2021

Wenn es um nachhaltige Energieprojekte geht, zählt Vorchdorf ohne Zweifel zu den Pionierorten in Oberösterreich. Doch ausgerechnet das Kostendämpfungsprogramm des Landes bremst den Elan der Gemeinde mitunter ein.

Die Photovoltaikanlagen von Freibad, Mittelschule und Kläranlagen schlagen in der Ökobilanz der bald endenden Ära von Bürgermeister Gunter Schimpl unbestritten auf der Habenseite zu Buche. Ebenso wie die jüngst realisierte nachhaltige Notstromversorgung der Freiwilligen Feuerwehr in der Schart, die verdienterweise auf großes mediales Echo stieß. Motor der Entwicklung ist die Energiegruppe Vorchdorf. Auf deren Konto geht auch das elektrische Lastenrad, das sich alle Vorchdorfer*innen unentgeltlich ausleihen dürfen. Um Ideen für nachhaltige Energieprojekte ist das Kollektiv nicht verlegen. Doch trotz voller Unterstützung der Gemeinde lässt sich Manches nicht realisieren.

Sparen am Klimaschutz

Beispiel: Kindergarten und Krabbelstube in der Fischböckau, die man am liebsten in Passivhausbauweise realisiert gesehen hätte. Ohne Heizung also, die es in einem Passivhaus der exzellenten Dämmung wegen bekanntlich nicht braucht. Die vorbildliche Energierechnung hatte man indes ohne den sprichwörtlichen Wirt gemacht – im vorliegenden Fall das Land Oberösterreich mit seinem Kostendämpfungsprogramm für die Kommunen: ein Programm, das so mancher Gemeinde den Weiterbetrieb des kommunalen Schwimmbades und eben auch eine Reihe ambitionierter Bauprojekte unmöglich macht. Und so wurde der Kindergarten in der Fischböckau energetisch nicht auf höchstem, sondern auf hundsnormalem Standard gebaut, und notgedrungen mit einer Erdgasheizung versehen – ökologisch ein Auslaufmodell.

Dafür und doch dagegen

Klimalandesrat Stefan Kaineder zeigt sich davon wenig begeistert: „Gerade beim Bau mit öffentlichen Mitteln wie Kommunalbauten oder auch dem geförderten Wohnbau müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass klimaschonendes oder klimaneutrales Bauen die Zukunft ist. Dazu müssen wir die Förderinstrumente aber generell auf den Klimaschutz ausrichten. Weg von Billigstbieterprinzip hin zum Bestbieterprinzip. Immer unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit.“
Auf die paradoxe Situation angesprochen, dass das Land Oberösterreich durch Sparprogramme den Klimaschutz verhindert, den es gleichzeitig propagiert, sagt Kaineder: „Wir müssen endlich weg von der Ankündigungspolitik, den Lippenbekenntnissen und den unzähligen Strategiepapieren, hin zu wirksamen Maßnahmen und gesetzlichen Vorgaben, damit wir beim Klimaschutz endlich in die Gänge kommen. Dass Oberösterreich gemäß aktueller Darstellung von Global 2000 die höchsten Pro-Kopf-Emissionen an CO2 im Bundesvergleich hat, sollte uns jetzt in Alarmstimmung versetzen.“

 

 

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