Moschee-Neubau: Gerüchteküche ohne Nährwert

8. Juni 2021

Der stattliche Rohbau schräg hinter dem neuen Billa/Bipa an der Neuen Landstraße – die Baustelle der Vorchdorfer Moschee – wirkte zuletzt mitunter ausgestorben. Baustopp wegen zu großer Höhe? INVO.report ist entsprechenden Gerüchten nachgegangen.

Moschee-Neubau Vorchdorf

Markant, aber errichtet wie bewilligt: Die neue Vorchdorfer Moschee gut vier Monate vor Eröffnung (Foto: INVO.report)

Eine Leserzuschrift machte den INVO.report aufmerksam: Der Moscheeneubau nahe dem Friedhofskreisverkehr sei viel zu hoch; das sehe man. Anrainer hätten auch bemerkt, dass ein Geschoss mehr errichtet worden sei, als bewilligt war. Eine Nachfrage bei der örtlichen FPÖ, die den Neubau schon vor Jahren vehement abgelehnt hatte, ergab: Dort hat man zwar ebenfalls davon gehört; es habe angeblich sogar geheißen, die Asfinag hätte sich wegen der Bauhöhe in unmittelbarer Nähe der Autobahn quergestellt, aber mehr als eben dieses Gerücht wisse man auch nicht.

Vizebürgermeister Alexander Schuster (FPÖ), zugleich Mitglied im Bauausschuss, konnte immerhin Eines zur Aufklärung beitragen: Die Höhe und die Anzahl der Geschosse entspricht der Baubewilligung des Bürgermeisters als Baubehörde erster Instanz. Von Einsprüchen oder einem eventuell gar verfügten Baustopp ist ihm nichts bekannt. Letzteres bestätigt auch das Marktgemeindeamt.

Ein Grund für den Verdacht des vermeintlich überzähligen Geschosses liegt eventuell in der uneindeutigen Mitteilung, es handele sich um einen „zweigeschossigen“ Bau. Diese Formulierung geisterte im Zuge des Grundstücksverkaufs der Gemeinde an die Projektanten durch die Meldungen. Ein „zweites“ Obergeschoss war aber von Anfang an in den Plänen vorgesehen und wurde auch so bewilligt.

Eröffnung der Moschee für Oktober geplant

Auch der Islamische Kulturverein Vorchdorf (IKV) weiß nichts von einem Einwand der Asfinag. Der Autobahnbetreiber habe ja als Partei an der Bauverhandlung teilgenommen. Der Projektverantwortliche des IKV vermutet, dass es die Arbeiten der momentanen Bauphase sind, die den Eindruck eines Stillstands erweckt hätten.

Derzeit findet – weitgehend in Eigenleistung – der Innenausbau statt: in der laufenden Woche zum Beispiel Spachtel- und Malerarbeiten. Und bedingt durch die Corona-Pandemie habe es Verzögerungen bei einigen Materiallieferungen gegeben. Man sei aber insgesamt im Plan und werde die Moschee voraussichtlich im Oktober eröffnen. In dieser Zeit ist auch wieder ein Tag der offenen Moschee für die ganze Bevölkerung, diesmal am neuen Standort, vorgesehen.

Der Moschee-Neubau hatte im Jahr 2017 im Gemeinderat und z. B. auf Facebook hohe Wellen geschlagen. Die FPÖ befürchtete die Entstehung eines überörtlich ausstrahlenden islamistischen Zentrums und forderte eine Volksbefragung. Den Verkauf des gemeindeeigenen Grundstücks an den IKV lehnten die Freiheitlichen ab, scheiterten aber mit Beidem an der Mehrheit der anderen Fraktionen im Gemeinderat. Diese begründeten den Beschluss vor allem damit, der Moscheebetrieb bestehe ohnehin seit Langem in der Messenbacherstraße; die Übersiedlung böte nur Vorteile, weil Versammlungen zukünftig nicht mehr im Wohngebiet stattfänden.

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