Legal, illegal, Silvesterknall

17. Jänner 2022
Kommentar von Florian Sedmak

An Silvester scheiden sich die Geister schon seit Langem: Die Kritik an Völlerei und Knallerei ist annähernd so wohlabgehangen wie der Brauch, sich zum Jahreswechsel zu besaufen, zu überfressen und zum Leidwesen von Tieren und sensibleren Zeitgenoss*innen unter kräftigen Detonationen einen mehr oder weniger großen Batzen Geld als buntes Lichterspektakel in die Luft zu jagen – was vor allem Männer tun und wiederum laut einer interessanten wissenschaftlichen These an der strukturellen Parallelle zwischen Feuerwerk und männlicher Sexualität liegen könnte.

Vorher/nachher… Symbolfoto rechts: meineresterampe/pixabay

Wie dem auch sei: Auch die Silvesterfeiern von 2021 auf 2022 waren wieder vom Abbrennen verschiedenster Feuerwerke begleitet. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren konzentrierte sich der nächtliche Gefechtslärm auf Mitternacht, statt sich wie früher von der Dämmerung bis in die frühen Morgenstunden zu ziehen. Und das obwohl der Nachthimmel diesmal nicht wie meist nebelverhangen, sondern klar war.

Optimist*innen mögen darin einen gesellschaftlichen Entwicklungsschritt erkennen. Vielleicht liegt es aber, wie manche Vorchdorfer*innen mutmaßen, auch an einer gewissen Übersättigung, gibt es doch bei jeder besseren Hochzeit in der Eggenberger Brauerei und der Kitzmantelfabrik ein Feuerwerk zu sehen (und zu hören) – im Sommer also gefühlt jedes zweites Wochenende.
Pessimist*innen hingegen könnten erwidern, dass es dafür um die Aufräummoral schlechter bestellt sei als früher: Während es bis vor einigen Jahren noch üblich war, die Überreste der nächtens abgeschossenen Feuerwerkskörper nach dem Ausschlafen und dem Neujahrskonzert von den angrenzenden Liegenschaften zu klauben, bleibt heutzutage das Meiste liegen – siehe Foto oben.

Dass sie in Vorchdorf bereits mit dem Feuerwerksabbrennen an sich vorschriftswidrig handeln, dürfte der Mehrheit der Hobby-Pyrotechniker*innen nicht bewusst bzw. egal sein: Die Silvesterknallerei ist vom Bürgermeister nämlich nicht dezidiert gestattet (und somit verboten), wird aber aus pragmatischen Gründen geduldet. Stillschweigend und sehr österreichisch. Dass dadurch der Respekt vor Vorschriften allgemein ebenso schwindet wie das Vertrauen in staatliches Handeln, nimmt man in Kauf.

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