Wie ukrainische Kinder in Österreich lernen

5. April 2022
Reportage von Susi Windischbauer

Wir alle stellen uns das vermutlich ähnlich vor: Kinder fliehen aus dem eigenen Land mit der Mama, mit älteren Geschwistern, vielleicht auch mit Oma und Opa. Sie kommen in eine für sie völlig neue Umgebung. Nichts ist mehr, wie es war. Die Freunde in der Klasse fehlen, die Angst um den Papa ist allgegenwärtig, die Sprache versteht man nicht. Alles in allem ist es sch*, auch wenn es hier viele nette Menschen gibt, die einen anlächeln, die Dinge herschenken oder ihr Haus teilen.

Vieles stimmt vielleicht an diesem Bild. Einiges aber auch nicht. Ob in Laakirchen, Vorchdorf (derzeit 10 Kinder in der Mittelschule, 1 in der Volksschule), Pettenbach oder Eberstalzell – die Situation ist überall ähnlich. Nicht wenige der Kinder, die gerade in Österreich stranden, haben tagtäglich Unterricht, und zwar von und mit ihren ukrainischen Lehrer*innen. Keiner weiß, wie lange der Krieg noch andauern wird. Deshalb versuchen alle Beteiligten, den Unterricht für diese Kinder aufrechtzuerhalten.

Ein paar wenige sitzen noch in den ukrainischen Klassen, alle anderen sind von hier aus per Bildschirm dabei. Mehrere Stunden wird hier jeden Tag gelernt, es gibt Prüfungen und Tests. Unvorstellbar, was Kinder und Lehrer*innen leisten. Für viele ist es vielleicht auch ein Stück Normalität, das bleibt und vertraut ist. Nicht zuletzt geht es bei manchen auch um einen Abschluss, welcher Klasse auch immer.

Österreich sieht für alle diese Kinder eine Unterrichtspflicht vor. Zum Glück sitzen aber auch in vielen Ämtern Menschen, die sich Gedanken machen und deren Ziel eine optimale Lösung für jedes Kind ist. Rundherum wird deshalb im Moment händeringend versucht, für die Kinder eine gute Variante von Schule zu kreieren. Die Chance, Deutsch zu lernen, sollten sie schließlich jedenfalls bekommen.

Den ukrainischen Unterricht will man ihnen aber auch nicht verwehren. Materialien werden über die Schulgrenzen hinweg ausgetauscht, es wird kopiert, laminiert und Material gebastelt – man will schließlich gut vorbereitet sein. Ukrainische Lehrer*innen und österreichische Direktor*innen halten Videokonferenzen ab, um sich abzustimmen. Die Lösungen reichen von stundenweiser Anwesenheit, Online-Sessions mit der ukrainischen Lehrerin via Zoom zwischendurch bis hin zu völligem Aussetzen der Schulpflicht bei uns vor Ort.

Was bleibt: Menschen, die Unglaubliches zustande bringen. Von ganz Klein bis ganz Groß!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.