M.a.D. #3: Nein, so sind wir nicht!

7. April 2022
Meinung am Donnerstag

Schon sehr bald wird der einprägsame Sager unseres HBP van der Bellen drei Jahre alt sein. Es war am 21. Mai 2019, als sich der Präsident angesichts von Straches Gelalle auf einer spanischen Ferieninsel mit dem Brustton der Überzeugung an sein Volk wandte: „Nein, so sind wir nicht“.

So, so. Das dachte sich wohl so mancher Adressat, mich eingeschlossen. Kaum jemandem war damals bekannt, wie lange Chats im Ernstfall aus unseren elektronischen Lieblingsspielzeugen auslesbar sind. Nachdem wir zwischenzeitlich aber auch das erfahren haben und im Wissen der unzähligen Botschaften, die unsere politische Elite so getippt hat, nehme ich mal an, dass der oberste Österreicher die Politiker*innen mit seinem legendären Spruch nicht gemeint hat.

Und Linz ist auch nicht so

Als der Linzer Tourismusverband die Stadt im Sommer des Vorjahres mittels Werbevideo ziemlich provokant präsentiert hatte, schrien die Landeshauptstädter*innen sofort ein „Nein, so sind wir nicht!“ weit über die Stadtgrenzen hinaus. Quasi die gleiche Reaktion gibt es, seit eine wirklich lausige SOKO Linz, trotz bekannter Hauptdarstellerin, das Fernsehen am Dienstagabend nahezu unerträglich macht und die Stadt mehr als verzerrt präsentiert.

Und was ist mit uns Vorchdorfern?

In den letzten Jahren hat der Markt voller Leben etwas geschafft, wofür PR-Berater sehr hart arbeiten müssten. Unser Ort ist medial definitiv wahrnehmbar. Vorchdorf findet sich in schöner Regelmäßigkeit in den Gazetten wieder, der Ort hat eindeutig an Bekanntheit zugelegt. Ob es der Ein-Euro-Grundstücksdeal ist, das nicht fertig gedachte Projekt eines Pool-Hotels, eine im Vergleich zur Nachbarschaft deutlich überteuerte Verabschiedungshalle, aktuell das Geheimprojekt einer ampelgeregelten Autobahnabfahrt, das Ärzte-/Gesundheits-/Was-auch-immer-Zentrum oder dieser Tage die Klagsandrohung der Gemeinde gegen einen ihrer eigenen Vorstände sowie eine Aufsichtsbeschwerde wegen eines angeblichen Schwarzbaus eines Schwarzen.

Unabhängig vom eigentlichen Thema – eine Botschaft zieht sich wie ein roter (oder besser schwarz-oranger?) Faden durch alle Berichte: In Vorchdorf streitet man ständig, in Vorchdorf wurden (und werden) Entscheidungen in einer, sagen wir es einmal diplomatisch, eher eigenwilligen Art und Weise getroffen, in Vorchdorf werden in einer konsequenten Regelmäßigkeit Projekte zu einem Bauchfleck – wenn nicht politisch, dann zumindest finanziell (gerne aber auch beides zusammen), zwischenzeitlich sogar gerichtlich.

Das sture Festhalten an nachweislich verfehlten Projekten der farblich unveränderten, aber doch neuen obersten Verantwortungsträger, kombiniert mit dem überwiegend blinden Hintennachdackeln der alternativen Farben und das durchaus schmerzhafte und zwischenzeitlich anstrengende „Finger in die Wunde legen“ der politischen Neulinge führt zu einer Mixtur, die nur Stillstand und negative PR bedeuten kann.

Sind wir Vorchdorfer denn wirklich so?

Auch wenn ich kein hiesiges Original bin, als Einwohner sage in es hier in aller Deutlichkeit: Nein, so sind wir Vorchdorfer nicht!

Ja, wir könnten sowohl ein Boarding House als auch ein Hotel brauchen, aber wir haben nix zu verschenken und brauchen auch keinen Pool in Schutzgebieten!
Ja, wir könnten unseren Standortvorteil nützen und ein interessanter Hub für definierte, hochwertigere Gewerbeflächen werden, nicht aber für fantasielose, übergroße Lagerhallen als LKW-Magneten mit low-salary-Jobs!
Ja, unsere Gemeinde könnte sich endlich aktiv um eine Belebung des Ortskerns bemühen!
Ja, unsere Gemeinde soll wieder leistbaren Wohnbau schaffen, aber mit praktikablen Verkehrsanbindungen.
Ja, unsere Gemeinde soll weniger ankündigen, aber dafür endlich mehr Konkretes umsetzen.
Ja, unser Gemeinderat soll endlich wieder mehr an einem Strang ziehen und gemeinsame Visionen entwickeln.
Ja, wir sind gegen diesen Stillstand, der nicht bis zur nächsten Wahl dauern darf!
Ja, ein Bürgermeister darf Ideen auch aufgreifen, wenn sie vom politischen Mitbewerb kommen und soll sich dann für die Umsetzung möglichst viele in sein Boot holen.

Also, Herr Bundespräsident, Ihr Chauffeur soll Sie doch mal für eine Rauchpause wecken, wenn Sie an unserer Autobahnabfahrt vorbeikommen und dann zu Ihnen sagen: „Nein, so sind die Vorchdorfer nicht!“.

Einen schönen Donnerstag
wünscht Alfred E. Neumann

Redaktioneller Hinweis:
Wieder einmal wurde diese Kolumne von Geschehnissen eingeholt, die erst heute öffentlich aufgeschlagen sind. Eine angeblich rechtswidrige Widmung. Hier ist der Bericht der Kronenzeitung von heute.

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