Vorchdorfer Sommergespräch #2: Tom Edtmeier – ein Geradliniger mit Ecken und Kanten

2. August 2022

Wir treffen Tom Edtmeier für unser Sommergespräch „auf neutralem Boden“ in seinem heutigen Wohnort Kirchham. Man kann wohl sagen, er hat in seiner aktiven Zeit polarisiert; eines aber hat er immer getan: seine Meinung konsequent und engagiert vertreten. Was einige vielleicht nicht wissen: Edtmeier war zwar in unterschiedlichen Funktionen für die FPÖ tätig, aber in der Ausübung politischer Ämter stets parteifrei. Es war ein wirklich spannendes Gespräch über knapp 2 Stunden – zu lange für den hier zur Verfügung stehenden Platz. Ein Interview mit einem Ex-Politiker, dem man anmerkt, dass er sich viele Gedanken rund um die Ortspolitik macht.

Tom Edtmeier, im Anschluss an eine Rede

INVO.report: Tom, du hast dich 2019 als Mandatar aus der Politik verabschiedet. Wie geht es dir?

Tom Edtmeier: Vielen Dank der Nachfrage, meiner Lebensgefährtin Karin und mir, aber auch unserem Weimaraner Alexo, geht es sehr gut. Wenn man aber über den Tellerrand des eigenen geschützten Privatbereichs hinausblickt, da gibt es dann schon einiges, das man mit Sorge beobachtet.

IR: Das klingt so, als wären wir damit dann gleich im Thema. Verfolgst du denn die Vorchdorfer Ortspolitik noch?

TE: Sehr intensiv sogar! Gerade die Geschehnisse seit der letzten Wahl haben in Vorchdorf ja leider noch größere Gräben aufgerissen als jene, die man aus der Vorperiode ab 2015 ohnehin schon kannte. Es ist schon spannend, aber zugleich auch besorgniserregend, wenn man sich diese Entwicklung aus einer gewissen Distanz heraus ansehen kann und man keine aktive Rolle mehr innehat.

IR: Danke für die Steilvorlage für diese Frage: Wie häufig juckt es dich denn noch, deine Meinung zu bestimmten Entwicklungen zu äußern?

TE: Na ja, wie bei jedem Lokalpolitiker gibt es Themenbereiche, in denen man sich besser oder eben weniger gut auskennt. Ich versuche daher meine Meinung dann kundzutun, wenn ich aus eigener Erfahrung sprechen kann bzw. gewisse Entwicklungen während meiner Zeit als Gemeinderat und -vorstand quasi am eigenen Leib erlebt habe.

IR: Jetzt ist seit der letzten Wahl bald ein Jahr ins Land gezogen. In zwei, drei Sätzen zusammengefasst, wie würde denn dein persönliches Resümee der letzten 12 Monate aussehen?

TE: Wir erleben derzeit einen kommunalpolitischen Stillstand der Sonderklasse! Je nach Sichtweise heißt es derzeit „einer gegen alle“ oder vice versa „alle gegen einen“. Damit werden leider politische Perspektiven und Entwicklungschancen auf dem Altar des kleinkarierten Hick-Hacks geopfert.

IR: Aber es wird uns doch immer wieder vermittelt, in Vorchdorf herrsche eitel Wonne, das Wort „Streit“ wäre völlig fehl am Platz und die Zusammenarbeit würde ja sehr gut funktionieren. Wie siehst du denn das?

TE: Aldous Huxley (Anm. d. Red.: britischer Schriftsteller, 1894–1963) wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, indem man sie ignoriert.“ Aber genau das geschieht doch zur Zeit im Markt voller Leben! Wer tatsächlich von guter Zusammenarbeit spricht, der sollte sich einfach die letzte Gemeinderatssitzung zu Gemüte führen. Da ist ja jeder Boxring ein Hort von Frieden und Einigkeit! Die Fronten sind verhärtet; wohl deshalb, weil es nur eine Partei gibt, die das verkrustete und mit Zähnen und Klauen verteidigte System des Machterhalts der ÖVP aufbrechen möchte. Aber diese eine Partei wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln blockiert, völlig ungeachtet dessen, ob die Vorschläge nun gut oder schlecht sind. Ich habe immer eine Politik der besten Ideen eingefordert und unterstützt. Als positives Beispiel dafür möchte ich den von mir wirklich sehr geschätzten Gemeinderats-Kollegen LAbg. Reinhard Ammer von den Grünen anführen. Auch wenn wir politisch aus zwei unterschiedlichen Welten kommen, so konnten wir uns über die Jahre immer vortrefflich und vor allem konstruktiv austauschen. So bringt man dann unter dem Strich auch inhaltlich etwas weiter! Aber auch bei einem Martin Fischer von der SPÖ erlebte ich ein ähnlich aufgeschlossenes Gesprächsverhältnis.

IR: Bleiben wir doch bei einem Rückblick. Was waren denn absolute High- und Low-Lights in deiner politischen Tätigkeit?

TE: Die Aufrechterhaltung und Unterstützung der vorbildlichen Vereinsstrukturen, die in Vorchdorf eine ganz wichtige Rolle im sozialen Leben ausmachen, war und ist ganz sicher eines DER Highlights! Dazu zähle ich auch die Kitzmantelfabrik mit ihrer überregionalen Strahlkraft.

Als Tiefpunkt schlägt für mich die vollkommen falsch eingeschätzte Unterstützung beim Bau der Großmoschee zu Buche. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es nach der Eröffnung einige geben wird, die sich an meine mahnenden Worte erinnern werden.

Aber auch die vollkommen verfehlte Belebung des Ortskerns zählt für mich zu den Lowlights. Hier wurde genau das Gegenteil gemacht, nämlich eine unverantwortliche Sterbehilfe für das Vorchdorfer Zentrum.

Eine weitere negative Erinnerung ist das mangelnde Engagement vieler Gemeinderäte: visionslos, uninformiert und gelangweilt sitzen diese Volksvertreter in Sitzungen. Man soll ja aufgrund von Äußerlichkeiten keine vorschnellen Rückschlüsse ziehen, aber mir wäre es niemals in den Sinn gekommen, mich im höchsten Gremium der Gemeinde kleidungstechnisch so zu präsentieren, als wäre ich gerade aus dem nahegelegenen Freibad gekommen. Das zeugt für mich einfach von mangelndem Respekt.

IR: Jetzt nehmen wir einfach mal an, du wärst im Jahr 2022 der amtierende Vorchdorfer Bürgermeister. Was wären denn jene Punkte, die du mit absoluter Priorität angehen würdest?

TE: Zunächst gilt es, wieder zu einer Gesprächskultur auf Augenhöhe zurückzukehren. Gelingt das nicht, brauchen wir über Zukunftsvisionen und Projekte gar nicht weiter zu reden. Hier muss man ansetzen, damit wieder ein Mindestmaß an Konstruktivität in die Gemeindepolitik Einzug hält.

Selbstverständlich begrüße ich es sehr, dass man den Gemeinderäten nun endlich Unterlagen digital zur Verfügung stellt – und das hoffentlich auch rechtzeitig! Diese Forderung habe ich im Übrigen schon seit 2016 mehrfach erhoben! Die Kommunikation innerhalb der Gemeinde befindet sich derzeit ja auf digitalem Steinzeitniveau – ob gewollt oder nicht, kann ich nicht beurteilen, es gehört aber geändert.

Außerdem ist es unbedingt notwendig, die teils fragwürdigen Projekte aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Leider herrscht hier eine Kultur des „unter-den-Teppich-Kehrens und Aussitzens“. Das aber löst keine Probleme, im Gegenteil, die unangenehmen Fragen werden immer lauter. Hier sind auch jene Herrschaften gefordert, die zwar gute Zusammenarbeit und politische Kultur einfordern, aber mit ihrem eigenen Handeln genau das Gegenteil vermitteln. Sonst bleibt Vorchdorf ein „Markt voller Beben“ und wird nicht so schnell wieder ein „Markt voller Leben“.

IR: Abschließend eine Frage quasi in eigener Sache: Der INVO.report will einen Beitrag zu Transparenz, offenem Klima und zur Entwicklung von Vorchdorf leisten. Was meinst du, gelingt uns das und ist das überhaupt notwendig?

TE: Ein klares JA von meiner Seite: Ich begrüße den INVO.report absolut! Mein Internetzugriff in der Früh ist der: ORF, Krone, OÖN, Express, oe24 und der INVO.report – und zwar täglich. Ich finde es sehr positiv, dass eine große Bandbreite an Meinungen zugelassen wird, was mir als Demokrat ganz wichtig ist. Weiter so!

IR :Tom, vielen Dank für das offene Gespräch. Ich wünsche Karin, Alexo und dir noch einen schönen Sommer!

Tom Edtmeier, 46, war lange Jahre als Pressesprecher in der Bundes- und Landespolitik für die FPÖ tätig. Vor 13 Jahren hat er sich im Bereich Marketing & Kommunikation selbständig gemacht. Bis 2019 war er parteifreier Gemeinderat und Gemeindevorstand in Vorchdorf.

 

 

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