Wieviel Betten braucht das Dorf?

Vorchdorf, 1. April 2021

Mit dem geplanten „Boarding House“ in der Bahnhofstraße und dem 100-Zimmer-Hotel auf dem Freibadgelände steigt die jährliche Nächtigungskapazität von Vorchdorf: Um mehr als 45.000.

Für das Jahr 2010 weist die Statistik Austria für Vorchdorf etwas mehr als 3.000 Nächtigungen aus; 2014 stehen über 7.000 Nächtigungen zu Buche – eine deutliche Steigerung. Doch wie die Befürworter und Betreiber des Hotelprojektes unermüdlich betonen, soll noch mehr möglich sein. Bürgermeister Schimpl etwa hat, mitten in der Corona-Krise, eine „Bettennot“ in Vorchdorf ausgerufen. Und in einem Gespräch mit Invo unterstrichen, dass man bei der einen und anderen Hochzeit schon Bedarf an 200 Betten für eine Nacht gehabt hätte. Einen Bedarf, der mit den Zimmern der Hoftaverne Ziegelböck, des Hotel Denk und des Laudach Inn sowie der anderen Beherbergungsbetriebe nicht zu decken sei.

50.000 Betten pro Jahr

Wird das Hotelprojekt im Vorchdorfer Almtalbad tatsächlich realisiert, sind Engpässe auf lange Sicht ausgeschlossen: Wieviele Betten das geplante 100-Zimmer-Hotel am Freibadgelände bieten soll, ist zwar noch nicht bekannt. Doch 100 Betten sind das rechnerische Minimum (falls das Haus wider Erwarten ausschließlich Einzelzimmer bieten würde). Selbst diese 100 Betten ergeben multipliziert mit  365 Tagen eine zusätzliche Jahreskapazität von 36.500 Nächtigungen. Addiert man dazu noch die 30 Wohneinheiten des nahen „Boarding House“, ergeben sich fast 11.000 weitere Übernachtungsmöglichkeiten im Jahr.

Rechnet sich das?

Bleibt nicht nur angesichts der Corona-Epoche, in der Geschäftstermine bevorzugt per Videokonferenz abgehalten werden, die Frage: Gibt es tatsächlich ausreichend Nachfrage für jährlich ingesamt mehr als 50.000 belegbare Betten im gewerblich und industriell geprägten Vorchdorf? Bürgermeister Schimpl verweist auf eine Kalkulation des Hotel-Investors Anima, die er zwar nicht kenne, aber ergebe, dass das geplante Hotel mit seinen 100 Betten keineswegs überdimensioniert sei. Ob die Rechnung aufgeht, wird die Zukunft weisen – oder auch nicht.

„Bettennot“: Ziegelböck baut aus

Update vom 1.4.21/20:44

Für die kolportierte „Bettennot“ in Vorchdorf zeichnet sich eine rasche Linderung ab. Auch ohne Boarding House und Mega-Hotel im Freibad: Die Familie Ziegelböck baut den Hotelbereich der alten Hoftaverne aus. Die Bauverhandlung ist bereits ausgeschrieben. Ins Detail wollte Ingrid Ziegelböck im Gespräch mit INVO.report noch nicht gehen: „Wir holen gerade die Angebote für die Erweiterung ein, in zwei bis drei Wochen sollte dann alles spruchreif sein.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.