Kitzmantelfabrik: Patt am Parkplatz

15. April 2021

Was den Parkplatz vor der Kitzmantelfabrik betrifft, ist die Marktgemeinde Vorchdorf in eine prekäre Situation geraten: Der Pachtvertrag mit Grundstückseigentümer Karl Plaichinger ist ausgelaufen; obendrein hat man es sich mit dem sonst so geduldigen Kaufmann verscherzt. Ein Problem, das mit der zweistöckigen Tiefgarage unter dem geplanten Freibad-Hotel aus der Welt geschafft werden soll.

Auf 15 Jahre war der Pachtvertrag über die Fläche zwischen Fabrik und Bahnhofstraße zwischen der Marktgemeinde Vorchdorf als Pächterin und Grundstückseigentümer Karl Plaichinger geschlossen worden. Teil des Arrangements war die punktuelle Nutzung der Fläche für heimische Betriebe im Rahmen von Veranstaltungen wie der „Blühenden Wirtschaft“ rund um den Vorchdorfer Kirtag. Eine Vereinbarung, die Plaichinger dadurch verletzt sieht, dass die Gemeinde in den letzten Jahren auf Märkten auch ortsfremde Betriebe auflaufen ließ. Dies wollte der Inhaber der Eisen- und Gemischtwarenhandlung in der Lambacher Straße durch einen höheren Pachtzins kompensiert sehen, den die Gemeinde nicht zahlen wollte.

Firmenparkplatz mit 12-h-Limit

Seit drei Jahren ist der Vertrag ausgelaufen, und den komfortablen Parkplatz gibt es nur mehr, weil er von Plaichinger geduldet wird. Rechtlich könnte Plaichinger die Gemeinde jederzeit auffordern, den Parkplatz zu räumen und zur Wiese zurückbauen zu lassen. Was die Gemeinde nicht daran hinderte, einem neu in die Bahnhofstraße gezogenen Unternehmen zuzusichern, der öffentliche Parkplatz als Parkplatz könne sowohl von der Firma als auch den Mietern in ihrem Haus genutzt werden.
Wenig später wurde die Parkzeit dort mittels über Nacht montiertem Schild ohne Vorankündigung auf 12 Stunden beschränkt – eine Schikane für das Unternehmen, das gerade am Wochenende einen Parkplatz für zwei Firmenfahrzeuge braucht; von den Mietern im Haus nicht zu reden. Der betroffene Unternehmer zeigt sich verärgert: „Die Klärung der Parkplatzfrage war Teil der Entscheidung für diesen Standort. Hätte ich gewusst, wie es kommt, hätte ich mich vielleicht anders entschieden.“

„Das wäre der Tod der Kitzmantelfabrik“

„Wenn es zur Kündigung des Parkplatzes kommt, wäre das der Tod für die Kitzmantelfabrik“, sagt Martin Fischer, parteiloser Gemeindemandatar auf SPÖ-Ticket und Obmann des Raumordnungsausschusses.
Ein weiterer Sargnagel wäre es für den – wegen Corona ohnehin schon seit längerem eingestellten – Veranstaltungsbetrieb, wenn damit auch die Durchfahrtsstraße vom Parkplatz Richtung Freibad wegfiele. Die Fläche ist ebenfalls Plaichingers Eigentum und Gegenstand des Pachtvertrags. Ein Wort von Plaichinger würde genügen, damit die Marktgemeinde auch hier den Boden entsiegeln und die beiden erst vor kurzem errichteten Stromtankstellen entfernen muss.

Eine unterirdische Lösung

Zumindest für das Parkplatz-Patt vor der Kitzmantelfabrik hat die Gemeinde nun aber eine Lösung im Auge: Die zweistöckige Tiefgarage des geplanten Hotels auf dem Freibadgelände. „Je nachdem, was sich dann anbietet, wollen wir als Gemeinde die Tiefgarage dann kaufen oder mieten“, sagt Martin Fischer. Und betont, dass der unterirdische Parkplatz bei aller strategischen Bedeutung nicht das Hauptmotiv der Gemeinde für das Hotelprojekt ist: „Es geht uns um das Bettenangebot für die Kitzmantelfabrik und Vorchdorf.“

In einer weniger dramatischen, aber dennoch unangenehmen Lage befindet sich die Gemeinde, was den geschotterten Parkplatz gegenüber dem Schulkomplex betrifft. Auch der gehört Karl Plaichinger, der wenig erbaut davon war, dass die dortige Bushaltestelle ohne Rücksprache mit ihm angelegt worden ist.
Ebenfalls nicht sonderlich glücklich hat die Gemeinde Plaichinger gegenüber bei der Grundstücksbeschaffung für die neue Verabschiedungshalle agiert – ein Thema, über das INVO.report an anderer Stelle berichten wird.

 

Ein Gedanke zu „Kitzmantelfabrik: Patt am Parkplatz

  1. Rita Stenz

    Komisch ist diese Situation allemal,das zeugt eindeutig von“ Bürgernähe“,daß sich die Gemeinde-Vorsteher mit einem bodenständigen Kaufmann und Vorchdorfer Urbürger übers Kreuz kommt und damit Probleme erzeugt,die sicher nicht notwendig wären!

    Möchte noch richtigstellen,von meinem letzten Beitrag: das Defizit vom Schwimmbad beträgt nicht, wie ich fälschlicherweise geschrieben habe, € 150 000.- sondern € 130 000.-.Entschuldigung!

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