Fischböckau: Regionalmarkt kommt als „Vitalbox“

5. Mai 2021

In einigen Wochen hat der Leerstand im Fischböckauer Regionalmarkt ein Ende: Der Ohlsdorfer Gemüsebauer Michael Kirchgatterer nimmt ihn unter dem Namen „Mikis Vitalbox“ in Betrieb – mit regionalem Angebot, aber ohne persönlichen Verkauf.

Peiskam 7 in Ohlsdorf: Das ist die Postadresse des Hofes, den Michael Kirchgatterer mit seiner Familie bewirtschaftet. Auf über 30 Hektar Anbaufläche gedeihen Gemüse, Erdäpfel sowie Raps, Lein und Mohn, aus denen Öl für die feine Küche gepresst wird. Jetzt ist amtlich, dass in einigen Wochen eine weitere Adresse hinzukommen wird: In seiner Sitzung am gestrigen Dienstag hat der Vorchdorfer Gemeinderat jenem Mietvertrag zugestimmt, den die Marktgemeinde mit der MiKis Vitalbox GmbH geschlossen hat. Vertragsgegenstand ist das seit der Baufertigstellung leerstehende Marktlokal in der Fischböckau, für das sich monatelang kein Nahversorger finden wollte. Das wird Kirchgatterer nun als Nahversorger vor allem mit regionalen bäuerlichen Produkten betreiben.
„Nach Vorchdorf wollte ich schon vor ein paar Jahren gehen,“ sagt Kirchgatterer dem INVO.report am Telefon, „habe mich damals aber finanziell und organisatorisch nicht drübergetraut.“ Seinerzeit hatte der Ohlsdorfer Gemüsebauer, der auch die FoodCoop Gmunden und zahlreiche Abonnent*innen mit seiner Gemüsekiste MiKis Vitalbox beliefert, einen mobilen Verkaufsstand vor der Fleischhauerei Pöll im Sinn.

Im Juni geht’s los

Fritz Pöll war es dann auch, der ihn auf die Option Fischböckau aufmerksam machte. Die nahm Kirchgatterer nun wahr, indem er mit seinen Freunden Peter Hauer, einem Juristen und Werber aus der Grünau, und dem im Europäischen Parlament beschäftigten Andy Weber aus Gmunden die nach der beliebten Gemüsekiste getaufte MiKis Vitalbox GmbH gründete – final übrigens erst heute vormittag.
Der angepeilte Eröffnungstermin – geplant war der 1. Juni – wackelt noch. Die Geschäftseinrichtung ist derzeit bei einem heimischen Möbelbauer in Arbeit. „Leider hat es einige Verzögerungen gegeben“, bedauert Kirchgatterer: Mit der Gemeinde Vorchdorf als Vermieterin musste erst eine leistbar scheinende Miete auf dem Preisniveau ähnlicher Projekte in anderen Gemeinden ausgehandelt werden; dann zog sich die Gesellschaftsgründung in die Länge, und schließlich spießte es sich bei der Anschaffung des Zutrittssystems für die Vitalbox in der Fischböckau.

Zutritt mit Karte

Das System ist notwendig, da die Vitalbox nicht wie Kirchgatterers Hofladen geführt wird, sondern wie die Selbstbedienungsecke, die es auf dem Bauernhof in Ohlsdorf auch gibt: mit Videoüberwachung und einer Vertrauenskassa. Damit hat Kirchgatterer bis jetzt in Summe gute Erfahrungen gemacht.
In der Fischböckau kommt zur Videoüberwachung und zur Vertrauenskassa das besagte Zutrittssystem dazu: Damit die Tür aufgeht, braucht es eine Bankomatkarte. Denn Personal hat die Betreibergesellschaft nicht in ihr Geschäftsmodell eingerechnet. Ein Nachteil, den die geplante tägliche Öffnungszeit von 7 bis 20 oder 21 Uhr wieder ein wenig wettmacht. Bezahlen wird man sowohl bar als auch mit Karte können.

Den eigentlich gewünschten Charakter eines sozialen Treffpunktes wird die Vitalbox damit wohl eher nicht haben. Das ist bedauerlich, aber aus wirtschaftlicher Sicht verständlich. Denn Kirchgatterers unternehmerisches Risiko ist auch ohne eine ganztags beschäftigte Verkaufskraft hoch genug.
Was nicht heißt, dass die Vitalbox gänzlich unbeaufsichtigt bleibt: Einmal täglich kommt jemand mit frischer Ware aus Ohlsdorf und nimmt unterwegs die Produkte der örtlichen Lieferanten mit, um danach im Geschäftslokal auf- und nachzuräumen und den Laden in Schuss zu halten.

Vertrauen versus Vandalismusangst

Was die Ware betrifft, dürfen sich die nunmehr Nahversorgten in der Fischböckau auch über Vertrautes freuen: Fleisch aus dem Hause Pöll, mit dem Kirchgatterer nicht zuletzt an die Gaumen der Griller appelliert, sowie Brot und Gebäck vom Probst: „Ich habe leider keinen Vorchdorfer Bauernkollegen finden können, der täglich für mich gebacken hätte.“
Zur Eröffnung will Kirchgatterer, sofern es Corona erlaubt, zu einer kleinen Grillerei laden, um seine zukünftigen Kund*innen kennenzulernen, denen er vorab jede Menge Vertrauen entgegenbringt: „Ich habe nur Gutes über die Fischböckau gehört.“ Ein Experiment bleibt die Nahversorgung ohne persönlichen Verkauf auf jeden Fall. „Nach einem Geschäftsjahr werden wir sinnvoll Bilanz ziehen und die Wirtschaftlichkeit beurteilen können. Und sollte es zu Vandalismus oder Kassenplünderungen kommen, muss man sich überlegen, ob und wie lange man weitermacht.“

Ein Gedanke zu „Fischböckau: Regionalmarkt kommt als „Vitalbox“

  1. Josef Aigner

    Good News, kann man da nur sagen. Mit seinem Hofladen und auf dem Bauernmarkt beim Lagerhaus an der Gemeindegrenze Ohlsdorf-Gmunden zeigt Kirchgatterer, wie man ausgezeichnete regionale Produkte gut vermarktet. Die Vitalbox ist eine Innovation erster Güte.

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