Helga Berndorfer: „Der Spirit ist gleichgeblieben.“

30. Juni 2021

Nach 9465 Tagen Dienst in Vorchdorf geht Helga Berndorfer mit Ende des Schuljahrs in den Ruhestand. INVO.report sprach mit der Direktorin der Mittelschule über Veränderungen im Schulbetrieb, Erfolge und Fehlschläge und was sie ihrer Nachfolgerin – nach 14 Jahren Schulleitung – am meisten wünscht.

Noch bis Schuljahresende im Einsatz: Direktorin Helga Berndorfer (Foto: privat)

Manche Dinge bleiben. Zum Beispiel das Direktionszimmer. Es ist dasselbe wie am 1. September 1995. Unser Gespräch findet genau dort statt, wo Helga Berndorfer sich an jenem Tag bei Waldemar Huber, ihrem Vor-Vorgänger, als Lehrerin vorgestellt hatte. Dieses Direktionszimmer könnte inzwischen … doch wir beginnen woanders.

Der Schulbetrieb hat sich deutlich verändert in den 26 Jahren seit Dienstantritt in Vorchdorf. Nicht nur, dass aus zwei Hauptschulen erst die Neue Mittelschule, dann die Mittelschule wurde; auch Veränderungen im gesellschaftlichen Leben haben auf den Betrieb durchgeschlagen: „Früher waren wir hauptsächlich Lehrende, inzwischen sind wir viel öfter auch Erziehende“, sagt Berndorfer. Eltern haben häufig weniger Zeit für die Schulkinder als früher. Das macht sich bemerkbar. Sozialpädagogisches Personal, konkret der Leiter des Vorchdorfer Jugendzentrums, unterstützt daher die Arbeit der Schule. Zugleich umso wichtiger: der ungebrochene und für Vorchdorf charakteristische Zusammenhalt innerhalb des Kollegiums, den Berndorfer feststellt: „Dieser Spirit ist gleichgeblieben.“

Schulziele – teils um 180 Grad gedreht

Eine Einrichtung von der Größe der Mittelschule Vorchdorf ist auch bei einem eingespielten Lehrkörper eher ein „Tanker“, wenn ein neuer Kurs gefordert wird. Und das war mehr als einmal der Fall. Aus der klassischen HS1/HS 2 mit ihren unterschiedlichen Ausrichtungen sollte nach kontroversen Diskussionen in der Bildungspolitik die Neue Mittelschule als Schulversuch werden. Die damit verbundenen Ideen entpuppten sich allerdings als teilweise zu idealistisch, musste Berndorfer feststellen. Lehrkräfte vom BORG Kirchdorf, die bestenfalls nur einmal wöchentlich am Unterricht teilnahmen, waren einfach nicht dicht genug „dran“. Das war allein schon organisatorisch kompliziert. Daneben erwies sich das Gesamtklassen-Konzept mitunter als hinderlich, wenn es darum ging, leistungsstärkere Schüler*innen optimal zu fördern.

Als sich Vorchdorf 2012 für die NMS entschied, sollten neue Schwerpunkte wie „Get fit“ und „Energie und Technik“ die nun zusammengelegte Schule attraktiv machen, auch für jene Eltern, die mit einer „höheren“ Schule liebäugelten. Die erneute Umstrukturierung von der NMS zur Mittelschule rückte Leistungsdifferenzierung wieder stärker nach vorn. Flankierend dazu gibt es jetzt als Verbesserung dieser Funktion ein 2er-Team als Klassenvorstand.

Bildungscampus auf Schiene – das heißt derzeit „am Abstellgleis“

Euphorie und große Hoffnungen hatten sich vor drei Jahren mit dem fertigen Masterplan „Bildungscampus“ verbunden. Auch Siegerpläne des Architektenwettbewerbs dazu sind heute noch öffentlich. Doch mit dem Wechsel von Doris Hummer zu Christine Haberlander als Bildungslandesrätin stockte der Elan und – offenbar – die Bereitschaft, das ehrgeizige Projekt auch zu finanzieren. Und so kommt es, sagt Helga Berndorfer, dass sie und mit ihr alle anderen im Schulbetrieb immer noch in einem der letzten unsanierten Schulgebäude der Region sitzen müssen. Auch das Direktionszimmer ist eben seit Jahrzehnten dasselbe, doch das ist eine Kleinigkeit.

Die Enttäuschung mit diesem bisher gescheiterten Plan bezeichnet Berndorfer als einen Fehlschlag in ihrer Direktorinnenzeit. Schwierig sei auch, dass eins der besonderen Attraktionen der Vorchdorfer Schule, der Musikschwerpunkt, von außen her ausgehöhlt werde. Die Gymnasien hätten in der Zwischenzeit ebenfalls entdeckt, dass sie mit derartigen Angeboten „Wettbewerbsvorteile“ ergattern können und machten damit der Mittelschule das Leben schwer.

Eine echte Herausforderung, die aber schließlich mithilfe des Kollegiums gemeistert werden konnte, war für Helga Berndorfer die Zusammenlegung der beiden Schulen – in Wirklichkeit eine Eingliederung der „Einser-Schule“, die damit die Eigenständigkeit verlor. HS1 und HS 2 waren zuvor stets ungleiche Schwestern, die durchaus auch nach außen eigenwillig miteinander konkurriert hatten.

Mittelschule Vorchdorf Direktorin

Sonja Staudinger übernimmt die Leitung der Mittelschule Vorchdorf Foto: nms-vorchdorf.at

Zufrieden ist die scheidende Direktorin mit den zuletzt für pensionierte Kolleg*innen nachgerückten Lehrer*innen, die sie als extrem engagiert erlebt und die zusammen mit den schon Erfahreneren eine sehr gute Mischung im Kollegium ausmachten. Ihre Nachfolgerin Sonja Staudinger – die am Gespräch mit dem INVO.report teilgenommen hatte – gibt das Lob zurück: Helga habe sich bis zuletzt mit ganzer Kraft eingesetzt und für ihre Aufgabe gebrannt: „Ich trete in wirklich große Fußstapfen, aber sie hat mich auch gut eingearbeitet und ich kann die Schule in diesem Sinn weiterführen.“

Was Helga Berndorfer ihrer Nachfolgerin wünscht: vor allem Gelassenheit im Umgang mit der Herausforderung, dass eine Schuldirektorin stets den Puffer abgeben muss zwischen den verschiedenen Interessen von Schülern, Eltern, Bildungsbürokratie und Gemeinde. Sich dabei aber auch genug privaten Ausgleich zu erhalten. Und schließlich einen wieder etwas intensiveren Kontakt seitens der Gemeinde als Schulerhalterin. Hier ist zum Schluss wieder Zuversicht herauszuhören.

2 Gedanken zu „Helga Berndorfer: „Der Spirit ist gleichgeblieben.“

  1. S.D.

    Bitte die Bildunterschrift bei Frau Berndorfer ausbessern … bevor es zu einer Nachprüfung in Deutsch kommt 😉 (Schuljaresende) lg

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