Vorchdorfs Vereine nach einem Pandemie-Winter

4. Juli 2021

Wir vom INVO.report-Team haben mit einigen Vereinen in Vorchdorf gesprochen und wollten wissen, was sich seit den ersten Lockerungen im Frühling bezüglich Vereinsleben tut. Gibt´s einen Mitgliederschwund oder trifft man sich wieder in gewohnt großer Runde?

Wolfgang Stürmer vom Sängerbund Frohsinn bemerkt vor allem ein erhöhtes politisches Interesse, nachdem im letzten Frühjahr und Herbst einige Infektions-Cluster von Chören aus ihren Anfang nahmen. Beim Sängerbund herrscht (Stand Anfang Juni) immer noch Stillstand, kein Vereinsleben, kein Singen. Ob die Älteren deshalb vielleicht ganz aufhören, sei jetzt noch schwer abzuschätzen. Weil der Verein keine Fixkosten hat, gibt es zum Glück keine finanziellen Sorgen. Seit 1. Juli gibt es auch für Chöre nochmals ein paar spezielle Lockerungen. Das ist noch immer nicht das Gelbe vom Ei, aber besser als gar nichts. „Jedenfalls hatten wir viel Zeit zum Nachdenken“, so Stürmer, „unter anderem darüber, ob Tradiertes geändert oder entsorgt werden kann bzw. soll.“

Pfadfinder und Pfadfinderinnen – wie es eine Zeitlang nicht mehr war. © Harald Prochaska

Katrin Helmberger von der Pfadfindergruppe Vorchdorf kann schon von mehr Aktivität berichten. „Erst gestern haben sich alle Altersstufen zu einem gemeinsamen Abschluss beim Pfadiheim getroffen“, erzählt sie. Aber auch da war über den Winter wenig bis gar nichts los. Distance-Heimstunden haben maximal bei den größeren Jugendlichen funktioniert. Die Kleinen haben sich wenn möglich im Freien getroffen. Jetzt startet schön langsam wieder so etwas wie ein normaler Heimstundenalltag. Aber so kurz vorm Sommer kommt da auch nicht mehr richtig viel Fahrt hinein.

Bleibt nur noch die Hoffnung auf lässige Sommerlager. Die sind geplant und gebucht. Wenn sich an der aktuellen Situation nichts mehr ändert, starten alle Altersgruppen gemeinsame Aktivitäten in den nächsten Wochen. Es gibt aber auch Neuerungen, die gar nicht so schlecht sind: Gruppenräte über Videokonferenz; alle, die vor Ort sind, treffen sich im Heim, alle anderen werden von zu Hause aus zugeschaltet. Bei LeiterInnen, die quer über Österreich verteilt sind, ist das ganz praktisch.

Auch beim Fußball des ASKÖ Vorchdorf war über den Winter Stillstand, vom SchülerInnen-Team bis zu den Senioren. Thomas Götschhofer ist aber froh über das große Interesse und freut sich jetzt nach den Lockerungen über enormen Zulauf. Dank finanzieller Unterstützung seitens Politik und Sponsoren ist der Verein gut über die Runden gekommen. Götschhofer kann außerdem berichten: „Nach aktuellem Stand kann die Meisterschaft im Herbst wie geplant starten.“ Außerdem wurde die Pandemiezeit genutzt um einen neuen Traunsee-Almtal-Cup ins Leben zu rufen.

Zu Fünft spielte die Marktmusik bereits bei der Fronleichnahmsfeier am Markplatz. © Willi Hitzenberger

Bei der Marktmusik Vorchdorf ist bereits wieder viel los. Sobald die Lockerungen es erlaubt haben, wurde hier musiziert: zuerst in kleinen Gruppen, jetzt auch wieder in den Proberäumen und bei Veranstaltungen. Bei prächtigem Wetter spielte die Marktmusik am 4. Juli im Pfarrgarten.

Einen Schwund an Musizierenden gibt es aber schon. Von 40–50 Personen vor der Pandemie sind nur 30–40 Aktive übriggeblieben. Außerdem wird es immer schwieriger, langfristig motivierten Nachwuchs zu finden. „Beim Musikmachen braucht man einen langen Atem“, so Stefan Hörtenhuber, Obmann der Marktmusik. AnfängerInnen brauchen in etwa drei Jahre, bis sie mit ihrem Instrument in einem Orchester mitspielen können. Einige wenige halten das durch und kommen dafür in den Genuss, dass sie in der Gemeinschaft des Vereins mit anderen musizieren und ihre Freizeit verbringen können. Viele wechseln nach 1–2 Jahren zu einer anderen Freizeitbeschäftigung. Das ist zwar schade, aber kaum zu ändern.

Das jährliche Konzert ist aktuell auf zwei Termine (11. und 12. September) vorverschoben, in der Hoffnung, dass so früh noch größere Veranstaltungen möglich sein werden. Das Konzert am Sonntag ist als Matinee geplant und richtet sich vor allem auch an Familien. Als Veranstaltungsort ist der neue Standort im Gewerbegebiet der Firma HIP-Holzbau angedacht. Hier zeigt sich, dass die Pandemie im Vereinsleben die Flexibilität und den Mut, Neues auszuprobieren, noch weiter gesteigert hat.

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