„Das Nest beschmutzen – kommt bei keinem gut an“

SPÖ-Spitzenkandidat Martin Fischer im Gespräch mit INVO.report

1. September 2021

Martin FischerMit Unterbrechungen ist Martin Fischer jetzt seit 18 Jahren im Gemeinderat. Er ist für die SPÖ in den Raumordnungsausschuss „nachgerutscht“, wie er sagt, und hat später auch dessen Vorsitz übernommen. Parteimitglied ist er nicht und hat auch diesbezüglich keine Ambitionen. Als Unternehmer ist er ja auch irgendwie falsch bei der SPÖ, so sagt er selbst. Für ihn sei nur wichtig, was gut für Vorchdorf ist. Von der Kandidatur als Bürgermeister hat ihn vor allem abgeschreckt, dass dieses Amt von vielen nicht geschätzt wird und der mediale Umgang mit Personen die in der Öffentlichkeit stehen. Über seine Visionen und Ideen hat er am 17. August ausführlich mit uns gesprochen.

Welches Vorhaben, Projekt oder welcher Beschluss waren in den letzten 6 Jahren deiner Meinung nach gemeindepolitisch entbehrlich bis unsinnig?

Die Vorgehensweise in Sachen Verabschiedungshalle war für mich nicht nachvollziehbar. Dass man einen Architekturwettbewerb für eine Fläche ausschreibt, die uns noch gar nicht gehört, ist schon ziemlich widersinnig. Und für mich ist auch überhaupt nicht klar, wo solche Entscheidungen getroffen werden, weil im Gemeinderat war das nicht.

Womit wir auch schon bei einem anderen Thema wären: Es sind für Beschlüsse nie alle Informationen da, und trotzdem muss man eine Entscheidung treffen. Da ist schon eine gewisse Hemmschwelle, weil wir ja als Gemeinderäte auch alle persönlich haftbar sind. Das erzeugt enorm viel Druck. Wenn man alles durchschauen will, ist das mit einem irrsinnigen Zeitaufwand verbunden. Und viele Informationen bekommt man auch dann noch nicht. Aber was jetzt Albert Sprung macht, ist auch nicht okay. Dass er das eigene Nest beschmutzt, kommt bei keinem im Gemeinderat gut an.

Bezüglich Poolhotel – da war ich von Anfang an dabei und habe immer wieder auf die für ein Hotel problematische Nachbarschaft Schlachthof hingewiesen. Gunter Schimpl hat da stets gemeint: „Da wird es schon eine Lösung geben.“ Die Idee ist und bleibt gut, das Freibad durch ein Hotel zu ergänzen.
Bei der Bahnhofstraße hab ich mitgestimmt, aber im Grunde weiß man vorher nie, was im Endeffekt dabei herauskommen wird.

Die Ziele der Wahlwerbenden sind ja ähnlich, was ist sozusagen das Alleinstellungsmerkmal der SPÖ Vorchdorf im Vergleich zu den anderen?

Ich bin ja als Unternehmer bei der SPÖ eigentlich ein falscher Fuchs. Ich bin auch kein Mitglied. Ich bin ein Umsetzer, und die Hauptsache ist, dass die Entscheidungen gut für den Ort sind. Was uns aber sicher von den anderen unterscheidet, ist, dass uns die Jugendlichen ein Anliegen sind und Soziales für uns im Vordergrund steht.
Wir unterstützen zum Beispiel jetzt eine Idee der Naturfreunde – ein Pumptrack am Gelände der ehemaligen BMX-Bahn zwischen Sportplatz und Haidholz. Thomas Haudum hat das initiiert und ist unter anderem an uns herangetreten. Ich bin dafür, dass das gern ein bisserl größer umgesetzt wird, als bis jetzt angedacht. Schließlich kann es ja mit dem Montainbike, dem Skateboard aber auch mit Roller, Inlineskatern und sogar mit dem Rollstuhl genutzt werden.

Ein anderes größeres Thema, das uns sicher die nächsten Jahre intensiv beschäftigen wird, ist der große Themenkomplex Wohnen und Altenpflege. Wir brauchen da auf alle Fälle neue Lösungen. Für Menschen im Alter meiner Mutter (83 Jahre) brauchen wir zukünftig andere Lösungen als ein Pflegeheim. Da gibt es eine große Gruppe, die da nicht hingehört, für die wir aber auch eine gute Wohnsituation sicherstellen müssen. Das ist mit Sicherheit eine der wichtigsten Aufgaben, weil das irrsinnig aufwändig sein wird, da gute Lösungen zu finden.

Und der dritte Bereich ist sicher noch die Sicherheit auf den Straßen. Wobei uns da sehr oft die Hände gebunden sind und wir als Gemeindepolitiker oft von Entscheidungen auf Bezirks- und Landesebene abhängig sind. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Wie wollt ihr das konkret umsetzen?

Das wird in einer unserer nächsten Aussendungen stehen, da möchte ich jetzt nicht vorgreifen.

Wir könnte aus dem Gemeinderat wieder ein Gremium werden, das konstruktiv zusammenarbeitet?

Uh, das wird schwierig werden. Albert Sprung kommt vielleicht in den Gemeinderat. Im Moment treibt er nur quer und stellt den gesamten Gemeindrat hin, als wäre er nicht zurechnungsfähig. Es hängt viel davon ab, wie konstruktiv die Personen auf seiner Liste mitarbeiten. Aber niemand lässt sich gern vorher vorführen und arbeitet dann so mir nichts, dir nichts wieder konkret mit demjenigen zusammen.

Ich sehe jedenfalls nicht die verschiedenen Farben, sondern die gemeinsame Arbeit. Opposition ist fad, wenn man nichts erreichen kann und wenn einem die eigenen Ideen nur gestohlen werden. Fest steht, dass vor allem die Oppositionswähler gefordert sind, weil je mehr von ihnen wählen, desto schwächer wird die ÖVP, und dann sind verschiedene Bündnisse eher möglich. Wenn sich alle Kleinen zusammenschließen, können sie dann trotzdem etwas erreichen. Ich möchte jedenfalls keine demokratische Diktatur; die hätten wir, wenn die ÖVP auf eine absolute Mehrheit kommt.

Vorchdorf wird auf absehbare Zeit kaum finanziellen Spielraum haben. In welchen Bereichen gibt es deiner Meinung nach Einsparungspotenzial?

Ich sehe das nicht so. Es kommt Industrie in Vorchdorf dazu. Die INKOBA-Gründe sind verkauft, und in 5 Jahren ist die Absenkung des Betriebsbaugebietes durch den Schotterabbau abgeschlossen, dann geht es richtig los. Dann gibt es auch deutliche kommunale Einnahmen. Covid haben wir als Kommune halbwegs gut überstanden. Einige Projekte wurden natürlich verschoben, aber ich sehe nicht, dass wir uns in Richtung Abgangsgemeinde entwickeln werden.

Beim Bildungscampus hat meines Wissens immer die Landesregierung gebremst. Bei den Rückstellungen für dieses Megaprojekt sind wir immer hinterhergelaufen. Da hat die Baukostenindexanpassung alles wieder aufgefressen. In der Schule muss meiner Meinung nach nicht in den Bau, sondern in die Ausstattung investiert werden. Dringend gehört jedenfalls der Kindergarten im Kapellenweg saniert. Ich bin auch dafür, dass der Kindergarten in der Kitzmantelstraße aufgestockt wird und nicht, wie Gunter Schimpl das immer vorgehabt hat, weitere Zweigstellen in den Ortschaften entstehen.

Die Parteienlandschaft in Vorchdorf ist bunter denn je. Was erwartest du dir, wie die Wahlen das Kräfteverhältnis verändern werden?

Sprung wird von Null auf irgendwas gehen. Soviel ist sicher. Alles andere ist schwer einzuschätzen. Bei den Grünen bin ich mir nicht sicher, ob die zulegen werden. Das liegt nicht zuletzt auch an der Bundespolitik. Die FPÖ wird sicher auch verlieren. Bei der ÖVP ist es schwierig, weil auch Kurz spaltet. Die ländlichen Schwarzen sind schließlich anders. Ich würde mir wünschen, dass die NEOS es schaffen, aber das wird schwierig.

Die SPÖ war die letzten 6–12 Jahre im Dornröschenschlaf. Ein Jahr lang haben sie sich bemüht, dass ich als Bürgermeisterkandidat zur Verfügung stehe. In letzter Zeit hatte ich ein wenig Gelegenheit, in die Arbeit von Gunter Schimpl hineinzuschnuppern – welche Knochenarbeit in diesem Amt steckt und welch dicke Haut man dazu braucht. Leider bin ich auch kein großner Redner, aber die wirtschaftliche Seite von diesem Job hätte mich sehr wohl gereizt. Im Endeffekt habe ich es mir aber nicht vollumfänglich zugetraut. Der Posten Vizebürgermeister wär für mich okay. Im Bürgermeisteramt haut die Work-Life-Balance nicht hin. Ich muss auch nicht im Rampenlicht stehen. Ich tu’s aber für Vorchdorf und für die SPÖ, das ich als Spitzenkandidat dabei bin. Außerdem treiben uns zwei neue aus dem MIBA-Betriebsrat ordentlich an, dadurch sind wir auch wieder jünger geworden. Mein Tipp fürs Ergebnis: 2 % NEOS, 4 % Liste Vorchdorf, 13 % Grüne, 24 % FPÖ, 26 % SPÖ, 31 % ÖVP.

In den letzten Monaten hat es ja unzählige Auseinandersetzungen im Gemeinderat gegeben. Erwartest du, dass das so weitergeht oder dass eine Rückkehr zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit gelingt?

Das wird sich herausstellen. Das kommt auch sehr darauf an, welche Rolle Querulanten in Zukunft spielen werden. Wichtigstes Ziel muss aber auf alle Fälle sein, dass die ÖVP im Gemeindevorstand nicht die absolute Mehrheit hat.

4 Gedanken zu „„Das Nest beschmutzen – kommt bei keinem gut an“

  1. Johann Limberger

    Hallo Martin,
    es überrascht mich, dass du bei „entbehrlich, unsinnig“ gleich die Verabschiedungshalle anführst, aber bei der letzten Sondersitzung vor ein paar Wochen die SPÖ dann doch bei allen Beschlüssen zugestimmt hat.
    Du sagst, dass die Gemeinderäte zu wenige Informationen bekommen. Aber dazu gibt es ja Ausschüsse und Fraktionssitzungen oder nicht?
    Was auch nicht sein kann ist, wenn man schon vom Bürgermeister nur mit Halbwahrheiten informiert wird, dann bei der Sitzung bedenkenlos als SPÖ geschlossen die Hände zu heben, obwohl die Möglichkeit von Fragen an den Bürgermeister zu stellen besteht.
    Wenn die Ausführungen und Infos nicht ausreichen, kann man sich ja bei der Abstimmung auch enthalten und muss nicht bei jedem Unsinn „Ja“ sagen. Dann wäre die ÖVP auch in Zugzwang transparenter zu werden.
    Du meinst, dass Albert Sprung das Nest beschmutzt, das stimmt nicht, sondern Albert Sprung hebt nur den Deckel von eurem Nest in dem alle miteinander (ÖVP, FPÖ, SPÖ, Grüne) sitzen, und was da rauskommt ist wirklich nicht sauber.
    Das diese Nachschau (Kontrolle) nicht gut ankommt ist klar. Wer hat schon Freude damit wenn diverse Sauereien und äußerst fragwürdige Beschlüsse, die den Bürgern viel Geld kosten, aufgezeigt werden.
    Es ist ja seit Jahren niemand mehr gewohnt, dass jemand etwas hinterfragt.
    Die in den letzten Wochen aufgezeigten, entbehrlichen, teils unsinnigen und oft in der Kategorie Freundschaftsdienste zu verortenden Beschlüsse sind sicher nur die Spitze des Eisbergs.
    Hey Martin, bei der Bahnhofstraße hast du mitgestimmt, nun meinst du: „im vorherein weiß man nicht was herauskommt“, das kann doch nicht so sein, dass die SPÖ zustimmt wenn ihr nicht wisst was nach der Abstimmung passiert.
    Aber warum verteidigst du diesen 1 € Deal jetzt so intensiv auf deiner Seite „Cilly-Billy“ und stellst das fragwürdige Geschäft als super Geschäft für die Gemeinde dar? Die Gemeinde hat da durch die SPÖ-Stimmen viel Geld verloren.
    Und wenn Schimpl zu allem sagt: „da wird es schon eine Lösung geben“, da muss man halt selbst mal mitdenken, ob das auch möglich ist, und nicht schon wieder gehorsam die Hand heben.
    Die SPÖ wird wohl nicht den nächtlichen Traum von Schimpl geglaubt haben, dass er den Schlachthof einfach so entfernen kann.
    Du verweist auch auf die neue SPÖ Aussendung.
    Da schreibst du viel von leistbarem Wohnen, da hast du mittlerweile eine sehr gute Möglichkeit, dass einmal vorzuzeigen wie das geht. Nach der kürzlich erfolgten Umwidmung deines mehrere tausend m² großen Grundstücks in Bauland kannst du mehrere kleine günstige Grundstücke an junge Familien verkaufen oder ein neues Projekt mit Tiny- Häusern auf dem Grundstück verwirklichen.
    Wie du schreibst, wäre das Grundstück für ein günstiges leistbares Wohnen bestens geeignet und die SPÖ Vorchdorf könnte Österreich vorzeigen, wie leistbares Wohnen funktioniert.
    Dass es für Vorchdorf besonders wichtig ist, eine Absolute der ÖVP zu verhindern, sehe ich auch als ein wichtiges Ziel bei der Wahl. Denn ansonsten würde die Hinterzimmer Demokratie der letzten Jahre nicht nur fortgesetzt, sondern sich noch mehr verfestigen und nur mehr alle Parteifreunde miteinander agieren.
    Martin, verwundert bin ich, dass du mittlerweile auch den Wortschatz der ÖVP übernommen hast. Bürger die nicht alle Entscheidungen von oben (Gemeinderat) ohne nachzufragen hinnehmen und wie in den letzten Wochen auch in der Öffentlichkeit aufzeigen, brauchst du nicht als Querulanten bezeichnen. Die du als Querulanten oder Unruhestifter bezeichnest, haben nichts Falsches aufgezeigt, sondern ausschließlich wahre Gegebenheiten, die sich die Bürger in den kühnsten Träumen nicht erträumen hätten lassen und nur noch den Kopf schütteln, was da alles beschlossen wird.
    Aber es ist immer leichter andere als Querulanten zu bezeichnen, als eigene Fehler einzugestehen.
    Es ist schon klar, dass es nicht so angenehm ist, wenn jemand einige Verfehlungen (Sauereien) der letzten Jahr aufzeigt. Aber haben die Bürger nicht auch das Recht von den vielen unsinnigen und entbehrlichen Beschlüssen zu erfahren? Denn die Bürger sind es die JEDEN vergeudeten Euro bezahlen müssen.
    Wenn ich nur die € 10.000,- Wiese hernehme, da hast du selbst gesagt „ich habe auch geglaubt der beschlossene Pacht ist für den Parkplatz. Dass die 10.000,- Pacht für die 414m² nicht benötigte Wiese sind, habe ich damals auch nicht erkannt. Dass wir damals 2 Pachtgründe beschlossen haben, nämlich die 10.000 und extra noch den Parkplatz haben wir alle nicht erkannt. So hätten wir das niemals beschlossen.“ Es zeigt auch, dass der GR nicht immer mit der gebotenen Sorgfalt abstimmt.
    Anmerken möchte ich noch, als Unzurechnungsfähig bezeichnet die Gemeinderäte niemand sondern „nur als Erfüllungsgehilfen oder Steuerbare Mitglieder“ der GR. Vor kurzen meinte der ÖVP oberste „es ist das wichtigste das man Steuerbare vorne dabei hat“ das wird auch in Vorchdorf so ähnlich gehandhabt.
    Des weiteren sehe ich das auch so, dass in den letzten 5-6 Jahre die SPÖ meistens im Dornröschenschlaf war, aber leider nicht bei den Gemeinderatssitzungen, da wäre es jedoch vorteilhafter gewesen, wenn ihr da auch weitergeschlafen hättet, und nicht immer nach Anweisung von oben (Schimpl-ÖVP) zu allem JA gesagt hättet.
    Ein heftiges Lächeln hat mir dann doch deine Einschätzung des Wahlergebnisses entlockt.
    Eine Einschätzung ist derzeit eher schwierig, aber ich denke, dass deine Schätzung ziemlich gewagt ist. Eines ist aber gewiss, die LV wird in Zukunft beobachten was da in der Gemeinde so Beschlossen wird.

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  2. Martin Fischer

    Sehr geehrter Herr Wolfff!!!

    Eine gesunde Portion Kreativität und ein paar Sternschnuppen veranlassten mich zu meiner Prognose. Wir werden sehen, wo schlussendlich die Wahrheit liegen wird. Schwarzmalen war noch nie meine Stärke…

    Bezüglich Informationen muss ich ein wenig korrigieren. Vielleicht ist das beim Interview nicht ganz so rübergekommen. Was ich damit meine, ist Folgendes:
    Als Gemeinderat hat man vor einer Gemeinderatssitzung eine Fraktionssitzung, wo alle Punkte durchbesprochen werden. Wenn die Sitzung dann eine Vielzahl von Punkten auf der Tagesordnung hat, was meistens der Fall ist, dann gibt es auch einen dicken Ordner mit den zugehörigen Informationen. Der Fraktionsobmann sollte hier alle Details dazu wissen und dieses Wissen an die parteieigenen Gemeinderatsmitglieder weitergeben. Seitenlange Verträge werden hier oftmals nur ansatzweise durchbesprochen. Sollten sich bei speziellen Tagesordnungspunkten Unsicherheiten oder Probleme herauskristallisieren, dann wird versucht, diese Wort für Wort durchzuarbeiten (wobei man hier ein Jus-Studium benötigen würde, um 100%ige Sicherheit für den Inhalt zu erlangen).
    Das meine ich mit „man hat nie alle Informationen“, denn vieles passiert in den vorhergehenden Ausschüssen, vieles in Sitzungen mit den Beteiligten und mit Spezialisten von Land und Bund usw. Diese Informationen bekommt immer nur ein kleiner Teil, aber alle Gemeinderäte müssen dann anhand dieser gesammelten Informationen ihr Votum abgeben. Das ist oftmals doch recht schwierig, und man verlässt sich natürlich auf jene Personen, die in den jeweiligen Sachverhalt involviert waren.

    Nun kommen wir zu den „krummen Sachen“ und unserem Meisteraufdecker.
    Als Beispiel nehmen wir die mediale Darstellung des Wiesengrundstücks beim Kreisverkehr Friedhof. Hier wird von einer Partei angeprangert, dass wir als Gemeinde Geld verschwenden, indem wir einen bekannten Vorchdorfer über Gebühr sponsern. Das ist die Information auf einer Seite der Medaille – die ist auch richtig, was die Summen betrifft, und in Protokollen nachzulesen. Das war’s auch schon mit der Wahrheit. Denn auf der anderen Seite der Medaille ist die Information, wie es zu diesem Betrag und zu dieser Übereinkunft überhaupt gekommen ist. Das ist in den Protokollen nicht nachzulesen, da dies eben durch Gespräche, Sitzungen und Ausschüsse ausverhandelt wurde. Was steht nun auf der ersten Seite der Medaille? Ein Kompromiss, wie wir alle ihn tagtäglich überall machen müssen. Denn das Leben besteht großteils aus Kompromissen. Ohne diesen Deal hätten wir zum Beispiel nicht die Straßenverbreiterung samt Gehsteig zum Billa machen können, wie wir es jetzt haben (ob sinnvoll oder nicht, ist eine andere Geschichte). Das Ergebnis dient der allgemeinen Sicherheit. Was nun unsere neue Aufdeckerliste macht, ist nicht immer, aber in vielen Fällen genau diese Vorgehensweise. Eine Medaille zu präsentieren und dadurch alle beteiligten Gemeinderäte als unzurechnungsfähig und hörig darzustellen. Das meistens ein wichtiger Kompromiss dahinter steht, wird hier wissentlich verschwiegen.
    Beim Thema Gesundheitszentrum war zum Beispiel auch ein Agreement notwendig, das nachfolgend laufend Kosten verursacht. Wäre diese Übereinkunft aber nicht zustande gekommen, dann hätten wir in Vorchdorf kein INKOBA-Betriebsbaugebiet und das wäre es meiner Meinung ein Fiasko gewesen. Denn durch diese Widmung haben wir 1. Arbeitsplätze in unserem Ort, 2. Steuereinnahmen in unserem Ort, 3. einen Schotterboden, der als landwirtschaftliche Fläche nicht geeignet ist und dadurch einer anderen Verwendung zugeführt wurde und 4. kurze Wege durch die Autobahnnähe, was der Umwelt zugutekommt (wenn man nicht der Auffassung ist, gar keine Betriebe wären besser – also back to Steinzeit).
    Thema Naturfreunde: Jeder Bürger oder Verein soll die Möglichkeit haben, Ideen und Wünsche der Gemeinde vorzutragen. Wir sind dann das Entscheidungsgremium, wo diese bezüglich Kosten/Nutzen evaluiert werden. Wir freuen uns, dass die Naturfreunde sich bereit erklären, die Planung und auch die Verwaltung eines Skater- und Pumptrackplatzes in Angriff zu nehmen.
    Man muss schon ein bisserl aufpassen, wohin man mit seinen Fingern zeigt. Die ganze Wahrheit zu erfassen ist für jeden schwierig, und sich auf nur einen Teil davon zu verlassen, kann zu falschen Schlussfolgerungen und Begünstigung von Unwahrheiten führen.
    Da Sie hohes Interesse an unserer Gemeinde zeigen, würde ich Ihnen empfehlen, die Gunst der Stunde zu nützen und sich für die nächsten 6 Jahre als Gemeinderat oder auch gerne als Märchenprinz zur Verfügung zu stellen, damit Sie die Erfahrungen auch in freier Natur sammeln können.
    Herzlichst, Ihr Martin Fischer

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    1. Arm.In.Wolfff

      (Name ist der Redaktion bekannt)
      Einen wunderschönen Abend, Herr Mag. Fischer, ein Dankeschön, dass Sie auf mein Feedback zu Ihrem Interview eingegangen sind. Ich respektiere Ihre Antworten, auch wenn ich in vielen Punkten nach wie vor eine etwas andere Sichtweise habe. Also, der Reihe nach:

      Ihre Kreativität und die Sternschnuppen überlasse ich Ihnen ohne Widerrede – ich bin ja selbst gespannt, ob sie Ihnen am 26. beistehen werden. Danke für die umfassende Erläuterung des Ablaufs der Informationsfindung eines Gemeinderates. Bekanntlich bin ich Laie auf dem Gebiet, beruflich aber sehr wohl regelmäßig damit konfrontiert, Dinge abarbeiten zu müssen, die ich im Detail nicht immer kenne. Die Lösung ist relativ simpel, man muss sich einen jeweiligen Spezialisten suchen, um eine Information so aufbereiten zu können, dass man sie rasch versteht und eine gute Basis für eine Entscheidung hat. Ist das nicht der Fall, dann kann eher nur nach der Schnipp-/Schnapp-Methode entschieden werden – was später eher zu Problemen führt. Ich sag´s ganz ehrlich, danke für Ihre offene Darstellung, aber wohler ist mir dabei nicht geworden, jetzt zu wissen, dass der GR öfters etwas entscheidet, wovon er nix weiß … vielleicht ist das auch der Grund, warum nun doch einige, sagen wir es mal so, Ungereimtheiten ans Tageslicht kommen.

      Kompromisse sind notwendig, bin ich bei Ihnen. Das bedeutet aber für mich nicht, dass Vereinbarungen verschleiert werden. Hier geht es um öffentliches Vermögen, für dessen Einsatz es eine nachvollziehbare Dokumentation geben muss. Hier muss man niemanden als Aufdecker bezeichnen, hier wird darauf hingewiesen, dass es Ungereimtheiten gab. Wenn denn alles so sauber abgelaufen wäre, dann sollte sich das doch alles sauber dokumentieren lassen. Dazu habe ich aber noch nichts gelesen, außer z. B. der Aussage eines Herrn Bürgermeisters, der von einer kostenlosen Überlassung der Wiese gesprochen hat – obwohl ja zugestanden wird, dass ein 5-stelliger Betrag geflossen ist. Sorry, das ist mir nicht klar. Wohl auch nicht dem INVO.report, der eine ähnliche Einschätzung geäußert hat. Nochmals, ich bin kein Fan der Peter-Pilz-Methoden, aber ich denke, Unzulänglichkeiten gehören auf die Oberseite des Teppichs. Das tut ein Herr Sprung nun und ich würde ihm nicht unterstellen wollen, dass er auch nur irgendjemanden für unzurechnungsfähig erklären möchte. Er will nur Antworten auf seine öffentlich geäußerten Fragen und erreichen, dass es hier deutlich mehr Transparenz gibt. Schlecht? Finde ich nicht. Ist ja auch mein Geld.

      Zu INKOBA gebe ich Ihnen recht, dass neue Betriebe und Arbeitsplätze die finanzielle Zukunft der Gemeinde absichern – die Frage ist nur, welche Betriebe das sind. Die Logistikbranche kennen Sie als Packerl-Abgabestelle ja bestens, High-Tech-Lagerroboter mit qualifizierten Technikern sind nun leider bei Lambach zu finden – warum, dazu gab es klare Aussagen seitens der Eigentümer. Und das Baggerunternehmen ist eine reine Übersiedlung, bringt also genau nix. Das hohe Interesse an der Gemeinde unterstellen Sie mir jetzt einmal, ich sehe es eher so, dass ich mit offenen Augen durch Vorchdorf gehe und mir immer öfter die Frage stelle, warum gewisse Dinge so sind, wie sie nun sind und ob das in Zukunft auch so sein muss. Da ich mir aus diesem Grund bereits einige GR-Sitzungen zu Gemüte geführt habe, würde ich lieber Märchenprinz sein, als dort „Erfahrungen in freier Natur“ sammeln zu müssen. Aber das ist eine andere Geschichte … also, verbleiben wir so, freuen wir uns auf einen spannenden Wahlsonntag, in der Hoffnung, dass es einen Neustart geben wird – der ist ja in unser beider Sinne, oder?

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  3. Arm.In.Wolfff

    Sehr geehrter Herr Mag. Fischer, zumindest in der Reihenfolge der Interviews haben Sie Ihren blauen Kollegen ja schon mal überholt! Trotzdem, Ihre Wahlprognose erscheint mir dann doch ein bisserl sehr kreativ zu sein. Für Ihre offene Kommentare zum Ablauf von Abstimmungen kann man nur dankbar sein, vor allem, wenn zugegeben wird, dass selten alle Unterlagen auf dem Tisch liegen. Mir persönlich ist damit aber völlig unklar, auf welcher Grundlage dann der einzelne GR seine Entscheidung treffen will und dann auch noch abstimmt. Ich kenne mich da zu wenig aus, ob ein solches System Vorchdorf-spezifisch ist, wenn das aber so wäre, so muss es hier einfach rasch eine Änderung geben. Die Wahl ist ja eine gute Gelegenheit dafür! Der von Ihnen angegriffene Herr Sprung scheint ja hier aus dem schwarzen System ausgestiegen zu sein und durch seine akribische Aufdecker-Arbeiten eine solche Änderung aufzeigen und bewirken zu wollen. Den GR vorführen oder aufwecken (ich zitiere Sie mit dem Stichwort „Dornröschen …“), das ist hier die Frage. Eine solche Änderung kann doch nur gut sein, für den Ort und die Politik. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass kritische Geister schnell einmal als „Querulanten“ bezeichnet werden. Wenn man sich aber all die krummen Geschichten so ansieht, die jetzt Tag für Tag aufpoppen, so sehe ich hier eine absolute Dringlichkeit geboten. Im Umkehrschluss könnte man ja auch sagen, es gab bisher keine starke Opposition im Ort. Dem Bürgermeister einfach seine Worte „da wird´s schon eine Lösung geben“ zu glauben, kann es ja auch nicht sein, oder? Die Ergebnisse sprechen ja eine völlig andere Sprache. Übrigens, man muss nicht weit blicken, um auch Bürgermeister mit hohem Ansehen in der Bewohnerschaft zu finden. Der ehemalige Würdenträger aus Kirchham (hat der nicht über 60 % der Stimmen bekommen?) war ja anscheinend so beliebt, dass er sogar uns Vorchdorfern mit dem Zubetonieren der INKOBA-Flächen für low-salary-(Logistik)Firmen und beim Fussballverein aushelfen durfte. Bei den Themen Pflege und Verkehr bin ich absolut bei Ihnen, auch bei Projekten für Jugendliche. Aber warum müssen denn da die Naturfreunde vorstellig werden, damit die Politik endlich was in die Hand nimmt? Naja, Sie sagen es ja selbst, Rot war 6 bis 12 Jahre im Dornröschenschlaf, das entschuldigt dann zumindest im Falle der SPÖ einiges. Womit wir dann wieder beim Ausgang der Wahl wären … vielleicht reitet ja doch noch ein Prinz in den Ort und weckt Euch auf ::)). Schönen Urlaub wünsche ich noch!

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