Klimaschutz: Für Resignation ist es zu spät

29. November 2021

Auch wenn es viele nicht mehr hören können oder immer noch ignorieren: Nichts wird unsere Zivilisation in den nächsten Jahren und Jahrzehnten so in Frage stellen wie der Klimawandel und das Artensterben. Dass eine Kommune wie Vorchdorf allein die Klima- und Energiewende nicht herbeiführen wird, darf keine Rechtfertigung für Untätigkeit sein. Der INVO.report hat Ideen gesammelt, was Vorchdorf tun könnte.

Gleich vorweg: Vorchdorf hat im Kampf gegen den klimatischen Super-GAU schon Beachtliches geschaffen. Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Christian Hummelbrunner und der Energiegruppe Vorchdorf, die hinter den kommunalen Solarkraftwerken im Ort steckt. Gerade eben hat sich mit der von Hummelbrunner angestoßenen Laudachtaler Energiegemeinschaft eine von Oberösterreichs ersten Energiegemeinschaften konstitutiert. Darin zusammengeschlossen sind Besitzer von Photovoltaik-Anlagen, die überzähligen Strom direkt an die Endverbraucher*innen in der Gemeinschaft liefern: zu einem für beide Seiten attraktiven Preis, der über dem liegt, was man für die Einspeisung ins Netz bekommen  bzw. für den Bezug vom angestammten Energieversorger bezahlen würde.

Zu den weiteren Vorchdorfer Pluspunkten zählen die im Vergleich zu benachbarten Orten ausgezeichnete Infrastruktur für Elektrofahrzeuge, die Nahwärmeversorgung, das kommunale Bienenprojekt und das frei entlehnbare E-Lastenfahrrad („Vorradl“) sowie wie die kluge Reduktion der öffentlichen Beleuchtung.

So weit, so gut – aber angesichts der Zukunftsperspektiven kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegenteil: Angesichts dessen, was noch auf uns zukommt, müsste der Klimaschutz einer der zentralen Aufgabenbereiche der Kommune sein. Aus mehreren Gründen: Weil es weltweit auf die Summe aller Bemühungen ankommt – und seien sie für sich genommen noch so klein oder in ihrer Wirkung lokal beschränkt. Weil eine Kommune Vorbildfunktion für ihre Bürger*innen hat und in unterschiedlichsten Partnerschaften Multiplikatorin, Moderatorin und Anstifterin zur Initiative sein kann. Und nicht zuletzt, weil es die Fairness gebietet: Auch Vorchdorf hat seinen Teil zum Klimawandel beigetragen und steht in der ethischen Verantwortung der Wiedergutmachung. Da klingt die resignative Ansage von Bürgermeister Hans Mitterlehner im INVO.report-Interview, Vorchdorf allein könne ohnehin kaum etwas bewegen, geradezu alarmierend.

Denn auch die Gemeinde könnte noch weitaus mehr als den geplanten Ausbau der Photovoltaikflächen anpacken. Wie zum Beispiel:

  • eine*n kommunale*n Klimaschutz-Beauftragte*n installieren
  • öffentliche Bauprojekte möglichst klimaneutral und in Holzbauweise realisieren
  • die Begrünung und Beschattung des geplanten Bildungscampus inklusive Ausstattung mit Hohlkörperdach, um Starkregen zurückzuhalten und das Wasser zeitversetzt an die Umgebung abzugeben
  • für nachhaltiges Bauen werben und beispielhafte Bauprojekte auszeichnen
  • eine Initative zur Entsiegelung nicht mehr genutzter asphaltierter Flächen starten
  • einen mit den Unternehmen und Vereinen im Ort gemeinsam entwickelten Masterplan zur örtlichen CO2-Reduktion im Rahmen der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens umsetzen
  • neue Parkplätze nur mehr dann anlegen, wenn der Boden durch die Verwendung von Rasengittersteine nicht gänzlich versiegelt wird (wie bei der Grüne-Erde-Welt in Pettenbach der Fall)
  • sichere und attraktive Rad- und Fußwege statt einer Raum- und Verkehrsplanung, die noch immer fast zu 100 % auf Autos ausgerichtet ist (wie bei V-Center, Hofer, s’Mile, Spar und Co)
  • ein kommunales E-Car-Sharing-Projekt wie in Kirchham
  • eine jährlich Baum-Bestellaktion für alle, ebenfalls wie in Kirchham
  • das selbstverständliche Anpflanzen zweier neuer Bäume für jeden gefällten
  • das Anlegen eines zukunftsfähigen Mischwaldes auf Gemeindegrund
  • eine Betriebsansiedelungsoffensive für nachhaltig arbeitende Unternehmen
  • die Entfernung des Mikroplastik freisetzenden Kunstrasens auf den Vorchdorfer Verkehrsinseln
  • einen kommunalen Wettbewerb für Klimaschutzprojekte und -ideen initiieren.

Ganz im Sinne des Bürgermeisterversprechens „Gute Ideen werden wir natürlich aufgreifen“ bittet der INVO.report um die Nennung weiterer Einfälle per Kommentar.

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